Erstellt am 02. Juni 2016, 05:15

von Daniela Führer

Euratsfeld: Ein Dorf erzählt von sich. Christine Haiden, Andreas Zeiner und Franz Weingartner rücken Oberumberg in den Fokus und thematisieren die spannende Entwicklung des 45-Seelen-Dorfes.

Christine Haiden, Chefredakteurin der »Welt der Frau«, und Fotograf Franz Weingartner, sind beide gebürtige Oberumberger und rücken ihr Dorf im Rahmen des Viertelfestivals in den Mittelpunkt.  |  NOEN, Schlemmer

Das kleine Dorf Oberumberg in Euratsfeld steht in den nächsten Monaten ganz groß im Fokus des Viertelfestivals im Mostviertel. Dort leben heute gerade einmal 45 Bewohner. Viel weniger, als noch vor ein paar Jahrzehnten. „In den 1970er Jahren lebten hier rund 70 Menschen. Damals investierten die Bewohner stark in ihre Landwirtschaften in Erwartung, dass darin ihre Zukunft liegt“, erzählt Christine Haiden, Chefredakteurin des Magazins „Welt der Frau“, die selbst in Oberumberg aufgewachsen ist und ihr Dorf vor 35 Jahren verließ. „Doch die jahrhundertelange dörfliche Kultur fand daraufhin ihr Ende. Wir wollten daher ergründen: Gibt es eine neue dörfliche Kultur und wo sehen die Bewohner selbst ihre Zukunft?“

Dafür hat sie, gemeinsam mit Fotograf Franz Weingartner, selbst ein waschechter Oberumberger, das Projekt „Aus Oberumberg nach Oberumberg“ auf die Beine gestellt. Sie thematisieren die Dramatik der Veränderung eines kleinen Dorfes mit einem ganz besonderen Zugang: „Wir lassen die Oberumberger, also jene, die heute noch dort leben, und auch alle, die einmal dort gelebt haben, selbst davon erzählen, wie sich das Dorf aus ihrer Sicht verändert hat.“ 66 Personen saßen vor der Kamera von Andreas Zeiner, die Interviews führte Christine Haiden.

66 Personen erzählen vom Leben im Dorf

„Wir erhielten 24 Stunden Interviewaufnahmen. Diese wurden auf 170 Minuten zusammengeschnitten. Die Leute erzählen zum Beispiel von ihrer Kindheit im Dorf, von Liebesg‘schichten, Heiratssachen, Religion oder dem Altwerden.“ Der älteste Interviewpartner wurde 1922 geboren, der jüngste 2010.

Die Beiträge gibt es ab Sonntag, 5. Juni, 15 Uhr, an einer reaktivierten Milchbank, die früher als zentraler Treffpunkt im Dorf galt, zu sehen. Der gebürtige Oberumberger Künstler Markus Hiesleitner, der jetzt in Wien lebt, erstellte das Konzept für dieses multimediale Kunstobjekt. Um die Original-Milchbank werden 2,5 Meter große Metallreifen gespannt und diese werden in Siloplanen gewickelt. „In diesem Tunnel kann man sich jederzeit die Interviews, in gekürzter Form und in 18 Themenbereiche gegliedert, abrufen“, erklärt Franz Weingartner.

Alle Bewohner porträtiert

Doch damit nicht genug: Der Fotograf hat auch alle Dorfbewohner porträtiert und mit Bildern des Dorfes ein 120-seitiges Booklet erstellt. Darin enthalten sind die Geschichten der Bewohner, aber beispielsweise auch zahlreiche gesammelte Rezepte des Dorfes.

Neben der Milchbank wird im Rahmen des Projekts auch eine „Grünbank“ ins Leben gerufen. An mehreren Tagen (Infobox) wird diese durch das Dorf getragen und es finden spannende, moderierte Gespräche statt.