Erstellt am 17. Dezember 2014, 00:03

Driving Home for Christmas. Eine Weihnachtsgeschichte von Nicole Beutler.

 |  NOEN, bilderbox.com/Erwin Wodicka (www.bilderbox.com)
Die folgende Geschichte, die mich sehr berührt hat, habe ich vor geraumer Zeit in einer Zeitung gelesen – sie sagt so viel aus über Misstrauen, das heute viel zu stark ausgeprägt ist, über Vorurteile, aber auch über deren Überwindung.

So oder ähnlich muss es sich zugetragen haben: Ein Mann, geben wir ihm der Einfachheit halber einen Namen, nämlich Xaver, fuhr an einem 22. Dezember auf der Autobahn von der Stadt, in der er arbeitet, nach Hause aufs Land. Plötzlich sah er einige Hundert Meter vor sich, dass ein Auto am rechten Straßenrand stand und offensichtlich eine Panne hatte.

Normalerweise würde Xaver nicht stehenbleiben, weil er meistens rasch nach Hause will und sich nicht auch noch um die Sorgen anderer Leute kümmern möchte. Diesmal jedoch, so knapp vor Weihnachten – und vielleicht lief im Radio ja gerade „Driving Home for Christmas“ – dachte er sich: Ich bremse mich ausnahmsweise ein, bleibe stehen und frage, ob ich helfen kann. Das fremde Auto hatte die Warnblinkanlage eingeschaltet, eine rumänische Nummerntafel, und drei Männer standen recht verzweifelt herum. Sie sprachen kein Deutsch, nur schlechtes Englisch und wussten nicht, was sie tun sollten.

Xaver entschied sich, den ÖAMTC anzurufen und die Panne zu melden. Man würde sich beeilen, hieß es, daher beschloss Xaver, so lange zu warten. In der Zwischenzeit versuchte er, mit den drei Männern, sofern es die Lautstärke des Verkehrs erlaubte, zu sprechen und zu eruieren, woher sie kämen und wohin sie denn wollten. Er fand heraus, dass sie in Deutschland arbeiteten und nun für ein paar Tage nach Rumänien fahren wollten – sie hatten sich seit Monaten darauf gefreut, ihre Familien wiederzusehen.

Schon nach etwa 20 Minuten war der ÖAMTC da, der Pannenhelfer schaute unter die Motorhaube des kaputten Autos und stellte fest: Nichts zu machen. Zumindest nicht hier und jetzt. Was er aber anbieten könne: Das Auto bis zur nächsten Werkstatt zu schleppen. Das klang vernünftig, stellte die drei Rumänen aber doch vor ein Problem, weil es schon spät war, die Autowerkstatt bestimmt geschlossen hatte und sie ja Weihnachten unbedingt daheim verbringen wollten.

Da bot Xaver an, sie könnten ihr Auto doch zu seinem Haus schleppen lassen und es vorerst dort abstellen. Am nächsten Morgen könnte man ja schauen, wie man das Problem löse. Gesagt, getan. Das Auto wurde abgeschleppt, gleich bei der nächsten Ausfahrt runter und bald war man bei Xavers Haus. Was dieser aber nicht bedacht hatte: Wo sollten die drei Rumänen denn die Nacht verbringen?

Spontan entschied er sich, etwas zu tun, was er noch nie zuvor gemacht hatte. Er bot wildfremden Menschen an, bei ihm zu übernachten. Seine Frau war nicht zu Hause – sie war noch bei ihrer Familie in Tirol und sollte erst am Heiligen Abend zurückkommen. Die drei nahmen das Angebot überrascht und dankbar an, er richtete die Gästebetten her, gab ihnen noch ein Glas Wein – und bald gingen alle zu Bett.

Am nächsten Morgen, es war noch sehr früh, stand Xaver auf und wollte zu seinen Hausgästen schauen – ihr Zimmer stand offen und keiner war da. Warum hatten sie sich aus dem Staub gemacht? Er konnte auch den Gedanken nicht verhindern: Hatten sie etwas gestohlen? Auf den ersten Blick war im Zimmer noch alles vorhanden.

Da klopfte es an der Tür und draußen standen die drei Rumänen. Mit Croissants, die sie vom Bäcker um die Ecke geholt hatten. Xaver frühstückte mit ihnen und dann machten sie sich gemeinsam auf den Weg zur Autowerkstatt. Geschlossen. Samstag, 27. Dezember, wieder geöffnet. Xaver und die drei Rumänen waren ratlos. Was sollten sie nun tun? Da bot Xaver, ebenso spontan, wie er das Angebot zur Übernachtung ausgesprochen hatte, an, ihnen bis nach Weihnachten sein eigenes Auto zu borgen.

Sie könnten damit nach Rumänen fahren und es dann wieder zurückbringen. In der Zwischenzeit sei ihr Wagen bestimmt schon repariert. Sie nahmen auch dieses großzügige Offert an – und waren schon eine halbe Stunde danach weg. Xaver blieb allein zurück, stand vor seinem Haus und dachte kurz: War das jetzt wirklich gescheit? Ich weiß ja gar nichts von diesen Leuten?

Als einer seiner Nachbarn vorbeikam, erzählte ihm Xaver davon. „Bist du verrückt?“, fragte dieser. „Du siehst dein Auto nie wieder.“ Die Reaktion seiner Frau, als sie am Heiligen Abend wieder nach Hause kam, war ähnlich: „Du hast diesen Herren aber wirklich ein schönes Geschenk gemacht.“ Xaver wollte sich die Weihnachtsstimmung aber nicht verderben lassen, sie feierten gemeinsam ein wunderschönes, besinnliches Fest und gingen danach noch in die Mette. An den darauffolgenden Feiertagen waren zahlreiche Verwandte zu Gast – und Xaver war, nach den Erzählungen seiner persönlichen „Weihnachtsgeschichte“ mit den drei Rumänen, alternierend der Held oder der Vollidiot.

Am 27. Dezember, die Feiertage waren friedlich ausgeklungen, klopfte es wieder ganz früh an der Tür, Xaver und seine Frau waren noch im Pyjama. Er öffnete vorsichtig. Da standen die drei Rumänen, glücklich lächelnd, einen Blumenstrauß dabei, jeder eine Flasche Wein aus ihrem Heimatort in der Hand und gaben ihm den Autoschlüssel zurück. Xavers Auto parkte in der Einfahrt, unversehrt, vollgetankt, sogar gewaschen.

Sie bedankten sich viele, viele Male. Und dann half ihnen Xaver noch, die rasche Reparatur ihres eigenen Wagens in Auftrag zu geben. Nun zählen ja Kraftfahrzeuge nicht zu den wesentlichen Bausteinen eines erfüllten Lebens. Und wenn sein Auto weg gewesen wäre, hätte sich Xaver wahrscheinlich ein neues, kleineres, leisten können. Aber seit diesem Vorfall kommen jedes Jahr am 22. Dezember drei Männer mit einem Auto mit rumänischem Kennzeichen auf der Durchfahrt nach Hause in ein kleines Dorf in Österreich. Sie heißen Eugeniu, Stavru und Pavel, klopfen an eine Tür und besuchen – einen Freund!
 
Alle Geschichten des NÖN-Adventkalenders sind folgenden Büchern entnommen:

Hat das Christkind Hosen an?

x  |  NOEN, zVg/Verlag Anton Pustet Salzburg
Heitere Weihnachtsgeschichten für große Kinder.
21 Euro, 192 Seiten,
Verlag Anton Pustet Salzburg

 
Es gibt ihn doch, den kleinen Unterschied! Und er wurde auch schon hinlänglich und in allen nur erdenklichen
Facetten erforscht. So sind Frauen zum Beispiel eher Rechtshänderinnen und seltener farbenblind. Ihr Sehfeld ist größer als das der Männer. Männer sehen dafür schärfer. Frauen können einzelne Finger gezielter bewegen. Männer werfen und fangen besser, sind im Durchschnitt um zehn Prozent größer, um 20 Prozent schwerer und um 30 Prozent stärker als Frauen, besonders am Oberkörper ...

Eine ganz wesentliche Frage wurde freilich bislang noch nie gestellt: Wie unterscheiden sich Frauen und Männer in ihrer Auffassung vom Christkind?

Dieses letzte aller noch verbliebenen Weihnachtsgeheimnisse aufzudecken, ist die Mission des dritten Bandes der erfolgreichen Christkindanthologie. Nachdem sich in den Vorjahren Journalistinnen aus ganz Österreich himmlischen Lifestyle-Themen gewidmet haben und Fragen nachgegangen sind wie "Ist das Christkind wirklich blond?" oder "Lebt das Christkind hinterm Mond?", offenbaren uns nun Österreichische Top-Journalisten ihr ganz persönliches christkindliches Verständnis. Sie bescheren uns tief(sinnig)e Einblicke mit ihren Betrachtungen zu "Hat das Christkind Hosen an?" Manch einer mag so weit gehen, zu fragen: Ja, ist es am Ende etwa gar ein Mann ...

Lebt das Christkind hinterm Mond?

x  |  NOEN, zVg/Verlag Anton Pustet Salzburg
Noch mehr heitere Weihnachtsgeschichten.
21  Euro, 180 Seiten,
Verlag Anton Pustet Salzburg

Das Leben ist voller Christkindmomente. Weißt du, wo das Christkind wohnt? Hinterm Mond? Und doch kommt es so weltoffen und geistreich daher, ist so fest verortet im Hier und Jetzt. Es ist da, immer dann, wenn es uns gelingt, anderen eine Freude zu machen, jemandem ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern oder einfach nur für einen Augenblick innezuhalten und zuzuhören.

Das Leben ist voller berührender, lustiger, tiefgründiger, verworrener, liebenswerter, stimmiger, unglaublicher, fantastischer ... Christkindmomente. Es gilt nur sie aufzuspüren. Viele davon wohnen in uns, sind eingeschrieben in unser gemeinsames Gedächtnis. Wie die langen, nicht enden wollenden Stunden erwartungsvoller Vorfreude, die sich dann im Nachhinein vielleicht als die schönsten erweisen. Wie die Freude am Schenken, die oft um so vieles größer ist, als die darüber, beschenkt zu werden. Wie die eingespielten Traditionen und Bräuche, die wir zeitlebens mit Inbrunst verwünschen, obwohl wir doch genau wissen, nicht ohne sie sein zu wollen.

„Steht das Christkind vor der Tür? Das Licht-ins-Dunkel-Weihnachtsbuch“

x  |  NOEN, Verlag Anton Pustet
Barbara Brunner,  Caroline Kleibel, 144 Seiten, 22 Euro, Verlag Anton Pustet
Steht das Christkind vor der Tür? Aber ja doch! Alle Jahre wieder wollen wir das Christkind oh so fröhlich hereinbitten und voller Vorfreude willkommen heißen. Die Tür zu wunderbaren Weihnachten öffnen uns dieses Mal Menschen, die wir alle kennen und schätzen. Menschen, die in ihrem Leben schon viel erreicht haben, was zählt. Uns wiederum reicht das von ihnen Erzählte.

In diesem stimmungsvollen Sammelband geben Künstlerinnen und Künstler, Medienschaffende und prominente Persönlichkeiten ihre denkwürdigsten Weihnachtserinnerungen preis. Einmal heiter, dann wieder besinnlich, nostalgisch und zuweilen auch durchaus kritisch.  Sind die Türen erst einmal weit offen, bleiben auch die Herzen nicht verschlossen. Mit dem Kauf jedes einzelnen Buches unterstützen Sie die Aktion Licht ins Dunkel!