Aschbach-Markt

Erstellt am 18. Oktober 2016, 04:51

Widerstand gegen Asyl-Haus: „Das wären zu viele“. Immobilienfirma wollte in Haus im Aschbacher Zentrum 22 Asylwerber unterbringen. Gemeinde sprach sich dagegen aus.

In dieses Haus in Aschbach sollten die Flüchtlinge einziehen. Nun wird eine andere Verwertung für das Gebäude gesucht. Foto: Knapp  |  Hermann Knapp

Für beträchtliche Unruhe im Ort sorgt derzeit eine Immobilienfirma aus Amstetten. Sie hat das Haus Mittlerer Markt Nr. 15 gekauft und dem Land Niederösterreich als Unterkunft für Asylwerber angeboten. Das Land hat das Gebäude geprüft und für grundsätzlich geeignet befunden.

Ortschef: Auch Ressourcen berücksichtigen

Vor gut zwei Wochen wurde schließlich auch die Gemeinde darüber informiert, dass dort 20 bis 25 Flüchtlinge einquartiert werden sollen. Die Begeisterung darüber ist endenwollend: „Denn in Aschbach sind derzeit in verschiedenen Unterkünften schon zwischen 25 und 30 Asylwerber einquartiert. Diese werden von freiwilligen Helfern sehr gut betreut. Das funktioniert. Noch 22 weitere Flüchtlinge wären zuviele. Das würde unsere Kapazität bei Weitem übersteigen“, sagt Bürgermeister Martin Schlöglhofer. E

Es könne in dieser Frage nicht nur darum gehen, irgendwelche Quoten zu erfüllen, sondern es müsse auch berücksichtigt werden, welche Ressourcen zur Integration der Flüchtlinge vorhanden seien (laut Durchgriffsrecht des Bundes muss jede Gemeinde im Bedarfsfall Flüchtlinge im Ausmaß von 1,5 Prozent der Wohnbevölkerung aufnehmen. Bei rund 3.700 Einwohnern wären das in Aschbach etwa 55).

Gemeinde drängt auf eine andere Lösung

Die Gemeinde hat natürlich sofort das Gespräch mit der Immobilienfirma und dem Land gesucht. Vorerst scheint die Einquartierung der Flüchtlinge vom Tisch. „Wir versuchen nun gemeinsam, eine andere Verwendung für das Haus zu finden. Ich hoffe, dass uns das gelingt“, sagt der Ortschef.

Grundsätzlich betont Schlöglhofer, dass das wirtschaftliche Interesse bei der Flüchtlingsunterbringung nicht die sozialen Aspekte in den Hintergrund drängen dürfe. Da sei auch das Land gefragt. „Es darf nicht so sein, dass Investoren einfach alte Häuser aufkaufen und ohne viele Investitionen für Flüchtlingsquartiere zur Verfügung stellen.“

Bisher hat in Aschbach die Integrationsarbeit übrigens sehr gut funktioniert. Die im Ort lebenden Asylwerber und Asylberechtigten besuchen verschiedenste Deutschkurse und waren auch schon bei der Suche nach Schulplätzen und Lehrstellen erfolgreich. Seit Sommer verrichten jeweils zwei Männer gemeinnützige Tätigkeiten für die Gemeinde im Ausmaß von 27 Monatsstunden und unterstützen dabei die Mitarbeiter des Gemeindebauhofs unter anderem bei der Grünraumpflege.