Erstellt am 08. Juni 2015, 09:33

von Hermann Knapp

Polizeiinspektion glich Flüchtlingslager. Schlepper ließ 32 Flüchtlinge einfach auf der A1 bei Oed aussteigen. Sie irrten ziellos entlang der B1 herum.

Asylwerber verwandelten die Polizeiinspektion am Montag der Vorwoche kurzfristig in ein Flüchtlingslager. Sie kamen im Frachtraum eines Lkw ins Land. Der Schlepper hat sie bei Oed einfach auf der Autobahn abgesetzt. Sie wurden ins Erstaufnahmelager nach Traiskirchen gebracht. Foto: privat  |  NOEN, privat

Die Polizeiinspektion Amstetten verwandelte sich am Montag der Vorwoche kurzfristig in ein Flüchtlingslager. Ein Schlepper hatte 32 Leute einfach auf der Autobahn ausgesetzt – NÖN.at hatte berichtet:



Gegen 3.30 Uhr alarmierten Autofahrer, die auf dem Weg zur Arbeit waren, die Polizei. Sie hatten an der B1 im Gemeindegebiet von Strengberg eine Gruppe von Personen gesichtet, die am Straßenrand zu Fuß unterwegs war.

„In Kanzleien und Schulungssaal untergebracht“

Rasch wurde klar, dass es sich um Flüchtlinge handelt. Da die Polizeiinspektion Oed nicht die nötige Kapazität hatte, sie aufzunehmen, wurden sie mit Bussen nach Amstetten gebracht.

Um 6.30 Uhr tauchte im Gemeindegebiet von Wallsee eine weitere Gruppe auf und wurde ebenfalls nach Amstetten transportiert.

„Wir haben sie bei uns in Kanzleien und in unserem Schulungssaal provisorisch untergebracht und sie erst einmal mit Wurstsemmeln und Pizza verköstigt, denn sie hatten offensichtlich schon lange nichts zu Essen bekommen“, berichtet Inspektionskommandant Oliver Zechmeister.

31 der 32 Flüchtlinge stellten einen Asylantrag: 16 Iraker, fünf Pakistani, fünf Syrer, vier Afghanen und ein Iraner. Über den Schlepper konnten sie keine Angaben machen.

Im Frachtraum eines Lastwagens „transportiert“

Sie waren im Frachtraum eines Lkw nach Österreich geschmuggelt worden und wollten eigentlich nach Deutschland. Da derzeit die Grenzen wegen des G7-Gipfels dicht sind, wurden sie auf der Autobahn bei Oed ausgesetzt. Vermutlich fürchtete der Fahrer auch, dass sein Lkw am Kontrollposten Haag unter die Lupe genommen werden könnte.

Für die Polizisten war der Montag ein sehr arbeitsreicher Tag. „Denn es muss ja jede Person, die um Asyl ansucht, erkennungsdienstlich erfasst werden und es muss ein Erstgespräch mit ihr geführt werden. Dazu kamen Dolmetscher aus Wien zu uns. Von den umliegenden Posten wurden Beamte nach Amstetten beordert und vier Mitarbeiter des koordinierten Fremdendienstes kamen von Melk und von Gmünd“, berichtet Zechmeister.

Dennoch dauerte es bis 2.30 Uhr am Dienstagmorgen, bis die letzten Flüchtlinge ins Erstaufnahmezentrum nach Traiskirchen unterwegs waren. Der Akt, der über jeden einzelnen Asylwerber angelegt wurde, umfasst zehn bis fünfzehn Seiten.

Schon am Dienstagabend bekamen es die Polizisten mit weiteren Flüchtlingen zu tun. Diese wurden im Zug aufgegriffen und am Bahnhof Amstetten den Beamten übergeben. Es handelte sich um drei Männer und eine schwangere Frau. Drei stellten einen Asylantrag und wurden nach Traiskirchen gebracht. Ein Mann wurde in Schubhaft genommen.