Amstetten , St. Peter in der Au , Haag

Erstellt am 18. Juli 2017, 04:45

von Stephanie Turner und Hermann Knapp

Sisyphosarbeit wegen Unkraut: „Wir müssen umdenken“. Ohne Glyphosat ist es schwierig, Friedhöfe und Straßenränder vom Unkraut freizuhalten. Mehr Personal wird nötig sein und auch Akzeptanz unerwünschter Pflanzen.

Mit Flämmen und Heißwasser ist dem Unkraut auf Dauer schwer beizukommen, weil die Wurzeln überleben. Josef Deinhofer rät Gemeinden, die auf Glyphosat verzichten wollen, sich zuvor gut beraten zu lassen.  |  Peter Führer

Der NÖN-Bericht über das Unkraut am Neuen Friedhof in Amstetten (siehe hier und unten) löste einige Reaktionen aus. Eine ältere Anruferin, deren Bruder dort begraben ist, beklagte sich bei der NÖN bitter über die „Verwahrlosung. Und das bei so hohen Gebühren.“

Deinhofer rät, vorher genaues Konzept zu erstellen

Zu Wort meldete sich aber auch einer, der weiß, wie schwierig es ist, dem Unkraut beizukommen. „Das Problem ist, dass man durch Flämmen oder mit dem Einsatz von Heißwasser zwar die Pflanzen zum verwelken bringt, aber die Wurzeln werden nicht angegriffen. Darum wächst das Unkraut auch so schnell wieder nach“, berichtet Josef Deinhofer aus Ferschnitz, der sich mit seiner Firma „green service“ auf Unkrautbekämpfung spezialisiert hat.

Er findet es zwar löblich, wenn Gemeinden auf den Einsatz von Glyphosat (das die Wurzeln tötet) verzichten, rät ihnen aber, vorher ein genaues Konzept zu erstellen, wie ohne Einsatz von Giftstoffen die öffentlichen Anlagen vom Unkraut freigehalten werden können. „Tatsächlich wird das nur mit einem höheren Personaleinsatz gehen. Aber auch die Eigenverantwortung der Bürger ist gefordert. Wenn jemand sein Grab jätet, dann wäre es natürlich schön, wenn er auch gleich den Bereich rund herum vom Unkraut befreien würde. Wir müssen da umdenken“, sagt Deinhofer.

Die NÖN hat sich auch in anderen Gemeinden umgehört, wie sie mit dem Problem umgehen. Weil Winklarn eine der „Natur im Garten“-Gemeinden ist, kommt für die Unkrautbekämpfung kein Glyphosat in Frage. Denn die Kernkriterien der Aktion „Natur im Garten“ legen fest, dass Gärten und Grünräume ohne Pestizide, ohne chemisch-synthetische Dünger und ohne Torf gestaltet und gepflegt werden.

„Es wird ein Flämmgerät verwendet und hin und wieder auch Bio-Spritzmittel, die im Rahmen von „Natur im Garten“ erlaubt sind. Zusätzlich dazu kümmern sich auch Ferialpraktikanten darum, dass das Unkraut nicht zu wuchern beginnt. Trotzdem muss in den Menschen eine Veränderung stattfinden, auch Unkraut ist ein Teil der Natur“, sagt Vizebürgermeisterin Sabine Dorner.

Auch in St. Peter ist Unkraut eine Plage

Auch am Friedhof in St. Valentin wird generell auf jegliche Spritzmittel verzichtet und das Unkraut von zwei Totengräbern mit einem Flämmgerät abgebrannt. Genügt das nicht, wird mit dem Rechen und mit der Hand nachgearbeitet beziehungsweise gezupft. Bauhofleiter-Stellvertreter Christian Riedl dazu: „Wir hatten bisher keine Beschwerden. Von der Menge her liegt das Unkraut bisher im Rahmen des normalen, durch die Hitze verbrennt es sogar zu einem gewissen Grad selbst.“

Da der Gemeindefriedhof in Stephanshart mit befestigten Flächen gepflastert ist, ist das größte Unkrautproblem dort die Bemoosung. Trotzdem gibt es allgemein einen eher niedrigen Pflegeanspruch. Bürgermeister Johannes Pressl dazu: „Wen nicht alles todgespritzt werden soll, dann muss man akzeptieren, dass auch der eine oder andere Grashalm kommt.“

Schörghuber appelliert an die Bevölkerung

In Haag ist Franz Lehner für den Pfarrfriedhof verantwortlich. Momentan gibt es dort nicht viel Unkraut. Etwa einmal im Jahr wird mit Glyphosat gearbeitet. „Sobald der wissenschaftliche Beweis erbracht wird, dass Glyphosat eine gesundheitsschädigende Wirkung hat, hören wir sofort damit auf. Bislang handelt es sich aber um reine Vermutungen“, so Lehner.

Alois Schörghuber, der ehrenamtlich als Friedhofsverwalter in St. Peter/Au agiert, hat derzeit eine regelrechte Unkrautplage. Rund um die Kirche seien teilweise schon ganze Flächen davon bedeckt. Um dagegen anzukommen, wird auch in St. Peter/Au ein bis zwei Mal im Jahr Glyphosat verwendet.

„Ich wäre froh, wenn es ein anderes Mittel gäbe, das eine ähnliche Wirkung erzielt. Dann würden wir es garantiert nicht mehr verwenden“, sagt Schörghuber. Auch er appelliert an die Bevölkerung, selbst Hand anzulegen. „Wenn jeder den Bereich um das Grab seiner Angehörigen von Unkraut befreien würde, dann würde das uns die Arbeit schon erheblich erleichtern.“

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