Erstellt am 12. Januar 2016, 03:33

von Ingrid Vogl

Aus nach 51 Jahren: „Wikinger“ macht dicht. Viel früher als geplant, nämlich bereits mit Ende Jänner, schließt die Ernsthofner Kult-Tanzbar ihre Pforten. Fehlendes Personal ist einer der Hauptgründe dafür.

Es ist Schluss. Vor zwei Wochen fasste Wilhelm Dorfmayr den Entschluss, die Wikinger-Bar per 30. Jänner zu schließen.  |  NOEN, Daniela Schlemmer

Sie ist eine der letzten Bastionen, in denen man heutzutage noch tanzen kann: die Wikinger-Bar in Ernsthofen, die sich auch über die niederösterreichische Grenze hinweg größter Beliebtheit erfreut.

Kinderfasching und Boogie Party finden statt

Dass seine tanzbegeisterten Gäste früher oder später auf die „Wikinger“ verzichten müssen, kündigte Besitzer Wilhelm Dorfmayr bereits Anfang 2015 an. Das Lokal werde abgerissen und eine Wohnanlage gebaut. Das alles passiere aber frühestens 2017 und bis dahin laufe der Betrieb ganz normal weiter, betonte Dorfmayr damals.

Von diesen Plänen ist man nun abgekommen. „Wir haben uns vor zwei Wochen nach langer, reiflicher Überlegung entschlossen, die Wikinger ab 30. Jänner in der jetzigen Form nicht mehr weiterzubetreiben“, verkündet Dorfmayr das Aus nach 51 Jahren. Einige Sonderveranstaltungen wie etwa den Kinderfasching am 31. Jänner oder die Boogie Party am 27. Februar wird es aber weiterhin geben.

Keinen Koch gefunden: Dorfmayr frustriert

Für den überraschenden Entschluss, bereits in wenigen Wochen dichtzumachen, gibt es einige Gründe. „Es sind mehrere Faktoren zusammengekommen. Gesundheitliche Probleme und fehlendes Personal sind die Hauptgründe“, erklärt Wilhelm Dorfmayr.

Eineinhalb Jahre lang habe er einen Koch gesucht und keinen gefunden, führt Dorfmayr nur ein Beispiel dafür an, dass man es als Gastronom heutzutage nicht sehr leicht hat. „Man fragt sich, warum man sich das überhaupt noch antun soll. In Summe ist es eine Katastrophe, die Arbeit ist unlustig geworden und wird einem durch viele Dinge verleidet“, lässt Dorfmayr seinem Frust freien Lauf.

Welche Auswirkungen die verfrühte Schließung des Familienunternehmens auf das geplante Wohnprojekt hat, ist zum derzeitigen Zeitpunkt noch nicht genau zu sagen.

„Das Projekt ist auf Schiene und eigentlich einreichfertig. Es kommt jetzt darauf an, was Wilhelm Dorfmayr will. Wenn es von seiner Seite her passt, kann man den Baubeginn sicher auch vorziehen“, erklärt Bürgermeister Karl Huber, der von der neuesten Entwicklung ebenfalls überrascht wurde.

Wie es weitergeht, hat Dorfmayr nicht selbst in der Hand. „Es hängt davon ab, ob ich von der Finanz das Okay bekomme, dass ich den Betrieb vor meinem 60. Geburtstag im Februar 2017 auflösen kann und zwar zu einem Preis, den ich mir auch leisten kann“, erklärt er.


Zur Geschichte

1961 setzten die Eltern von Wilhelm Dorfmayr mit dem Bau und der Inbetriebnahme eines Kinos den Grundstein für die nachfolgende Unternehmensphilosophie. 1964 wurde das Restaurant Wikinger in Betrieb genommen, 1969 folgte der Tanzpalast Santa Maria. 1983 übernahm Willi Dorfmayr mit seiner Gattin das Unternehmen und war 32 Jahre bemüht, das Erbe seiner Eltern mit viel Elan und Einsatzbereitschaft weiterzuführen.