Erstellt am 06. Oktober 2015, 05:57

von Hermann Knapp

CityClub vor Auflösung. Rudolf Decker hat sein Amt vor einem Monat zurückgelegt. Ein Nachfolger ist weit und breit nicht in Sicht. Konsequenz daraus: Dem Verein schlägt die letzte Stunde.

Bürgermeisterin Ursula Puchebner und die beiden Vertreter des CityClubs Amstetten, Gerhard Maurer (r.) und Andreas Weber (2.v.l.) mit dem Team der Amstetten Marketing GmbH: Susanne Fröschl (l.), Maria Ettlinger (2.v.r.) und Gerhard Sengstschmid (3.v.l.). Foto: Amstetten Marketing GmbH  |  NOEN, Amstetten Marketing GmbH/Gerhard Sengstschmid

Knalleffekt im Stadtmarketing: In der Vorwoche löste Citymanagerin Sabine Hauger aus gesundheitlichen Gründen ihren Vertrag mit der Amstettner Marketing GmbH – NÖN.at hatte berichtet:



Fast zeitgleich gab der CityClub bekannt, dass er sich voraussichtlich bei seiner Generalversammlung am 14. Oktober auflösen wird. „Die zwei Dinge haben zwar nicht unmittelbar miteinander zu tun, treffen zeitlich aber ungünstig zusammen“, sagt Bürgermeisterin Ursula Puchebner.

Handlungsbedarf besteht für sie vorerst allerdings nur in Sachen City-Managerin. Und da hat die Gesellschafterversammlung der Amstettner Marketing GmbH auch schon eine Lösung gefunden: „Wir haben Gerhard Sengstschmid interimistisch bis Jahresende zum Geschäftsführer bestellt. Er war schon bisher in die Arbeit eingebunden und kann diese fortführen, sodass, alle geplanten Aktivitäten auch stattfinden können“, sagt die Stadtchefin.

Club-Auflösung in Generalversammlung

Sabine Hauger war im August des Jahres nach einem langwierigen Auswahlverfahren zur City-Managerin gekürt worden, musste jetzt infolge einer langwierigen Erkrankung aber ihre Tätigkeit beenden.

Eine Bombe ließ in der Vorwoche auch der CityClub platzen. Die Mitglieder erhielten nämlich eine Einladung zu einer Generalversammlung, in der der Verein aufgelöst werden soll.



In den letzten Monaten war ja heftig darüber diskutiert worden, welche Aufgabe dem CityClub künftig neben der Marketing GmbH noch zukommt.

Im Schreiben heißt es nun, dass man die Zukunft eines professionellen Stadtmarketings nun in die Hände von Experten legen wolle, die sinnvollerweise in einer unternehmerischen Struktur organisiert seien. „Das Modell eines Vereins, der aus ehrenamtlichen Unternehmern besteht, ist bei Weitem nicht so effizient wie ein Team aus Vermarktungsspezialisten in einer eigenen Firma.“

Suche nach Obmann blieb erfolglos

Die inhaltliche Ausrichtung dürfte aber nicht der hauptsächliche Grund für die geplante Auflösung des Vereins sein. Vielmehr blieb die Suche nach einem neuen Obmann bisher erfolglos. Rudolf Decker hat ja schon vor einem Monat sein Amt mit sofortiger Wirkung zur Verfügung gestellt.

„Wir haben im Vorstand Arbeitsgruppen gebildet und mit zahlreichen Wirtschaftstreibenden gesprochen und sie gebeten, doch eine Funktion im Vorstand oder auch die Leitung des CityClubs zu übernehmen, leider aber ohne Erfolg“, berichtet Obmannstellvertreter Andreas Weber (Direktor der Raiffeisenbank Region Amstetten), der selbst schon im Vorjahr angekündigt hat, dass diese seine letzte Amtsperiode ist. Ihm obliegt nun die undankbare Aufgabe, den Verein zu liquidieren. Am 14. Oktober könnte also nach 26 Jahren die letzte Stunde des CityClubs schlagen.

Seine Anteile an der Marketing GmbH (25,1 Prozent) wird der CityClub der Stadt anbieten. Diese müsste künftig dann auch für 30.000 Euro aufkommen, die die Kaufmannschaft bisher zum Budget der Marketing GmbH beigetragen hat (Stadt 171.000, geschäftspolitischer Beirat 29.000).

Stadtchefin Puchebner bedauert diese Entwicklung. „Ich finde es schade, dass es künftig diese Interessensvertretung für die Innenstadtkaufleute nicht mehr geben wird. Aber wenn sich niemand für die Obmannfunktion und Vorstandsfunktionen findet und somit auch keine Handlungsfähigkeit mehr gegeben ist, ist die Auflösung wohl der einzig mögliche Schritt.“


Meinungen zur geplanten Auflösung des Cityclubs:

„Sowohl als Unternehmer und Gründungsmitglied des Cityclubs als auch in meiner politischen Funktion als Vizebürgermeister der Stadt ist diese Entwicklung nicht in meinem Sinne. Der CityCub hat schon seine Berechtigung gehabt und aus seinen Reihen heraus sind viele Initiativen und Ideen für die Innenstadt gekommen, die auch nachhaltig wirken. Leider hat er nun nach Meinung der Mitglieder aber offenbar seinen Sinn verloren.“
Dieter Funke, Vizebürgermeister

„Der Entschluss zur Auflösung war das Ergebnis vieler Sitzungen. Natürlich hoffen wir noch immer, dass sich doch jemand findet, der die Obmannschaft übernimmt. Wenn das nicht der Fall ist, wird der Verein liquidiert. Gut, die Belange der Wirtschaft in politische Hände zu legen, ist es natürlich nicht. Aber wir Kaufleute haben eben alle im eigenen Betrieb sehr viel zu tun, die Zeit, die man für den CityClub aufwenden muss, fehlt da natürlich.“
Franz Theuer, Unternehmer

„Ich bin überrascht und enttäuscht, dass es gleich zu einer Auflösung kommt. Man wirft da Strukturen leichtfertig über Bord. Eines ist auch klar: Die Kaufmannschaft wird dann weniger mitzureden haben. Aber wenn es unter den Kaufleuten keine Kooperationsbereitschaft und keine Gemeinsamkeit mehr gibt und jeder nur noch seine eigenen Interessen verfolgt, dann ist die Auflösung wohl die einzige Konsequenz daraus. Ich finde es sehr schade.“
Herbert Resnitschek, Ex-Obmann

„Ich finde es schade und glaube nicht, dass es in den nächsten Jahrzehnten wieder eine derartige Vereinigung der Kaufleute geben wird. Es nimmt eben die Zahl der Filialisten zu, die wenig Interesse haben, sich am Verein zu beteiligen. Man muss sich in der Stadt nun gut überlegen, was man macht. Das Hauptaugenmerk sollte darauf liegen, den Wirtschaftsstandort Amstetten zu positionieren und da braucht man gute Kontakte zu Agenturen wie ecoplus.“
Herbert Katzengruber, Ex-Stadtchef