Erstellt am 08. März 2016, 04:59

von Hermann Knapp

Getrübte Freude über das Nächtigungsplus. Stadt Amstetten wird in Tourismusklasse 1 emporgestuft. Das heißt: höhere Interessenbeiträge für die Betriebe und höhere Ortstaxe.

Haben keine Freude mit der Umstufung Amstettens in die Ortsklasse 1: Tourismusgemeinderat Edmund Maier (l.) und Wirtschaftsstadtrat Laurentius Palmetzhofer. Foto: Knapp  |  NOEN, Knapp
38.829 Nächtigungen verzeichnete die Stadt Amstetten im Jahr 2015. Um 3.790 mehr als 2014. Das ist eine Steigerung von 10,8 Prozent. Wesentlich zum Plus beigetragen haben dürfte die Eisstock-Europameisterschaft in Amstetten-Winklarn im Jänner und Februar 2015 mit mehr als 5.000 Nächtigungen.

Tourismusgesetz: Land will Stadt umreihen

Eigentlich ist diese Entwicklung ein Grund zur Freude für die Touristiker. „Denn das bedeutet, dass unsere touristischen Aktivitäten und Maßnahmen Früchte tragen“, sagt Tourismusgemeinderat Edmund Maier.

Getrübt wird die Begeisterung über die guten Tourismuszahlen allerdings von dem Umstand, dass das Land eben aufgrund der vielen Nächtigungen mit Berufung auf das NÖ Tourismusgesetz die Stadt nun von der Ortsklasse 2 in die Ortsklasse 1 umreihen will. „Wir haben kürzlich eine Aufforderung von der Landesregierung bekommen, dazu Stellung zu nehmen“, berichtet Maier.

Die Höherstufung würde bedeuten, dass es je nach Branche zu einer beträchtlichen Steigerung bei den sogenannten Interessentenbeiträgen kommen würde. Gleichzeitig würde die vorgeschriebene Nächtigungstaxe, die von den Gästen eingehoben wird, von derzeit 1 Euro auf 1,50 Euro steigen.

Umstufung aus Sicht der SP ungerechtfertigt

Wirtschaftstadtrat Laurentius Palmetshofer betont, dass die SPÖ mit dieser Umstufung keine Freude hat. „In unserer Stellungnahme werden wir daher darauf hinweisen, dass ein großer Anteil der Nächtigungen auf Geschäftskunden der Industrie- und Gewerbeunternehmen zurückzuführen ist. Amstetten kann daher nicht als die klassische Tourismusgemeinde gesehen werden“, sagt Palmetzhofer.

Eine Umstufung in die Klasse 1 sei daher nicht gerechtfertigt. Ob es gelingt, mit diesem Argument die Umstufung abzuwenden, ist allerdings fraglich und daher hat die SPÖ-Amstetten auch schon einen Plan B entwickelt.

„Sollte die Höherstufung in die Tourismusklasse 1 nicht verhindert werden können, dann müssen die Mehreinnahmen für die Stadt auf jeden Fall wieder den Amstettner Unternehmen zukommen, zum Beispiel für Investitionen in der Innenstadt oder für Unternehmensgründungen“, stellt Palmetzhofer klar. In § 13 des NÖTourismusgesetztes ist aber ohnehin vorgeschrieben, dass diese Beiträge von den Gemeinden zur Weiterentwicklung und Förderung des Tourismus zu verwenden sind.

Für den Geschäftsführer der Mostviertel-Tourismus-GmbH, Andreas Purt, ist es verwunderlich, dass sich eine Gemeinde in Zeiten wie diesen gegen die Umstufung wehrt. „Denn letztlich bedeutet das für sie höhere Einnahmen, die wieder in den Tourismus fließen.

Tourismusabgaben

Von der Ortstaxe fließen 65 Prozent an das Land (die in die Destination und in die NÖ Tourismuswerbung gesteckt werden), 35 Prozent an die Stadt. Von den Interessentenbeiträgen (wieviel Unternehmen zahlen müssen, ist abhängig von ihrer Nähe zum Tourismus und von ihrem Umsatz) bleiben 95 Prozent in der Stadt, fünf Prozent gehen an das Land.