Erstellt am 09. Februar 2016, 04:23

von Hermann Knapp

Ärger um Spritzenkur für krankes Baby. Vater erzürnt: Beide Kinderärzte mit Kassenvertrag waren auf Urlaub, Landesklinikum Amstetten erklärte sich als nicht zuständig.

Vater Christian Böhm erhebt Vorwürfe gegen das Landesklinikum Amstetten. Foto: Archiv  |  NOEN, Archiv

Erzürnt ist Christian Böhm über das Landesklinikum Amstetten: „Wie sehr muss man betteln, damit ein Baby seine Medizin verabreicht bekommt“, schimpft er.

Nach Linz gebracht – dort war kein Platz frei

Zur Vorgeschichte: Böhm und seine Lebensgefährtin Nicole, wohnhaft in Amstetten, bekamen Zwillinge. Im Oktober des Vorjahres wurde die werdende Mutter in der 39. Schwangerschaftswoche im Landesklinikum aufgenommen, weil der Muttermund verkürzt war.

„Da sich ihr Zustand nicht besserte, musste Nicole in ein Spital mit Frühchenstation überstellt werden. Sie wurde also mit dem Rettungsfahrzeug nach Linz gebracht, wo sich dann aber herausstellte, dass kein Platz frei war“, berichtet Böhm. Er wirft dem Amstettner Klinikum vor, nicht abgeklärt zu haben, ob in Linz ein Bett frei sei.

„Man hat mir zwar gesagt, dass es ein Telefonat mit Linz gegeben habe, der Arzt habe aber nicht aufgeschrieben mit wem. Es sei jemand mit einem ausländischen Namen gewesen“, berichtet Böhm. Für ihn klingt das nicht sehr glaubwürdig. Nicole wurde schließlich nach St. Pölten überstellt und brachte dort am 13.11. per Notkaiserschnitt die Söhne Elias und Jonas zur Welt.

Sechsteilige Spritzenkur durch Kinderarzt

Am 5. Dezember durfte die Familie nach Hause und es schien alles gut zu sein. Kurz vor Weihnachten stellte sich bei einer Nachuntersuchung in St. Pölten allerdings heraus, dass Jonas zu wenig rote Blutkörperchen hatte.

Entgegenwirken kann man dem mit einer sechsteiligen Spritzenkur durch den Kinderarzt. „Die erste Spritze bekam er noch in St. Pölten. Da es zu den Feiertagen schwierig war, einen Kinderarzt ausfindig zu machen, wandten wir uns ans Landesklinikum Amstetten. Dort verabreichte in den folgenden Wochen eine sehr nette junge Ärztin Jonas die restlichen fünf Spritzen.“

Kurz darauf stellte sich dann aber heraus, dass Elias ebenfalls zu wenig rote Blutkörperchen hatte. Auch ihm wurde daher die Spritzenkur verordnet.

Die erste Injektion bekam er in St. Pölten, die nächsten drei dann von der Kinderärztin. „Diese war jedoch von 1. bis 7. Februar auf Urlaub, daher wollte Nicole einen Termin im Klinikum Amstetten vereinbaren. Da wurde ihr aber erklärt, dass das Spital dafür nicht zuständig sei, wir sollten uns doch an einen anderen Kinderarzt wenden.“

„Wie sehr muss man für Medizin betteln“

Der einzige andere Kinderarzt mit Kassenvertrag war aber ebenfalls auf Urlaub. Erneut wandte sich Nicole daher an das Spital. Dort wurde ihr nun empfohlen, zu einem Wahlarzt zu gehen oder ins Landesklinikum nach Melk zu fahren.

„Als sie einwandte, dass man doch ein elfwöchiges Baby nicht einfach ablehnen dürfe, hieß es, dass wir gerne kommen könnten. Elias würde dann für eine halbe Stunde stationär aufgenommen und wir bekämen danach eine Rechnung für einen Tagesaufenthalt im Klinikum. Dabei dauert es nur ein paar Minuten ihm die Spritze zu geben. Wie sehr muss man betteln, damit ein kleines Baby seine Medizin verabreicht bekommt. Das ist eine bodenlose Frechheit!“, schimpft Böhm.

Schließlich fand sich doch noch ein Arzt, der dem Baby die Spritzen verabreichte.


Stellungnahme des LKH Amstetten: Kinderambulanz ist für Notfälle da

Stellungnahme der NÖ Landeskliniken-Holding zu den Vorwürfen von Christian Böhm.

Der untersuchende Arzt hat unmittelbar mit der Landesfrauenklinik Linz Kontakt aufgenommen, dort wurde vom Diensthabenden eine Bettenzusage erteilt. In der Folge wurde der Sekundärtransport nach Linz angefordert.

Wir wissen nicht, warum die Zusage in Linz nicht mehr bekannt war. Für die Zukunft wurde vereinbart, dass Name und Telefonnummer des Zusagenden dokumentiert werden.

Bezüglich Nachuntersuchung und Spritzenkur: Die Kinderabteilung in Amstetten hat eine Ambulanz für Notfälle. Grundsätzlich ist die Gesundheitsversorgung so organisiert, dass Notfälle in Krankenhausambulanzen versorgt werden und Routineleistungen im niedergelassenen Bereich zu erbringen sind. Die Gesundheitsdienstleistungen sind dabei mit der Krankenkasse genau geregelt.

Nachdem es der Familie nicht möglich war, im niedergelassenen Bereich die Versorgung zu erhalten, wurde diese vom Klinikum übernommen. Es ist verpflichtend, alle medizinischen Behandlungen im Krankenhaus zu dokumentieren. Da es sich hier nicht um einen Notfall, sondern eine Routineleistung handelte, wurde eine tagesklinische Aufnahme durchgeführt, bei der ein gesetzlich geregelter Kostenbeitrag anfällt.

Zusammenfassend sei darauf hingewiesen, dass die Anforderung gegenüber den Abteilungen im Krankenhaus besteht, stationär zu versorgende Patientinnen und Patienten bestmöglich zu betreuen und im Rahmen der Notfallambulanz Notfällen zur Verfügung zu stehen.