Erstellt am 05. Oktober 2015, 09:00

von Claudia Stöcklöcker

Dealer zeigte sich selbst an. Mit der Partydroge Christal Meth wollte ein 20-Jähriger Geld machen und stürzte selbst ab. Weil das Suchtmittel sein Leben zerstört hatte, erstattete er Selbstanzeige.

Drogenschrank: So sah es im ausgehobenen Crystal-Meth-Labor in Moorbad Harbach (Bezirk Gmünd) aus.  |  NOEN, LPD NÖ

Mit Chrystal Meth dealte ein 20-Jähriger und konsumierte die teuflische Droge. „Ich konnte so nicht mehr weiternmachen“, erklärt er nun im Prozess am Landesgericht St. Pölten, weshalb er nach jahrelangem Drogenkonsum eines Tages sich selbst anzeigte.

„Wollte Leben in den Griff bekommen“

„Von einem Tag auf den anderen hat es Klick bei mir gemacht und ich bin zur Polizei, weil ich mein Leben wieder in den Griff bekommen wollte. Außerdem hab’ ich sowieso damit gerechnet, dass sie mich bald holen werden“, erklärt der Amstettner vor Richter Markus Grünberger. „Flucht nach vorne“, kontert dieser.

90 Gramm Chrystal-Meth schmuggelte der Angeklagte aus einer Drogenküche in Tschechien nach Amstetten. Nun erzählt er von seiner Drogenkarriere.

Täglich ein Gramm der Droge konsumiert

Verbotenes Kraut rauchte er schon mit 14 Jahren. „Im Poly hab’ ich begonnen zu kiffen. Gras habe ich später verkauft, da konnte ich Geld machen. Dann bin ich in andere Kreise gekommen und hab’ gesehen, dass da noch viel mehr Geld zu machen war“, erklärt der Angeklagte.

Und: „Dann war ich auf Partys in Tschechien, dort habe ich ein Mädchen kennengelernt, die hat mich Chrystal Meth probieren lassen. Mir hat das gefallen. Von ihr hab’ ich es bezogen und später von einem anderen Dealer in Amstetten.“

Ein Gramm der zerstörerischen Droge konsumierte der 20-Jährige zuletzt täglich. „Das hat sich ja gesteigert, wegen des hohen Suchfaktors. Ich bin abgestürzt. Vorgehabt hatte ich, nichts mehr zu arbeiten und vom Dealen zu leben, aber ich habe zu viel selbst konsumiert und das Geld beim Fenster rausgeschmissen. Ich habe es unter Freunden verteilt. Alles ist weg.“

Angeklagter: „Ich habe Stimmen gehört“

Familiäre Probleme blieben schließlich nicht aus. „Ich bin von zuhause weg, habe auf der Straße gelebt und musste schauen, dass ich etwas zum Anziehen bekomme“, sagt er.

Nach dem Geständnis bei der Exekutive folgte kalter Entzug in der U-Haft. Wie er das erlebt hat? „Ein Horror, ich war nervös, hatte Schmerzen, konnte nicht schlafen und ich habe Stimmen gehört.“

Nach einem Monat wurde der 20-Jährige wieder auf freien Fuß gesetzt, mit der Auflage, sich einer Therapie zu unterziehen. „Clean bin ich geblieben“, sagt er, „obwohl es sehr schwer ist.“

Wegen Suchtmittelkonsums ist der 20-Jährige vorbestraft, nun setzt es 34 Monate teilbedingte Zusatzstrafe, davon elf Monate unbedingt. Ins Gefängnis muss er aber nicht. Therapie statt Strafe soll ihm ein neues Leben ermöglichen. Das Urteil ist rechtskräftig.