Erstellt am 16. Februar 2016, 05:44

von Ingrid Vogl

Stadtlauf ist nach 32 Jahren Geschichte. Der LCA warf als Veranstalter endgültig das Handtuch. Fehlende Identifikation mit dem Bewerb wird Sponsoren, Stadt und Wirtschaft in Amstetten vorgeworfen.

Ein Bild mit Symbolcharakter. Unmittelbar vor dem Start des Hauptlaufes ging dem Werbebogen des Hauptsponsors im Vorjahr die Luft aus. Jetzt ist dem Amstettner Stadtlauf dasselbe passiert. Foto: mostropolis.at  |  NOEN, mostropolis.at
Im September 2015 wurde im Rahmen des Amstettner Stadtlaufes die österreichische Meisterschaft im Straßenlauf ausgetragen. Dass der Höhepunkt in der 32-jährigen Geschichte der Laufveranstaltung gleichzeitig der krönende Abschluss ist, war damals noch nicht bekannt. Jetzt ist es aber Gewissheit.

„Haben das Gefühl, dass niemand
den Stadtlauf so richtig will“
LCA-Obmann Fritz Etlinger

„Wir haben lange überlegt, Für und Wider abgewogen und sind zu dem Entschluss gekommen, dass der LCA unter diesen Voraussetzungen keinen Stadtlauf mehr veranstalten wird. Wir sind der Meinung, dass sich Amstetten mit dem Stadtlauf nicht identifiziert“, verkündet LCA-Obmann Fritz Etlinger das Aus.

Die Kritik des Veranstalters richtet sich an viele Adressaten: Gemeinde, Sponsoren, Schulen, Vereine und Wirtschaft. „Wir haben das Gefühl, dass niemand den Stadtlauf so richtig will“, betont Etlinger.

Schmerzlich im Stich gelassen fühlt sich der LCA vom Hauptsponsor. Die Sparkasse habe die Sponsorbeträge in den letzten Jahren ständig verringert und den Lauf so finanziell ausgehungert, denn die sinkenden Sponsorgelder stünden steigenden Ausgaben (etwa durch vermehrte Auflagen der Bezirkshauptmannschaft) gegenüber, lautet einer der Vorwürfe.

„Mit dem Betrag brauche ich gar nicht anfangen. Damit könnten wir gerade einmal die Zeitnehmung zahlen. Wenn man eine derartige Veranstaltung macht, dann muss für den Verein schon auch etwas überbleiben“, spart Etlinger nicht mit deutlichen Worten in Richtung Sponsor.

„Ernst an der Sache ist in Zweifel zu ziehen“

Bei der Sparkasse will man sich den Schwarzen Peter nicht so leicht zuschieben lassen. „Der Stadtlauf war eine unserer wichtigsten Veranstaltungen. Dass er nicht stattfindet, ist schade, weil er eine Institution war. Unsere Wunschentwicklung war das sicher nicht“, stellt Vorstandsdirektor Wolfgang Dorner klar

Er verschweigt aber auch nicht, dass man mit der Entwicklung des Laufes in den letzten Jahren nicht zufrieden gewesen sei: „Dass sich die Starterzahlen nicht unbedingt positiv entwickelt haben, ist ja kein Geheimnis. Es war mit dem LCA ausgemacht, dass man das Konzept des Laufes überdenken muss. Es sind aber keine neuen Vorschläge gekommen.“

Vorstandsdirektor Reinhard Weilguny greift zu noch deutlicheren Worten: „Wir haben das Budget mangels Erfolg gekürzt. Von einer erfolgreichen Veranstaltung kann man in den letzten Jahren ja nicht mehr reden. Der Lauf ist beim LCA nie wirklich im Fokus gestanden. Der Ernst an der Sache ist in Zweifel zu ziehen.“

x  |  NOEN, mostropolis.at

Dass die Stadt angeblich nicht hinter dem Stadtlauf stehe, ärgert auch Vizebürgermeister und Sportstadtrat Michael Wiesner: „Das zu behaupten, ist Blödsinn. In den letzten fünf Jahren ist die finanzielle Unterstützung der Stadt mehr geworden. Außerdem haben wir zwei Bauhofmitarbeiter abgestellt, um zu helfen.“

Was auch Wiesner vermisst, ist ein neues Konzept für das Laufevent. „32 Jahre lang das Gleiche – das funktioniert nicht“, ist er überzeugt. Das Ende des Stadtlaufes in der bisherigen Form bringt für Wiesner aber auch eine große Chance mit sich.

„Wenn etwas Totgelaufenes oder Leergelaufenes eine Pause macht, dann kommt vielleicht etwas Neues“, hofft der Sportstadtrat auf ein engagiertes Team mit neuen Ideen, das den Stadtlauf zu neuem Leben erwecken könnte. Denn eines ist für ihn klar: „Egal, wer ihn macht: Wir stehen hinter dem Stadtlauf.“

Stimmen Sie bei unserer NÖN.at-Umfrage zum Thema mit!





 

Zitiert:

„Traurig, aber wahr. Aber es hat sich abgezeichnet und ist nach den letzten Veranstaltungen keine Überraschung. In gleicher Weise weiterzutun, hat keinen Sinn. Man müsste das Ganze neu überdenken.“
Johann Aichinger, ehemaliger Obmann des LCA und Erfinder des Stadtlaufes, über das Aus nach 32 Jahren

„Den unbedingten Willen, die Veranstaltung am Leben zu erhalten und mehr daraus zu machen, sehe ich nicht.“
LCA-Obmann Fritz Etlinger vermisst eine stärkere Unterstützung von Hauptsponsor Sparkasse und Gemeinde

„Sollte wer anderer kommen, stehen wir Gewehr bei Fuß. Wir als Gemeinde wollen nicht Veranstalter sein, aber wir sind jederzeit bereit, andere zu unterstützen.“
Sportstadtrat Michael Wiesner sagt einem neuen, engagierten Team die Unterstützung der Stadt zu

„Zwei Wochen vor dem Stadtlauf ist eine Abordnung der Sparkasse in Neufurth am Start. Beim Stadtlauf läuft dann keiner mit, obwohl sie Freistartplätze hätten.“
LCA-Obmann Fritz Etlinger über die fehlende Identifikation des Hauptsponsors mit dem Stadtlauf

„Fritz Etlinger ist da ein wenig wie die Jungfrau zum Kind gekommen. Den Hut, der jetzt gebrannt hat, hat sicher nicht er angezündet.“
Sparkassen-Direktor Reinhard Weilguny über die Tatsache, dass beim Stadtlauf schon über einige Jahre manches schiefgelaufen ist

„Die Läufer beleben die Innenstadt nicht. Sie laufen durch und das war es. Es wird keiner drei Wochen später wieder nach Amstetten kommen, um etwa eine Uhr zu kaufen, nur weil er beim Vorbeilaufen gesehen hat, dass es da einen guten Juwelier gibt.“
Citymanager Gerhard Sengstschmid begründet die negative Einstellung der Innenstadt-Kaufleute zum Stadtlauf

„Wo eine Türe zugeht, geht vielleicht eine neue auf.“
Sengstschmid über die Chance auf einen Stadtlauf in neuer Form