Amstetten

Erstellt am 29. August 2017, 05:40

von Hermann Knapp

Aus Rücksicht kein Schweinefleisch im Kindergarten. Kindergarten verzichtet wegen Kindern aus anderen Kulturen beim Mittagstisch auf Schweinefleisch und Gelatine. Für VP-Vize Dieter Funke ist das verkehrt.

Der Stein des Anstoßes!  |  Weingartner

Dass es in einem Kindergarten der Stadt beim Mittagstisch künftig kein Schweinefleisch mehr geben soll, stößt VP-Vizebürgermeister Dieter Funke sehr sauer auf.

Er wurde von erbosten Eltern darüber informiert, dass sie ein entsprechendes Schreiben des Kindergartens erhalten hätten. Darin heißt es: „Da Kinder aus anderen Kulturen auch bei uns zu Mittag essen, gibt es kein Schweinefleisch oder Lebensmittel mit Schweinegelatine.“

„Grundsätzliche Frage der Integration“

Für Funke geht das aber gar nicht, weil es für ihn eine grundsätzliche Frage der Integration berührt. „Wenn eine Religion vorgibt, dass die Gläubigen kein Schweinefleisch essen dürfen, dann respektiere ich das.

Dass man deswegen auch gleich unseren Kindern das Schweinefleisch vorenthält, ist sicher der falsche Weg und das falsche Signal. Ich finde, dass die Leute, die zu uns kommen, sich an unsere Werte und unsere Kultur anpassen müssen und nicht umgekehrt“, sagt der VP-Politiker.

Keine Weisung an die Kindergärten

In Österreich stehe nun einmal Rindfleisch, Schweinefleisch, Hühner- und Putenfleisch auf dem Speisezettel. „Und so oft wird es schon kein Schweinefleisch geben. An diesen Tagen müssen sich die Kinder, die das nicht essen wollen oder können, eben eine Jause von zu Hause mitnehmen. Ich sehe das auch als Affront gegenüber unseren Landwirten, denn die Schweinezucht ist in unserem Bezirk ein wichtiger Wirtschaftszweig.“

Bürgermeisterin Ursula Puchebner (SP) betont, dass es seitens der Stadt natürlich keine Weisung an die Kindergärten gibt, dass kein Schweinefleisch gekocht werden darf. „Die Kindergärten richten ihre Speisepläne nach ihren Erfahrungswerten und hauptsächlich danach, was den Kindern schmeckt und was nicht.“

Die Aussendung, so die Stadtchefin, sei von der Kindergartenleitung erfolgt und inhaltlich nicht mit der Verwaltung abgestimmt gewesen. „Das Essen kommt von der Firma Gourmet. Dass es sich daher um einen Affront gegenüber unserer Bauernschaft handelt, wage ich zu bezweifeln, allerdings kenne ich die Fleischlieferanten von Gourmet nicht“, betont Puch ebner.

Aufregung nicht nachvollziehbar

Grundsätzlich werde in den Kindergärten der Stadt bestmöglich danach getrachtet, eine sehr breite Palette an Speisen anzubieten. „Vielfach – und so höre ich es beispielsweise aus den Kindergärten immer wieder – essen auch nicht-muslimische Kinder kein Schweinefleisch und auch darauf wird Rücksicht genommen“, sagt die Bürgermeisterin.

Für die Stadtchefin ist die Aufregung ihres Vizes nicht nachvollziehbar. Wenn es Eltern gäbe, denen eine Ernährung ihrer Kinder mit Schweinefleisch ganz besonders am Herzen liege, so hätten diese ja die Möglichkeit, es ihnen an den Wochenenden anzubieten.

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