Amstetten

Erstellt am 22. August 2016, 08:21

von Claudia Stöcklöcker

Diebinnen: „Mädchen gehen bei uns nicht zur Schule“. Lesen und Schreiben haben zwei Rumäninnen nie gelernt, flinke Finger bewiesen sie beim Geldwechseln. Nun sitzen sie in Haft.

Diebinnen lernten Trick "in der Familie". Foto: Bilderbox  |  NOEN, BilderBox.com (www.BilderBox.com)

„Küss die Hand, Herr Richter, wir bitten vielmals um Verzeihung“, flehen zwei Rumäninnen (30 und 38 Jahre alt) um Milde. Als Trickdiebinnen sackten sie in Amstetten und Oberösterreich 1.500 Euro beim Geldwechseln ein.

Trick „wird bei uns in den Familien weitergegeben“

„Das ist organisiertes Verbrechen, das sind Profis. Das Vorgehen bei den Taten ist eintrainiert, einstudiert und verabredet“, erklärt der Staatsanwalt im Prozess am Landesgericht St. Pölten. Wer den Frauen den Geldwechseltrick beigebracht hat? „Das wird bei uns in den Familien weitergegeben“, erzählt eine.

Und weiters: „Wir haben es aus einer Notlage heraus gemacht. Wir finden keine Arbeit, wir können weder lesen noch schreiben. In unseren Familien gehen die Mädchen nicht zur Schule, dorthin haben uns unsere Eltern nie geschickt.“

15 Vorstrafen quer durch Europa kassiert...

Für Gerichte sind beide keine Unbekannten. In Frankreich, Italien, Deutschland, Belgien und Finnland wurden sie bereits gemeinsam verurteilt, fassten insgesamt schon 15 Vorstrafen aus.

Wer es den Frauen ermöglicht hat, quer durch Europa zu reisen? Das verraten sie nicht. Nur so viel: „Männer haben uns mit dem Auto gefahren.“ Ob sie das erbeutete Geld an diese abliefern mussten? Sie schweigen.

Wie es in Zukunft ohne ausreichende Kenntnisse in der eigenen Muttersprache und ohne Job weitergehen soll, fragt der Richter. Eine der Angeklagten ist optimistisch: „Ich brauche das alles nicht. Ich habe vier Kinder, ich bekomme in Rumänien die Kinderbeihilfe.“

Für die Trickdiebinnen setzt es 21 und 18 Monate Gefängnis, Urteile sind nicht rechtskräftig.