Erstellt am 10. September 2015, 12:39

von Heribert Hudler

Maderthaner-Gedenktafel enthüllt. Leopold Maderthaner, langjähriger Präsident der Wirtschaftskammer Österreich, wäre am Mittwoch 80 Jahre geworden. In Amstetten gab es eine Gedenkfeier.

Nach der Gedenktafelenthüllung (v.l.): Bezirksstellenobmann Reinhard Mösl, NÖ Wirtschaftskammerdirektor Franz Wiedersich, Tanja Mostböck und Gerda Burian Maderthaner (Töchter), NÖ Wirtschaftskammerpräsidentin Sonja Zwazl. Karin Maderthaner, Bürgermeisterin Ursula Puchebner, Ilse Kern-Maderthaner, Landtagsabgeordnete Michaela Hinterholzer und Bundeswirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl. Foto: Heribert Hudler  |  NOEN, Heribert Hudler
„Leo“ Maderthaner prägte durch seine außergewöhnliche Persönlichkeit jahrzehntelang die Entwicklung der niederösterreichischen und der österreichischen Wirtschaft. Er war ein unermüdlicher Vertreter der Interessen der gewerblichen Wirtschaft und ein engagierter Sozialpartner.

Im Gedenken an den 2007 im 72. Lebensjahr verstorbenen Präsidenten der Wirtschaftskammer Österreich und zu seinem 80. Geburtstag am 9. September wurde am Mittwoch eine Gedenktafel am Leopold Maderthaner-Platz bei der Bezirksstelle der NÖ Wirtschaftskammer von Präsidentin Sonja Zwazl und Amstettens Bürgermeisterin Ursula Puchebner enthüllt.

Langjährige Wegbegleiter und Freunde dabei

Die Idee kam vom ehemaligen Bezirksstellenobmanns Helmut Schiefer in Abstimmung mit den vier Töchtern Maderthaners, Karin Maderthaner, Ilse Kern-Maderthaner, Gerda Burian und Tanja Mostböck.

Neben der Familie waren viele langjährige Wegbegleiter, Partner und Freunde, wie Sozialministerin außer Dienst Lore Hostasch, Edith Mock, Staatssekretär außer Dienst Günter Stummvoll oder Generalsekretär-Stellvertreter Herwig Höllinger und zahlreiche regionale Politiker wie Landtagsabgeordnete Michaela Hinterholzer oder Nationalrat außer Dienst Karl Donabauer gekommen.

In ihrer Ansprache betonte die Präsidentin der NÖ Wirtschaftskammer Sonja Zwazl: Leo Maderthaner habe sich durch Fachwissen und Konsensfähigkeit ausgezeichnet. „Imponierend war, dass er während der vielen Jahre, in denen er die verschiedensten Funktionen innerhalb der Wirtschaftskammer und der Politik bekleidete, es nie verabsäumt hat, sich auch um seinen eigenen Betrieb zu kümmern.“

Wirtschaftspolitiker mit Handschlagqualität

Als Wirtschaftskammer- und Wirtschaftsbundpräsident gestaltete der Amstettner Unternehmer das letzte Jahrzehnt des letzten Jahrtausends als konsensualer Sozialpartner und Wirtschaftspolitiker mit Handschlagqualität entscheidend mit. Maderthaner war stets ein energischer Vertreter der Integration Österreichs in die EU.

Gekennzeichnet war die Ära Maderthaner ebenso durch intensive Bemühungen um die Exportwirtschaft. Er machte verstärkt darauf aufmerksam, wie notwendig der Export vor allem für ein kleines Land ist.

Anlässlich seines 70. Geburtstages am 9. September 2005 wurde Maderthaner von „seiner“ Wirtschaftskammer Niederösterreich noch einmal besonders geehrt. „Er hat unsere Landespolitik maßgeblich mitgeprägt!“ Mit diesen Worten überreichte Präsidentin Sonja Zwazl damals ihrem „Vorvorgänger“ die höchste Auszeichnung der Wirtschaftskammer Niederösterreich: den Merkur.

Maderthaner wurde auch von Vertretern aller Parteien für seine Verdienste um die Republik gewürdigt. Bundeswirtschaftskammer Präsident Christoph Leitl sprach von einem „konsensfähigen Parlamentarier“, der sich „um den Bezirk Amstetten, Österreich und die österreichische Wirtschaft in höchstem Maß verdient gemacht“ habe.

Den Gesellschaftsmenschen „Leo“ Maderthaner zeichneten besonders der Dialog und die ausgeprägte Bereitschaft zur Kooperation aus, genauso wie seine Geradlinigkeit, die Dinge beim Namen zu nennen. Dies alles machte ihn zu einem Unternehmer, der die Sozialpartnerschaft auch wirklich lebte.

Biografie:

  • Leopold Maderthaner wurde am 9. September 1935 in Hausmening geboren. Nach Absolvierung der HTL St. Pölten, Fachrichtung Elektrotechnik, und vierjähriger Tätigkeit in der Industrie (Siemens) gründete er 1959 die Firma „Neon-Maderthaner“ – wie er selbst gerne erzählte – „mit 2.000 Schilling und einem alten Kombi.“ Der Betrieb entwickelte sich bald zu einem führenden Unternehmen für die Erzeugung von Lichtreklamen und beschäftigte rund 40 Mitarbeiter. Erst im März 2006 hat Maderthaner das Unternehmen verkauft.

  • Als Interessenvertreter engagierte sich Maderthaner ab 1968 zunächst in verschiedenen Funktionen in der Handelskammer NÖ. 1986 wurde er zum Präsidenten der Handelskammer NÖ gewählt. Auf politischer Ebene war er als Bezirksparteiobmann der ÖVP tätig. Von 1972 bis 1985 gehörte der Vater von vier Töchtern auch dem Stadtrat von Amstetten an. 1979 wurde er vom Land NÖ in den Bundesrat entsandt, von wo er im März 1989 in den Nationalrat überwechselte. Dem Nationalrat gehörte Maderthaner von 1989 bis 1995 und dann wieder ab Jänner 1996 bis 2001 an.

  • Am 30. September 1989 wurde Maderthaner bei der 13. Generalversammlung des Österreichischen Wirtschaftsbundes zum neuen Präsidenten und damit zum Nachfolger von Rudolf Sallinger gewählt. Im Dezember 1990 löste er Sallinger auch an der Spitze der damals noch Bundeswirtschaftskammer genannten Interessensvertretung ab. Abgelöst wurde er wiederum im Juni 2000 durch Christoph Leitl. In seiner Funktion als Präsident der Wirtschaftskammer NÖ (1986–1990) setzte er sich insbesondere für Klein- und Mittelbetriebe ein. Wichtig war ihm, das Selbstbewusstsein der Unternehmer zu stärken und das Bewusstsein der Öffentlichkeit für die Leistungen der Wirtschaft zu heben. In seine Amtszeit fielen der Ausbau des WIFI St. Pölten, die Errichtung von Gründer- und Technologiezentren und die Forcierung des Lehrlingsnachwuchses.