Erstellt am 26. Mai 2015, 09:31

von Hermann Knapp

Bund prüft Rütgersgründe. Areal in Amstetten wurde in Verdachtsflächenkataster des Umweltministeriums aufgenommen. 83 Hausbesitzer, Gemeinde und Genossenschaften betroffen.

Bürgermeisterin Ursula Puchebner sieht keinen Grund zur Beunruhigung für die Anrainer der Rütgersgründe. Foto: Archiv  |  NOEN, Archiv
In der Vorwoche flatterten 83 Hausbesitzern und auch der Stadt Schreiben der Behörde ins Haus. Inhalt: Der Altstandort „Holzimprägnierung Rütgers Werk III“ und somit auch ihre Grundstücke seien in den Verdachtsflächenkataster des Umweltministeriums aufgenommen worden.

Das Ergebnis der Klassifizierung (erhöhtes Gefahrenpotenzial) begründe den Verdacht einer erheblichen Umweltgefährdung.



Es sollen deshalb nun Erkundungsmaßnahmen durchgeführt werden und die Bürger werden gebeten, den Mitarbeitern des damit beauftragten Unternehmens Zutritt auf ihre Grundstücke zu gewähren.

„Umweltstadtrat muss jetzt grüne Politik machen“

Für VP-Gemeinderat Michael Hofer, selbst betroffener Anrainer, kommt die Entwicklung nicht überraschend.

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„Ich habe schon 2013, vor der Errichtung zweier Wohnblöcke, verdächtiges, dunkles Material entdeckt und deshalb die Behörde eingeschaltet. Dass das ganze Areal jetzt in den Verdachtskataster aufgenommen wurde, bestätigt meine Befürchtung, dass hier noch Altlasten vorhanden sein könnten. Der Amstettner Umweltstadtrat muss jetzt sofort tätig werden, wirklich grüne Politik machen und für lückenlose Aufklärung sorgen.“

Hofer unterstellt einmal mehr der Stadtführung der 90er-Jahre, dass bei der damaligen Umwidmung der Rütgersgründe in Bauland „etwas nicht sauber gelaufen ist und das Areal nicht ordnungsgemäß saniert wurde.“

Gerade deshalb sei es wichtig, nun endgültig Klarheit zu schaffen. „Die Bürger haben in gutem Glauben hier ihre Häuser gebaut, aber können sie auch wirklich ruhig darin schlafen?“

„Es gibt keinen Grund zur Beunruhigung“

Bürgermeisterin Ursula Puch ebner warnt eindringlich vor unnötiger Panikmache. Die Aufnahme des Areals in den Verdachtsflächenkataster sei im Grunde eine Routinemaßnahme. Der Bund überprüfe systematisch alle Flächen, auf denen es früher Unternehmen gab, die mit gefährlichen Stoffen arbeiteten.

Die Firma Rütgers hat ja Eisenbahnschwellen, Leitungsmasten und Bauhölzer imprägniert. Die dabei verwendeten Materialien bargen ein hohes Gefahrenpotenzial für die Umwelt. „De facto heißt die Aufnahme in den Kataster aber noch gar nichts. Die Flächen werden überprüft und ich gehe davon aus, dass man nichts finden wird“, sagt Puchebner.

Die Gemeinde ist mit dem Kindergarten in der Aluminiumstraße selbst betroffen. „Ich weiß, dass die Rütgersgründe ein Reizthema sind, aber es besteht kein Grund zur Aufregung“, betont die Stadtchefin. Das Material, das Hofer 2013 gefunden habe, sei überprüft worden und habe sich als ungefährlich erwiesen.

Umweltstadtrat Gerhard Haag pflichtet der Bürgermeisterin bei. „Das Land überprüft Flächen mit erhöhtem Risiko auf Altlasten. Das hat es in Amstetten auch anderswo schon gegeben. Jetzt sind eben die Rütgersgründe dran. Das ist kein Grund zur Aufregung.“ Für die Bürger habe das momentan auch keine negativen Konsequenzen.

Etwas anders sieht das allerdings Stefan Aufhauser vom Raumplanungsbüro Kommunaldialog, das viele Gemeinden im Bezirk betreut. „Bei Altstandorten mit erhöhtem Gefährdungspotenzial, die in den Verdachtskataster aufgenommen wurden, ist die Gemeinde verpflichtet, für unbebaute Grundstücksteile eine Bausperre zu erlassen“, erklärt er. Das hieße, dass die Besitzer bis zum Abschluss der Überprüfung dort keine baulichen Veränderungen durchführen dürften.


Verdachtsflächen

  • Aufnahme in den Verdachtsflächenkataster des Umweltministeriums finden Altablagerungen und Altstandorte (von Firmen), bei denen Verdacht auf erhebliche Umweltgefährdung besteht. NÖ-weit waren das mit 1. Jänner 655. Die Überprüfung kann drei mögliche Ergebnisse bringen:

  • Das Areal wird im Altlastenatlas ausgewiesen.

  • Die Fläche bleibt als Beobachtungsfläche im Verdachtskataster

  • Die Fläche wird aus dem Verdachtskataster gestrichen.