Erstellt am 28. September 2015, 09:33

von Doris Schleifer-Höderl

Diar Abdalla: „In Frieden leben ...“. Der Syrer Diar Abdalla ist seit einem Monat Kochlehrling im Amstettner Hotel Exel. Er will sich hier eine Existenz aufbauen.

Diar Abdalla mit Hoteldirektor Rudolf Decker und seinem Ausbildner, Küchenchef Andreas Walter. Foto: Doris Schleifer-Höderl  |  NOEN, Doris Schleifer-Höderl

„Ich will mir in Österreich ein eigenes Leben aufbauen und vor allem in Frieden leben“, sagt Diar Abdalla.

Vor dreieinhalb Jahren flüchtete der heute 16-Jährige gemeinsam mit seinen Eltern, seinen beiden älteren Brüdern und seiner jüngeren Schwester aus Syrien nach Österreich. „Wir sind aus Aleppo. Als mein Vater merkte, dass es in unserem Land immer unsicherer wurde, hat er sich entschlossen, mit uns nach Europa zu gehen. Daheim gab es für uns keine Zukunft mehr.“

„Ich wurde auch gemobbt“

Nach Traiskirchen kam die Familie nach Grein in Oberösterreich. Diars Vater, der Maurer ist, hat inzwischen Arbeit gefunden, seine Mutter ist Hausfrau.

Diar absolvierte zwei Jahre Hauptschule sowie ein Jahr Polytechnikum. „Es war alles andere als leicht und ich wurde auch gemobbt. Daher habe ich mich beim Deutschlernen besonders angestrengt, um mich endlich ausdrücken zu können.“

Mittlerweile kann er sich sehr gut verständigen und spricht sogar Dialekt. Mit seinen Freunden, die er in der neuen Heimat gefunden hat, ist er in der Freizeit oft unterwegs um Fußball zu spielen oder mit dem Moped die Gegend zu erkunden. „Ich bin völlig integriert!“

Nach Beendigung der Polytechnischen Schule entschloss er sich für eine Lehre als Koch. „In der Zeitung habe ich gelesen, dass im Hotel Exel eine Lehrstelle frei ist und ich habe mich beworben.“

„Ich will so viel lernen wie möglich ...“

Hoteldirektor Rudolf Decker und Küchenchef Andreas Walter, die beinahe ein dreiviertel Jahr trotz Inseraten in Zeitungen nach einem geeigneten Lehrling suchten, sind begeistert von dem jungen Mann. „Wenn man bedenkt, was er alles in seinem Leben schon mitgemacht hat, ist es beeindruckend, mit welcher Willenskraft er sein Leben in die Hand nimmt“, sagt Decker.

Sonderbehandlung gibt es für Diar natürlich keine. So wie alle anderen Lehrlinge durchläuft er alle Stationen in der Hotelküche. „Derzeit bin ich beim Geschirrabwaschen und wenn es nötig ist, schneide ich auch schon Gemüse zu“, berichtet er.

Diar will sich in den drei Jahren Lehrzeit so viel Wissen wie möglich aneignen. „Ich freue mich auch schon auf die Berufsschule im kommenden Jahr. Wenn ich dann ausgelernt bin, werde ich Erfahrungen sammeln und mich dann wieder hier im Hotel Exel für eine Stelle bewerben, denn es gefällt mir hier sehr gut.“