Greinsfurth

Erstellt am 09. August 2016, 05:28

Neo-Eigentümer: „Tschick klauben ist nicht mein Hobby“. Hunderte Leute müssen 195,30 Euro Strafe zahlen, weil sie Parkplatz beim „Orion“ benutzten. Neuer Grundstücksbesitzer greift hart durch.

Das vor einigen Wochen montierte Schild, das besagt, es dürfen nur Kunden des Erotikfachgeschäfts „Orion“ während des Einkaufs am dazugehörigen Parkplatz stehen, wurde ohne das Wissen der Firma „Orion“ und des Geschäftsführers Andreas Pauer angebracht: „Leider ist das Schild irreführend und die Leute denken, es wäre von uns montiert worden.“  |  Daniela Schlemmer

Die dreiseitigen Schreiben samt zu unterzeichnender Unterlassungserklärung betreffend Besitzstörung flatterten in den vergangenen Tagen und Wochen in hunderte Häuser von „Parkplatzsündern“.  |  NOEN, Schlemmer

Andreas Pauer, Geschäftsführer des Erotikgeschäfts „Orion“ in Greinsfurth, versteht die Welt nicht mehr: „Es ist, als wäre ich im falschen Film. Mir wurde persönlich gedroht, ich wurde beschimpft, es hieß, man würde mir die Reifen aufschlitzen, mich zusammenschlagen – erst gestern habe ich ein drei Seiten langes Wutschreiben (Anm.d.Red.: Bild links) bekommen. Ich sage zwar jedem Kunden, dass wir damit nichts zu tun haben, aber es fällt leider auf uns zurück“, schildert der Geschäftsführer am Donnerstag der Vorwoche von der misslichen Lage, in die er und seine Mitarbeiter persönlich geraten sind.

Hintergrund der Attacken gegen das Geschäft ist eine kürzlich erfolgte Änderung der Eigentumsverhältnisse des Grundstücks samt Gebäude, in das die Firma „Orion“ eingemietet ist. Geschäftsmann Franz Breitenfellner, der das Grundstück gekauft hatte, brachte vor einigen Wochen eine Hinweistafel bei der Einfahrt zum Parkplatz an, auf der zu lesen ist: „Parken nur für Kunden ORION während des Einkaufs. Widerrechtlich abgestellte Fahrzeuge werden zur Anzeige gebracht.“

„Ich werde dieses Gebäude nicht mehr betreten, das ist eine Abzocke und es ist mir egal, wem es gehört.“

Johann Klammer, betroffen von einer Strafzahlung

Und viele Menschen erfuhren bereits, wie ernst es der Neo-Eigentümer mit diesem Parkverbot nimmt: Zig Anwaltsschreiben flatterten bereits in die Häuser von „Parksündern“, die außerhalb der Öffnungszeiten des Erotikgeschäfts dort geparkt hatten oder während der Parkdauer nicht im „Orion“, sondern bei anderen Geschäften im gegenüberliegenden Einkaufszentrum „Westside City“ eingekauft hatten.

Einer der Betroffenen, der Ulmerfelder Johann Klammer, schilderte seinen Fall der NÖN: „Ich war vormittags im Pagro einkaufen und habe mein Auto beim Parkplatz vor dem ‚Orion‘ abgestellt.“ Dann kam das Schreiben des Anwalts lautend auf Besitzstörung und der Aufforderung, 195,30 Euro für den Aufwand der Kanzlei Maier in Mauthausen zu zahlen. Angehängt außerdem eine Unterlassungserklärung, in der Klammer erklären soll, sein Fahrzeug nie wieder unbefugt am Parkplatz abzustellen.

„Ich halte das für eine Frechheit. Ich habe mit meinem Anwalt geredet, es bleibt mir nichts anderes übrig, als zu zahlen. Aber ich werde dieses Gebäude nicht mehr betreten, das ist eine Abzocke und es ist mir egal, wem es gehört“, ist er empört.

Laut den Administratoren der Facebook-Plattform „Muss das sein, liebes Amstetten“, die am Montag der Vorwoche erste Hinweise zum Parkverbot verbreitet hatte, hätten sich bei ihnen schon 300 Betroffene gemeldet.

„Manche glauben, das ist öffentliches Gut“

Wie Neo-Eigentümer Franz Breitenfellner gegenüber der NÖN bestätigt, kommt er gelegentlich persönlich vorbei, beobachtet während der Geschäftszeiten das Einkaufsverhalten der Nutzer seines Parkplatzes und fotografiert deren Kennzeichen, wenn diese nicht ins „Orion“ gehen. Nach Geschäftsschluss nimmt er ausnahmslos alle Fahrzeuge auf und leitet die Beweise an seinen Anwalt weiter: „Vor 14 Tagen am Abend standen 70 Fahrzeuge am Parkplatz, er war voll mit Kinobesuchern“, berichtet er und begründet seine rigorose Durchsetzungsweise: „Ich habe hier keine halbe Million Euro investiert, um die Kinokunden glücklich zu machen.“

Er bekräftigt: „Ich bin Eigentümer des Grundes und des Objekts. Ich entscheide, wer auf dem Parkplatz stehen darf, aber manche glauben, das ist öffentliches Gut. Die Reaktionen der Menschen, die sich aufregen und mich als Abzocker bezeichnen, verstehe ich nicht. Ich gebe Ihnen mein Ehrenwort, ich kassiere keinen Euro damit, ich hab‘ nur Kosten und die Arbeit. Ich will einfach, dass am Parkplatz Ruhe einkehrt. Da kommen die Kinobesucher und schmeißen einfach ihre Zigaretten überall hin. Tschick klauben ist aber nicht mein Hobby.“

Sauberkeit und Ruhe sei ihm auf seinem neuen Grundstück wichtig, denn er hat einiges damit vor: „Ich muss Sanierungen machen und will dann wieder an Geschäfte vermieten. Hier ist viel verpfuscht worden, aber ich bin überzeugt, man kann etwas daraus machen.“ Die Schuld an der gegenwärtigen Aufregung sieht er beim Kinobetreiber: „Ich kann auf Dauer nicht tolerieren, dass die Kinogäste meinen Parkplatz benutzen.“

Er möchte eine Vereinbarung, dass das Cineplexx seinen Beitrag leiste, wenn die Kinogäste weiterhin hier gratis parken dürfen sollen. Und er merkt an: „Wenn sich nicht bald was tut, bekommt der Kinobetreiber womöglich ein Problem, da er seine Betriebsstättengenehmigung nur für die volle Parkplatzzahl bekommen hat.“

Dem Cineplexx wiederum „entzieht es sich jeder Kenntnis, auf welcher Grundlage – und warum – Herr Breitenfellner, der mit uns bisher noch nicht einmal Kontakt aufgenommen hat, unzutreffende Vermutungen bezüglich einer ‚Betriebsstättengenehmigung‘ anstellt“, bekräftigt Prokurist Klaus Klinger gegenüber der NÖN. Vonseiten des Cineplexx bedaure man die Unannehmlichkeiten für die Kunden des Einkaufszentrums und des Kinos.

Das Kino habe bereits um rechtliche Abklärung der Situation durch den Eigentümer, vertreten durch die Hausverwaltung Frieda Rustler, ersucht. Diese prüft die Angelegenheit. Bis dahin empfehle das Cineplexx seinen Kunden, die übrigen 250 Parkplätze im Bereich der „Westside City“ zu nutzen, „die auf jeden Fall – wie bisher und unentgeltlich – genutzt werden können“, erklärt Klaus Klinger.

Zitiert: „Andernorts zahlt man viel mehr“

„Das ist keine Abzocke, niemand muss sich am Parkplatz hinstellen. Außerdem ist der Tarif von 195 Euro nicht überzogen, das ist ein Landtarif. Andernorts zahlt man viel mehr.“
Neo-Eigentümer Franz Breitenfellner über Vorwürfe, die ihn ereilt haben, er würde die Leute nur abzocken

„Für den Geschäftsführer des ‚Orion‘ tut es mir leid, er kann wirklich nichts dafür, aber ich muss es durchziehen.“
Breitenfellner über das Ärgernis für das Geschäft „Orion“, das anfänglich von den Bürgern unwissentlich für die Strafzahlungsaufforderungen verantwortlich gemacht wurde

„Meine Frau und ich standen dort mit zwei Autos und wir haben zwei Strafen bekommen. Ich habe dann in der Kanzlei angerufen und gebeten, da es uns doppelt getroffen hat, einen Kulanzweg zu gehen, aber da ging nichts.“
Einer von mehreren empörten Anrufern berichtete der NÖN von Bemühungen um eine Kulanzlösung mit der Anwaltskanzlei

Umfrage beendet

  • Parkstrafen am „Orion-Parkplatz“ Abzocke?