Erstellt am 12. April 2016, 03:34

von Hermann Knapp

„Charmeoffensive“ der Bauern: Regionalität als Trumpf. Preise im Keller: Bauern starten „Charmeoffensive“ um Konsumenten auf die Vorzüge der heimischen Produkte und ihre Leistungen aufmerksam zu machen.

Die Bauernschaft startet im April eine »Charmeoffensive«, bei der man Konsumenten positiv auf die Leistungen der Landwirte hinweisen will. Man will auch Gastwirte dazugewinnen, mehr heimische Produkte zu verwenden. Im Bild: Bundesrat Andreas Pum, Bezirksbäuerin Leopoldine Hochmeister und Hotelier Franz Rogl. Foto: Karl Fuchs  |  NOEN, Karl Fuchs
Der Milchpreis ist wieder gesunken. Nur noch 28 Cent bekommen die Bauern für den Liter. „Das ist eine dramatische Situation. Davon können die Landwirte nicht leben“, sagt Bezirksbauernbundobmann Bundesrat Andreas Pum.

Die Preise für Schweinefleisch sind ebenfalls in einem Dauertief und damit nicht genug, sind nun auch noch die Erlöse für Jungstiere in den Keller gerasselt.

„Ist das wirklich die Zukunft für unsere Kinder?“

„Wir stehen in einem globalen Wettbewerb mit Billigprodukten, die mit ganz anderen Standards produziert werden. Aber nur wir garantieren gentechnikfreie und antibiotikafreie Qualität. Wir haben hohe Kontrollstandards und auch hohe soziale Standards. Doch auf Dauer werden wir die nicht halten können“, warnt Pum.

In manchen Bereichen sei man ohnehin schon weit von einer Selbstversorgung entfernt und mache sich von ausländischen Produzenten abhängig. „Aber ist das wirklich der Weg, den wir gehen, und die Zukunft, die wir für unsere Kinder bereiten wollen?“

Pum erinnert auch einmal mehr an die vielen nachgelagerten Arbeitsplätze, die die Landwirtschaft schafft, und auch an die Leistungen der Bauern für die Erhaltung der Kulturlandschaft. All das sei nur möglich, wenn der Bauer für sein Produkt auch einen Erlös erziele, von dem er leben könne. „Davon sind wir momentan aber weit entfernt.“

Letztlich, so der Bauernvertreter, läge es bei den Konsumenten, einen Stab für die heimischen Produkte zu brechen. „Denn wenn immer mehr Leute zu regionalen Erzeugnissen greifen, hat das natürlich Einfluss auf die Strategie der großen Handelsketten.“

Vor Supermärkten werden Broschüren verteilt

Der Bauernbund startet deshalb nun auch eine neue groß angelegte „Charmeoffensive“, die den Konsumenten die Leistungen der heimischen Landwirte näherbringen soll. „Geplant war die Aktion schon, bevor sich die Lage für die Bauern so dramatisch zugespitzt hat. „Aber sie kommt jetzt genau zum richtigen Zeitpunkt“, sagt Pum.

Am 16. April werden Landwirte vor Supermärkten Broschüren verteilen mit Tipps und Tricks, was sich etwa aus heimischen Schweinefleisch oder Kalbfleisch für Köstlichkeiten zaubern lassen, oder wie man sich selbst aus regionalem Obst leckere Smoothies bereitet.

Zusätzlich werden 350 Hoftafeln und 150 große Feldtafeln aufgestellt mit Sprüchen wie: „G‘sunde Tiere. Da schau‘n wir drauf. Du auch?“ oder „Beste Qualität. Da schau‘n wir drauf. Du auch?“

Es gehe, so Pum, einfach darum auf positive Art und Weise darauf hinzuweisen, wie wichtig die Bauern für unsere Gesellschaft seien. Gleichzeitig will man aber auch mehr Gastwirte dazu bewegen auf heimische Produkte zu setzen und dies auch in ihrer Speisekarte durch entsprechende Hinweise klar zum Ausdruck zu bringen.

„Es zahlt sich auch für die Gastronomie aus, auf Qualität aus der Region zu setzen. Bestes Beispiel ist das Hotel Post der Familie Rogl in St. Valentin. Dort geschieht das schon und die Rückmeldungen der Gäste sind sehr gut“, sagt Pum.