Erstellt am 21. Juni 2016, 08:47

von Hermann Knapp

Amstettner Biogasanlage vor dem Aus. Förderung ist für Betreiber überraschend mit Jahresbeginn ausgelaufen: Mit 2,2 Cent statt 15 Cent pro kWh ist das Werk aber nicht mehr rentabel zu führen.

Die Biogasanlage in Amstetten muss geschlossen werden - sehr zum Leidwesen der Mitarbeiter Peter Hösele, Stefan Kogler und von Geschäftsführer Johann Glöckl.  |  NOEN, Foto: Hermann Knapp

Die Amstettner Biogasanlage hat den Betrieb eingestellt. Grund dafür: Mit Dezember ist der Fördervertrag mit der OeMAG (Abwicklungsstelle für Ökostrom AG) ausgelaufen, der ihr einen Einspeistarif ins Stromnetz von rund 15 Cent pro Kilowattstunde sicherte. „In den letzten Monaten haben wir nur 2,2 Cent pro Kilowattstunde erhalten. Unter diesen Umständen ist die Anlage natürlich nicht kostendeckend zu führen. Daher haben sich die Gesellschafter für eine Schließung ausgesprochen“, sagt Geschäftsführer Johann Glöckl von der GEM (Gesellschaft für Energieversorgung und Management GmbH), einer Tochter der deutschen GETEC-Gruppe.

Was Glöckl besonders wurmt: Seiner Meinung nach hätte der Fördervertrag mit der OeMAG noch drei Jahre laufen müssen. „Davon sind wir auch ausgegangen, als wir die Anlage 2011 aus der Insolvenz erworben haben. Sonst hätten wir sie sicher nicht gekauft und mit hohen Investitionen auf den neuesten technischen Stand gebracht.“

OeMAG-Vorstand Magnus Brunner erklärt, dass die Am-stettner Biogasanlage noch vor Schaffung der OeMAG in Betrieb gegangen sei. „Der Tarif wurde auf Grundlage der damals geltenden Mindestpreisverordnung des Landes für zehn Jahre festgelegt. Nun ist er eben ausgelaufen“, ist das für ihn ein ganz normaler Vorgang.

"Die Politik hat zu unserem Leidwesen nichts zustande gebracht“

Glöckl hat auch vergeblich auf eine gesetzliche Nachfolgeregelung für die ausgelaufene Öko-Strom-Förderung für Biogasanlagen gehofft. (Die Betreiber haben Förderverträge für 13 Jahre bekommen – mit dem Hintergedanken, dass sich die Anlagen nach dieser Zeitspanne rechnen würden. Allerdings hat sich der Strompreis anders entwickelt, als erwartet.) „Uns allen ist klar, dass bei der Nachfolgeregelung der Tarif pro Kilowattstunde niedriger sein wird, als bisher. Aber damit hätten wir kalkulieren und uns darauf einstellen können. Doch die Politik hat zu unserem Leidwesen nichts zustande gebracht“, sagt Glöckl.

Vor Probleme gestellt hat die Schließung der Biogasanlage auch die Firma Baier. Diese sammelt die Speisereste von Gasthäusern und Großküchen in der Region (rund 900 bis 1.000 Tonnen jährlich) und hat sie bislang zur Biogasanlage Amstetten transportiert. „Jetzt bringen wir sie zur Biogasanlage Steinmaßl in Nußbach in Oberösterreich, die auch Speisereste verarbeitet. Bisher haben wir die höheren Transportkosten übernommen, auf Dauer werden wir einen Teil davon aber an unsere Kunden weiterverrechnen müssen“, sagt Baier-Geschäftsführer Andreas Dworak.

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