Erstellt am 10. Dezember 2015, 05:48

von Daniela Führer

Infoabend: "Angst ist ein schlechter Ratgeber". Rund 150 Besucher kamen zum Flüchtlingsinfoabend in Euratsfeld. Ehrenamtliche Helfer beeindruckten mit ihren Berichten.

Das Interesse am Informationsabend war sehr groß: Der Euratsfelder Pfarrsaal war bis auf den letzten Platz gefüllt. Rund 150 Zuhörer kamen.  |  NOEN, Daniela Schlemmer

Das Interesse am Informationsabend zum Thema Flüchtlinge am Donnerstag war groß. Der Euratsfelder Pfarrsaal war bis auf den letzten Platz gefüllt – rund 150 Bürger verfolgten zunächst die Vorträge von Anja Schrabauer von der mobilen Flüchtlingsbetreuung der Diakonie und Murat Düzel, Leiter des Integrationsservices der NÖ Landesakademie. Dabei kamen Zahlen und Berichte rund um die aktuelle Flüchtlingsbewegung, Asylverfahren, Unterbringung, Arbeitsmöglichkeiten oder Deutschkurse auf den Tisch. „2015 werden in Österreich 80.000 Anträge von Asylwerbern erwartet“, berichtete Anja Schrabauer.

60 Freiwillige betreuen fünf Flüchtlingsfamilien

Murat Düzel, selbst im Ausland geborener Österreicher, ging zunächst auf den Islam und seine Religionsangehörigen ein und warf schließlich einen Blick auf die größten Herausforderungen im Zusammenhang mit der Flüchtlingsbewegung: Wichtig sei vor allem, sich Wissen um die Thematik anzueignen und weiterzugeben, denn „Mangelndes Wissen verschärft nur das Problem, da zählt auch das unreflektierte Teilen von angeblichen Infos in sozialen Netzwerken dazu“, sagte er. Denn eines sei klar: „Die Ursache von Schwierigkeiten ist immer vielschichtig. Man muss mit den Menschen und nicht über sie reden, um Zusammenhänge zu verstehen. Angst ist da ein schlechter Ratgeber.“

Anton Hiesleitner, Gründer der Initiative „Willkommen Mensch in Euratsfeld“, die mittlerweile schon fünf Flüchtlingsfamilien in der Gemeinde betreut, berichtete über die Ist-Situation in Euratsfeld: „Wir sind schon 60 ehrenamtliche Helfer. Vor allem die Jugend ist sehr stark engagiert“, berichtete er stolz. „Wir helfen bei der Wohnungssuche, sind Paten für die Familien und jede Familie hat eine Deutschlehrerin. Ein Bursche besucht die Neue Mittelschule und drei Kinder gehen in die Volksschule. Alle sind so dankbar und bemüht, mit uns zu leben“, sagte er.

Bei der anschließenden Diskussionsrunde wurde wenig diskutiert, dafür viele Erfahrungen geteilt: Freiwillige Helfer berichteten von ihren Erlebnissen mit den Flüchtlingsfamilien. Schöne, witzige, prägende Erfahrungen wurden dabei geteilt. Und eines betonten alle: „Diese Menschen sind für uns eine Bereicherung.“ Negative Stimmen gab es nicht, eine spannende Diskussion flammte schließlich bei der Frage auf, ob der Dritte Weltkrieg bereits Realität sei.


Gerüchte

Zur Sprache kamen beim Euratsfelder Informationsabend folgende Gerüchte um Asylwerber/Flüchtlinge in der Region:

  • Gerücht 1: Asylwerber würden beim Hartlauer in Amstetten kostenlos teure Handys bekommen. Christian Köstler: „Dieses Gerücht hält sich schon seit Monaten hartnäckig. Ich war persönlich beim Hartlauer-Filialleiter in Amstetten und er bestätigte mir, dass an diesen Gerüchten nichts dran ist. Womöglich kam es zu Missverständnissen, da Asylwerber beim Kauf eines Handys ihre ‚Weiße Karte‘, das ist ihr Ausweis, herzeigen müssen. Das hat womöglich jemand missverstanden und geglaubt, sie hätten Handys über diese Karte geschenkt bekommen, was nicht stimmt.“

  • Gerücht 2: An der Neuen Mittelschule Euratsfeld gäbe es Probleme mit Flüchtlingskindern. Religionslehrer Engelbert Handl: „Ich wurde in der Volksschule Ferschnitz gefragt, ob es stimme, dass an der Neuen Mittelschule in Euratsfeld Chaos herrsche mit Flüchtlingskindern, die dort zur Schule gehen. Ich habe sowohl mit der Euratsfelder Volksschul-, als auch mit der Mittelschuldirektorin gesprochen und sie haben mich gebeten, hier heute mit Nachdruck zu betonen, dass alles gut läuft. Es gibt keine außergewöhnlichen Probleme mit den Schülern an beiden Schulen.“