Erstellt am 31. Mai 2016, 05:44

von Daniela Rittmannsberger

Bürger erbost: Wald soll gerodet werden. Ecoplus plant interkommunales Betriebsgebiet: Teil des Raader Waldes soll dafür gerodet werden. Anrainer protestieren.

Gabriele Hinterramskogler und Johann Dornmayr setzen sich gemeinsam mit Freunden dafür ein, dass der Raader Wald nicht für den Bau eines Gewerbeparkes gerodet wird.  |  NOEN, Daniela Rittmannsberger
Im Dezember 2015 präsentierte die Landesentwicklungsgesellschaft ecoplus gemeinsam mit Bürgermeisterin Kerstin Suchan-Mayr und Vertretern der Region den Plan, einen interkulturellen Gewerbepark nahe der OMV in St. Valentin errichten zu wollen. Die Hälfte des geplanten Gewerbegebietes soll auf Ackerland entstehen, der anderen Hälfte wird laut Plan der Raader Wald zum Opfer fallen.

Ein Umstand, der Bio-Bauer Hans Dornmayr kurz nach der öffentlichen Präsentation des Vorhabens zum Nachdenken brachte: „Im Winter ist mir bewusst geworden, dass da wirklich eine große Fläche Wald verschwinden soll. In Herzograd wird um eine kleinere Fläche Wirbel gemacht (Anmerkung: betrifft die Errichtung der Engel-Parkplätze), diese 200.000 Quadratmeter aber bekommen keine Aufmerksamkeit!“

Wald dient als Naherholungsgebiet

Der St. Pantaleoner kennt den Wald sehr gut, denn er nutzt ihn für seine Laufrunden. Vielen Menschen aus den Gemeinden St. Pantaleon und Ennsdorf dient der Wald als Naherholungsgebiet. Anfang des Jahres haben sich „Freunde des Raader Waldes“ zusammengeschlossen. Darunter auch zwei Biologen, die selbst überrascht über die besondere Flora im Inneren des Waldes sind: „Der Raader Wald ist ein trockener Eichenwald, der in dieser Region selten ist. Es ist ein besonders lebenswerter Wald, der eigentlich Schutzgebiet sein sollte“, sagt Biologe Harald Pfleger.

Das Problem: Viele ähnliche Wälder wurden bereits vor Jahren als schutzwürdig ausgewiesen, Nachnominierungen wird es kaum geben. Im Wald tummelt sich auch eine rege Fauna – bis zu hundert Schmetterlingsarten, Fledermäuse und viele Vögel. Dass sich die Natur an diesem Ort besonders entfaltet, hat einen Grund: Die OMV plante in den 70er-Jahren nicht nur den Bau der bestehenden Türme, sondern auch eine große Raffinerie. Der Plan wurde nicht umgesetzt, der Wald war aber bereits angekauft. Über die Jahre verwilderte er.

Dornmayr und seine Mitstreiter wollen nun auf die Besonderheit dieses Gebietes aufmerksam machen: Die Umweltanwaltschaft wurde bereits eingeschaltet, um Tiere und Pflanzen vor Ort einer Artenprüfung zu unterziehen.

Größte Rodung seit 20 Jahren

Sollte die Rodung wie geplant über die Bühne gehen, ist Bezirksförster Friedrich Hinterleitner dafür zuständig. Es sei die größte Rodung der vergangenen 20 Jahre, sagt der Experte, der beide Seiten versteht: „Es ist schade um den Wald, aber es ist auch ein verlockendes Betriebsgebiet. Es ist ein Dilemma.“

Als Bauland gewidmet ist das Gebiet seit mehr als 40 Jahren. Ein vorliegender Rodungsbescheid ist aber nicht mehr gültig, weil er nur für die Errichtung der Raffinerie ausgestellt wurde. Die Stadtgemeinde unterstützt die Schaffung des Gewerbegebietes, Bürgermeisterin Kerstin Suchan-Mayr versteht die Bedenken der Bürger aber: „Es gibt bei jedem Projekt ein Für und Wider. Es ist auch verständlich und ein Teil meines grünen Herzens kann das auch nachvollziehen. Ich bin aber in einer Position, in der ich auf das Allgemeinwohl schauen muss. Der Gewerbepark ist derzeit noch nicht – wie teilweise berichtet – unter Dach und Fach, wir sind in laufenden Verhandlungen.“

Das Areal wieder in Grünland umzuwandeln, übersteige sicher die Möglichkeiten der Gemeinde, sagt Suchan-Mayr: „Der Grund ist seit den 1970er-Jahren Bauland. Es wäre schwierig, das zu ändern.“

Ecoplus will genau prüfen

Ecoplus werde die aufgetauchten Sachverhalte, betreffend Umwelt- und Naturschutz, genau prüfen, kündigt die stellvertretende ecoplus Aufsichtsratsvorsitzende Michaela Hinterholzer an. „Das Verfahren wird somit länger dauern – wir rechnen fest mit einer Umweltverträglichkeitsprüfung – und je nachdem welche Arten von Umweltauflagen daraus resultieren, muss dann auch die Gesamtwirtschaftlichkeit betrachtet werden. Wenn alle Fakten auf dem Tisch liegen, wird ecoplus gemeinsam mit den Partnergemeinden beurteilen, ob und in welcher Form das Projekt im Interesse aller Beteiligten umgesetzt werden kann“, betont die VP-Politikerin.

Das westliche Mostviertel sei als Unternehmensstandort sehr gefragt, diese Dynamik wolle man nutzen, um Arbeitsplätze zu schaffen.