Erstellt am 10. August 2015, 10:30

von Daniela Führer

Tierschützerin schritt ein. Marion Mraz kämpfte für bessere Versorgung von Stieren in einem alten Stall. Dieser wird nun adaptiert. Vier Stiere werden zur Enttäuschung der Tierschützerin geschlachtet.

Tierschützerin Marion Mraz machte Fotos von den Tieren im Stall und verständigte in Sorge um die Tiere die Amtstierärztin. Foto: privat  |  NOEN, privat

Der Anruf einer Spaziergängerin rief Marion Mraz vom Tierschutzverein Ybbstal vor etwas mehr als zwei Wochen auf den Plan.

Die Spaziergängerin berichtete der Tierschützerin, sie habe Stiere in einem alten, finsteren Stall auf einem Bauernhof in der Kleinregion Donau-Ybbsfeld gesehen. Es gäbe nicht genügend Wasser und auch von einer eingewachsenen Kette bei einem Tier sei die Rede gewesen.

„Bei einem war tatsächlich die Kette eingewachsen“

„Ich rief sofort die Amtstierärztin an und diese fuhr noch am selben Tag hin“, erzählt Marion Mraz. „Als ich zwei Tage später nachfragte, erklärte sie mir, ja, es sei schlimm, aber sie habe mit Bauer und Bürgermeister gesprochen. Man würde die Situation für die Tiere verbessern“, sagt Mraz. Diese Auskunft ließ ihr aber keine Ruhe, worauf sie sofort selbst zum Hof fuhr, um sich ein Bild zu machen.

Gemeinsam mit einer Tierschutzkollegin traf sie auf den älteren Bauern, der seinen Hof alleine bewirtschaftet. Er zeigte ihnen den Stall.

„Die Tiere standen im Dreck, bei einem war tatsächlich die Kette eingewachsen, laut Aussage des Bauern hat er diese selber rausgerissen, die Wunde versorgt und das Tier erneut angebunden. Ein Stier lag und wollte aufstehen, rutschte aber sofort aus und blieb liegen. Ein anderes Tier stand auf drei Beinen, offensichtlich konnte es das vierte nicht belasten. Für mich der Horror, das zu sehen“, schildert Mraz ihre Eindrücke.

Vier Tiere werden zum Schlachthof gebracht

Bezirkshauptmann Martina Gerersdorfer erklärt auf Nachfrage der NÖN, welche Maßnahmen in Absprache mit dem Bauern zur Verbesserung der Verhältnisse im Stall getroffen wurden: „Ein Teil der Tiere ist schon alt, an die acht Jahre, und wird geschlachtet. In den nächsten Tagen sollen die Stiere abgeholt werden. Für den Bauern ist die alleinige Versorgung aller Tiere zu viel. Dazu muss man aber auch sagen: In der Regel werden Stiere schon viel früher, im Alter von etwa drei Jahren, geschlachtet“, erklärt Gerersdorfer die weitere Vorgehensweise am Mittwoch.

Die Amtstierärzte werden dies natürlich kontrollieren, ebenso wie die Vereinbarung, dass die beiden jüngeren Tiere, die am Hof bleiben, besser versorgt werden.

„Es wurden Umstellungen im Stall vereinbart. In einem Raum gibt es keine Wasserversorgung, der Bauer brachte den Tieren ihr Wasser immer in Kübeln, doch in einem weiteren Raum ist es möglich, dass die Tiere ständig Zugang zu Wasser haben. Der Bauer hat auch verstanden, dass seine Tiere das brauchen“, sagt Gerersdorfer.

Die Amtstierärzte werden auch weiterhin ihr Augenmerk darauf richten, dass die Vereinbarungen umgesetzt werden, damit keine Tierschutzverletzungen auftreten, versichert sie.

Ortschef bittet um Verständnis für Landwirt

Der örtliche Bürgermeister appelliert aber auch für Verständnis für den Bauern: „Die Wirtschaft und die Tiere sind sein ganzes Leben, daher kann man ihm die Tiere nicht einfach wegnehmen. Er ist sicher kein Unmensch und es wurden auch immer wieder notwendige Korrekturen am Hof gemacht.“

Es seien zwei Welten, die hier aufeinanderprallen und man dürfe die Welt des Bauern, der auf einem alten Hof lebt und arbeitet, auch nicht verteufeln.

Tierschützerin Marion Mraz zeigt sich trotz Einschreiten des Amtes traurig über die Situation. „Ich hätte den Tieren vergönnt, in einem Laufstall oder auf einer Weide noch ein schönes Leben zu haben.“

Auch von den Gnadenhöfen, die sie angeschrieben habe, sei sie enttäuscht. „Leider brachte das keinen Erfolg. Dass zwei Stiere jetzt bleiben, finde ich schlimm, der Bauer ist sehr alt, alleine und ob da die Versorgung der Tiere gewährleistet ist, bin ich mir nicht sicher.“