Erstellt am 03. Februar 2016, 05:03

von Daniela Führer

Ahnenforschung: Duo geht mit Idee in Geschichte ein. Klaus Berger (29) aus Ferschnitz und Michael Gartler (30) aus Amstetten machten ihr Hobby, die Ahnenforschung, zum Beruf. Aufträge kommen aus der ganzen Welt.

Michael Gartler und Klaus Berger (v.l.) machten sich vor etwas über vier Jahren mit der Erforschung der Vorfahren ihrer Kunden selbstständig. Mehr Infos: www.bgahnenforschung.at. Foto: privat  |  NOEN, privat

„Wenn man lange sucht und nichts findet. Wenn man bereits verzweifelt, herumprobiert und dann draufkommt, dass es nicht Bilowice, sondern Velké Bílowice ist, wonach man sucht, da sich der Name im Laufe der Geschichte verändert hat. Wenn man dann doch noch den Eintrag findet, das ist einfach großartig“, schwärmt der gebürtige Ferschnitzer Klaus Berger (29).

Er und sein langjähriger Freund und Kollege Michael Gartler (30) aus Amstetten haben das geschafft, wovon viele träumen. Sie haben ihr Hobby, die Ahnenforschung, zum Beruf gemacht – und sind auch noch ziemlich erfolgreich damit.

„Anfragen kommen auch aus Amerika“

Angefangen hat alles, als sich beide unabhängig voneinander mit ihren jeweiligen Familiengeschichten auseinandergesetzt haben. „Wir tauschten uns dann öfter über die Ahnenforschung aus und dann kam uns die Idee: Wir könnten das doch auch für andere machen“, erinnert sich Klaus Berger an die Anfänge. Im Herbst 2011 gründeten sie ihre Firma „Berger & Gartler Ahnenforschung“.

Zu Beginn bearbeiteten die beiden studierten Geschichtswissenschafter noch Aufträge aus dem privaten Freundes-, Familien- und Bekanntenkreis. Mit der Zeit wurden aber auch Medien, die NÖN sowie österreichweite Printmedien und TV-Sender, auf die nicht alltägliche Geschäftsidee aufmerksam und berichteten darüber.

Die Bekanntheit der „B&G Ahnenforschung“ stieg und damit die Zahl der Kunden. Mittlerweile hatten Berger und Gartler bereits Aufträge in Österreich, Kanada, Schweden, der Schweiz, Deutschland oder Italien.

„Anfragen kommen auch aus Amerika, Kroatien und weiteren Ländern. Der Großteil unserer Kunden sind aber Privatkunden aus Österreich, die für sich selber oder für einen Familienangehörigen die Vorfahren erforschen lassen wollen“, erklärt Michael Gartler.

„Ich hatte einen Geburtseintrag aus dem
Jahr 1678 aus Hollenburg (NÖ) dabei.
Michael von 1635 aus Gars am Kamp.“
Klaus Berger

Doch wie funktioniert die Ahnenforschung eigentlich? „Grundsätzlich ist es möglich, bis in die zweite Hälfte des 17. Jahrhunderts zurück zu forschen“, erklärt Klaus Berger, der wie sein Kollege Michael Gartler seit einigen Jahren in Wien lebt. „Ich hatte vor Kurzem einen Geburtseintrag aus dem Jahr 1678 aus Hollenburg (NÖ) dabei. Michael aus dem Jahr 1635 aus Gars am Kamp“, zeigt Klaus Berger auf.

Viele ihrer Informationen finden sie im Internet sowie in Archiven oder Standesämtern. Führt ein Fall ins Ausland, arbeiten sie mit Kollegen – beispielsweise aus Tøeboò oder Budapest – zusammen. Wie lange die beiden an einem Auftrag arbeiten, hängt grundsätzlich von der Größe des Auftrags ab. „Im Schnitt benötigt man für vier Generationen ein bis zwei Wochen“, berichtet Gartler.

Grund für Ritterstand von Sueß erforscht

Bei ihrer Arbeit kommt den beiden Forschern – Klaus Berger arbeitet mittlerweile hauptberuflich im eigenen Unternehmen, Michael Gartler hat neben der Firma noch einen Teilzeitbürojob – auch immer wieder nicht Alltägliches unter.

„Zum Beispiel beim Auftrag einer Kundin aus Toronto, Kanada. Sie hat ein Gemälde gefunden, auf dem Helene Sueß – die Schwägerin von Eduard Sueß, dem Erbauer der Wiener Hochquellwasserleitung – zu sehen war. Über sie wollte die Dame mehr erfahren“, schildert Berger. „Dabei konnten wir auch herausfinden, warum ihr Sohn Friedrich Sueß in den Ritterstand erhoben wurde. Weil nämlich der Vater von Friedrich bereits diesen Anspruch hatte, diesen allerdings nicht geltend machte, und am Totenbett seinen Sohn darum bat, den Anspruch geltend zu machen. Diesen Wunsch erfüllte Friedrich dann im Jahr 1908.“

In einem weiteren Fall fanden die beiden den leiblichen Vater des 1896 geborenen Großvaters eines Kunden. „Der Großvater wurde adoptiert. Seine Mutter heiratete nämlich 1912 einen Adeligen“, berichtet der Ahnenforscher. Der Verbleib des leiblichen Vaters war noch unbekannt. Doch auf den Passagierlisten der „Fürst Bismark“, die 1896, wenige Wochen vor der Geburt des Großvaters, in New York anlegte, fanden sie schließlich eine Person, deren Daten mit jenen des leiblichen Vaters übereinstimmten. „Dieser starb 1910 in City of Cranston, Amerika“, schildert Klaus Berger von den Forschungen.

Am gefragtesten sind Aufträge, die vier bis fünf Generationen zurück forschen: „Wir listen dabei Geburts-, Heirats-, und Sterbedaten der Vorfahren auf. Ebenso fügen wir – falls in den Quellen vorhanden – Informationen zum Beruf oder auch die Gründe des Ablebens auf.“