Erstellt am 17. August 2015, 10:00

von Daniela Führer

„Faszinierend, wie sie Gas geben“. Initiative „Willkommen Mensch“ bietet in Amstetten elf Deutschkurse pro Woche für 80 Erwachsene an. Auch ein Fußballteam hat sich formiert.

Trainerin Kathrin Schoder (vorne l.) aus Zeillern kickt einmal die Woche mit den jungen Männern. Die Spannung war zu Beginn natürlich groß, was denn die Burschen zu einer Frau als ihre Trainerin sagen würden, doch »es klappte auf Anhieb, als sie gesehen haben, dass sie gut kicken kann«, schmunzelt Christian Köstler. Foto: privat  |  NOEN, privat
Interrogativpronomen, Modalverben, Konditionalsatz. Die deutsche Sprache und ihre Grammatik haben es in sich. Schon Mark Twain behauptete einst, es gäbe keine andere Sprache, die so systemlos, schlüpfrig und schwer fassbar sei wie die deutsche Sprache und ihre Grammatik.

Doch eben genau dieser Herausforderung stellen sich in Amstetten bereits 80 Flüchtlinge, die hier im Rahmen der Initiative „Willkommen Mensch“ eine neue Bleibe gefunden haben. Beinahe täglich finden die restlos ausgebuchten Sprachkurse im Pfarrhof St. Stephan statt.

Auch Kinder werden von „Lernpaten“ unterrichtet

„Wir haben zehn Kurseinheiten zu je drei Stunden pro Woche. Die Menschen sind in fünf Gruppen eingeteilt, unterrichtet wird Deutsch von der Alphabetisierung über A0, A1 und B1“, berichtet Christian Köstler, Leiter der PfarrCaritas St. Pölten.

„Fast alle sind auch wirklich sehr ehrgeizig, sie schicken ihre Hausübungen gleich per E-Mail an ihre Lehrer oder diskutieren auch noch in Kleingruppen über grammatikalische Feinheiten. Es ist wirklich faszinierend, wie sie Gas geben!“, staunt Köstler.

Doch nicht nur die 80 Erwachsenen, auch die rund 20 Kinder werden von sogenannten „Lernpaten“ unterrichtet.

„Viele Kinder sind im Rahmen der Familienzusammenführungen jetzt im Sommer angekommen. Einige beginnen im Herbst hier mit der Schule, da versuchen wir, ihnen noch so gut es geht die Grundlagen beizubringen, damit sie sich in der Schule schon ein wenig verständigen können“, erklärt Köstler.

Das erste „Willkommen, Mensch“-Baby geboren

An die 50 Mitarbeiter betreuen die Flüchtlinge bereits bei der Integration, bei Behördenwegen oder gar am Weg ins Krankenhaus. Etwa am vergangenen Wochenende. Da erblickte nämlich das erste „Willkommen Mensch“-Baby das Licht der Welt. „Unsere Freiwilligen sind da wirklich ganz schön gefordert. Alle sind mehrere Stunden die Woche bei der Betreuung im Einsatz“, berichtet der PfarrCaritas-Leiter.

Doch neben dem Sprachunterricht strebte die Initiative auch danach, den Flüchtlingen eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung anzubieten. „Kathrin Schoder aus Zeillern hat sich darum angenommen, mit 20 jungen Männern jetzt einmal pro Woche Fußball zu spielen“, freut sich Köstler. Das wird auch ganz begeistert angenommen.

Natürlich wurde zunächst mit Spannung erwartet, was die Männer denn zu einer Frau als Trainerin sagen würden. „Ich habe es ihnen auch vorher gar nicht gesagt, sondern sie damit überrascht“, lacht Christian Köstler. „Doch es klappte auf Anhieb, als sie gesehen haben, dass sie gut kicken kann.“

Köstler und sein Team würden sich wünschen, dass die Integration der Flüchtlinge auch in Amstettner Vereinen passieren könnte. Ein Anfang wurde da auch schon gemacht: Der SKU Amstetten schenkte ihnen etwa bereits Freikarten für ihr nächstes Heimspiel und auch die SJ lud einen Teil der Flüchtlinge am Wochenende zu ihrem Fun-Event in Hausmening ein.