Amstetten

Erstellt am 18. Oktober 2016, 04:01

von Claudia Stöcklöcker

Feuersbrunst in Hauptschule: Schuld bleibt ungeklärt. Um Flammen zu ersticken, steckte Jugendliche in der alten Hauptschule einen brennenden Polster unter ein Sofa. Wer den Polster angezündet hat, kann Richter nicht klären.

Die alte Sporthauptschule im Amstettner Zentrum. Foto: Knapp  |  NOEN, Hermann Knapp

Ein Brand in der alten Sporthauptschule am 1. Oktober 2015 hielt Amstetten in Atem. Vier Feuerwehren standen damals drei Stunden mit 20 Fahrzeugen und 100 Florianijüngern im Löscheinsatz. Wegen Brandstiftung sitzt nun eine 15-Jährige im Prozess am Landesgericht vorm Richter.

Geständig ist sie nicht. Obwohl sie zugibt, mit einer Freundin im Turnsaal gewesen zu sein und einen Polster angezündet zu haben. „Ich habe ihn sofort gelöscht“, erzählt sie. Und setzt fort: „Dann waren wir im ersten Stock, sind 20 Minuten später zurück. Da ist uns ein Bursch aus dem Turnsaal entgegengekommen und der Polster lag wo anders, ein dickes Buch darauf, und er hat gebrannt. Um die Flammen zu ersticken, habe ich ihn unter ein Sofa geschoben.“ Dieser Löschversuch sowie weitere scheiterten. „Wir haben Wasser gesucht, das war aber abgedreht“, so die Freundin.

„Der wahre Brandstifter wird heute wohl schon im Saal gewesen sein“

Verteidiger Sigl mutmaßt, dass einer der Zeugen für den Brand verantwortlich ist.

Zeitgleich mit den Mädchen waren auch Burschen in der Schule unterwegs. Mit dem Brand wollen sie nichts zu tun haben. „Für mich war unerklärlich, wie es zu so einem massiven Brand gekommen war. Es war, als ob jemand großflächig Diesel aufgebracht hätte“, erzählt ein Brandgutachter. Das Rätsel war bald gelöst. „Der Fußboden hatte extrem gute Brennbarkeit, den Brandschutzauflagen hat er nicht entsprochen“, so der Sachverständige weiters.

„Der wahre Brandstifter wird heute wohl schon im Saal gewesen sein“, meint Verteidiger Manfred Sigl. Und fügt hinzu: „Die Burschen waren bei ihren Aussagen sehr bedacht, die eigene Haut zu retten.“

Der Richter spricht die 15-Jährige wegen fahrlässiger Herbeiführung einer Feuersbrunst schuldig. Strafe setzt es keine, eine Probezeit von drei Jahren wird verhängt (nicht rechtskräftig). „Weil die Angeklagte den brennenden Polster unters Sofa geschoben hat, muss sie zumindest damit gerechnet haben, dass das Sofa in Brand gerät“, sagt der Richter. Einen Vorsatz, dass das Feuer auf den Turnsaal übergreift, habe die Angeklagte aber nicht gehabt. Weil die verbrannten Materialien übrigens als Sondermüll entsorgt werden müssen, kommt die Aktion teuer. Rund 50.000 Euro soll der Schaden betragen.