Erstellt am 01. Dezember 2015, 05:33

Biberbach: Bürgermeister nimmt selbst Flüchtlinge auf. Im Dezember treffen Flüchtlinge in Biberbach ein: Im "500er-Haus" wohnen künftig neun Asylsuchende, Bürgermeister nimmt selbst eine somalische Familie auf.

Bürgermeister Karl Latschenberger lud zu einem Infoabend über die geplante Aufnahme von Flüchtlingsfamilien. Erika Strasser und Hannes Ziselsberger vom Verein Wohnen informierten die Bewohner über die neue Situation.  |  NOEN, Rittmannsberger

Seit Monaten versuchte VP-Bürgermeister Karl Latschenberger bereits vergeblich, Asylsuchende in der Gemeinde aufzunehmen. Der Ortschef hatte selbst einige leere Räume, die er zur Verfügung stellen wollte, um asylsuchende Menschen einzuquartieren. Da dies aber wegen Vorgaben der Diakonie letztlich nicht gelang, legte Latschenberger seinen Plan ad acta. Bis jetzt, denn eine rumänische Familie, die eine Wohnung im Wohnhaus des 67-jährigen bewohnte, zog aus. Latschenberger nahm wieder Kontakt mit der Diakonie auf und erhielt grünes Licht: Anfang Dezember wird sein Wunsch nun endlich umgesetzt, und eine somalische Frau mit vier Kindern – die Familie verfügt bereits über anerkannten Flüchtlingsstatus – zieht in die leer stehende Wohnung ein.

„Verein Wohnen“ hilft in der Anfangszeit

Auch in der Gemeinde selbst kommt nun Schwung in das Asylthema, denn gemeinsam mit dem „Verein Wohnen“ wurde ein Platz für Flüchtlinge gefunden. Im Wohnblock „500er-Haus“ stehen zwei Wohnungen frei, die zurzeit für die Ankunft von zwei Familien bezugsfertig gemacht werden. „Bis jetzt hatten wir keine Asylwerber im Ort, es war aber klar, dass dieses Thema auch auf uns zukommt“, sagt Latschenberger bei einem Infoabend vergangene Woche, zu dem neben dem Gemeinderat die Bewohner des Wohnhauses geladen waren.

In den Wohnblock ziehen ebenfalls Anfang Dezember insgesamt neun Menschen in zwei Wohnungen ein. Eingerichtet werden die Räume zurzeit vom Verein selbst, der die Menschen vor allem in der Anfangszeit auch begleiten wird.

Der Verein Wohnen, der seit 25 Jahren Menschen in Wohnungsnot hilft, wendet sich selbstständig an Wohnbaugenossenschaften und mietet dann freie Wohnungen an. Die Sozialarbeiter werden dabei regelmäßig vor Ort sein: „Wir stellen das Quartier zu Verfügung und überprüfen dann, wie das Zusammenleben in der Wohnung, im Umfeld und im Ort funktioniert“, erklärt der Geschäftsführer des Vereins, Hannes Ziselsberger. Wichtig sei aber vor allem, dass vor Ort die Integration gelingt und die Menschen den neu angekommenen Bewohnern unter die Arme greifen.

Infoabend: Gemeinsame Konzepte erarbeitet

Als sich die Gemeinde vor einigen Monaten auf die Suche nach geeigneten Quartieren machte, meldeten sich auch einige freiwillige Helfer, die die Flüchtlinge unterstützen wollen. Im Zuge des Infoabends fand sich diese Gruppe nun zusammen, um gemeinsam ein Konzept zu erarbeiten, wie ab der Ankunft den Menschen geholfen werden kann. Unter anderem ist ein Deutschkurs für die Asylwerber geplant.

Die Wohnungen stehen den Familien in der Zeit des Asylverfahrens zur Verfügung. In dieser Zeit werden die Kinder die Schule besuchen, es soll Deutsch gelernt und vor allem die Gesellschaft kennengelernt werden. Um den Asylwerbern auch materiell zur Seite stehen zu können, überlegt die Gemeinde, ein Sachenspendenlager einzurichten.

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