Erstellt am 13. Oktober 2015, 06:52

von Daniela Führer

Flüchtlinge: „Z‘Tod g’fiacht is a g‘storbn“. 50 Bürger besuchten am Mittwoch den Infoabend über die Flüchtlingsunterbringung in Zeillern.

Arbeitskreisleiter Franz Zeiner, Bürgermeister Fritz Pallinger, Moderator Rupert Grill, Andreas Pechter vom Land NÖ und Flüchtlingshilfe-Arbeitskreisleiterin in Ardagger Hermine Naderer (v.l.) informierten die Besucher über Möglichkeiten zur Unterbringung und ihre Erfahrungen.  |  NOEN, Schlemmer
Die einen versuchen es eher still und leise, ohne viel Aufsehen zu erregen. Die anderen wiederum mit Positivkampagnen und umfassender Information. Die Rede ist vom Umgang der Gemeinden im Bezirk mit dem Thema Unterbringung von Flüchtlingen.

Auch in der Gemeinde Zeillern wollen die Verantwortlichen, allen voran ein gebildeter Arbeitskreis des Sozialausschusses unter der Leitung von Franz Zeiner, Flüchtlinge aufnehmen. Und dabei beschreitet die Gemeinde den offensiven Weg der Information unter Einbindung der Zeillerner Gemeindebürger. Daher fand am vergangenen Mittwochabend eine Infoveranstaltung zum Thema „Flüchtlingsunterbringung in Zeillern“ im Schloss statt. Rund 50 Bürger zeigten Interesse und kamen.

x  |  NOEN, Daniela Schlemmer


Als Experten waren Andreas Pechter von der Abteilung Staatsbürgerschaft des Landes NÖ und Hermine Naderer, Arbeitskreisleiterin des ehrenamtlichen Vereines „Mesi“, der sich in Ardagger um die Betreuung von 17 Flüchtlingen in Privatquartieren kümmert, zu Gast. Neben ihnen am Podium saßen Bürgermeister Friedrich Pallinger, Moderator Pfarrer Rupert Grill und Zeillerns Arbeitskreisleiter Franz Zeiner.

In erster Linie ging es darum, Quartiere in Zeillern zu finden. „Ich bitte euch, denkt darüber nach, ob ihr eine Möglichkeit habt, eine Unterkunft anzubieten, und redet auch mit anderen darüber“, appellierte Franz Zeiner an die Besucher.

„Ausgehend von der Quote von 1,5 Prozent
müssten wir 29 Flüchtlinge aufnehmen.“
VP-Bürgermeister Friedrich Pallinger

Eine mögliche Unterkunft werde in den nächsten Tagen von der zuständigen Abteilung der NÖ Landesregierung besichtigt. Doch diese alleine sei nicht ausreichend. „Ausgehend von der Quote von 1,5 Prozent müssten wir 29 Flüchtlinge in Zeillern aufnehmen“, informierte Bürgermeister Fritz Pallinger. Die erste mögliche Unterkunft sei nicht so groß, um Platz für so viele Menschen bieten zu können. „Wir wollen kleinere Familien in unserer Gemeinde unterbringen“, erklärt Bürgermeister Fritz Pallinger und führt weiter aus: „Für uns ist das selbstverständlich, dass wir uns als Gemeinde diesem Thema nicht verschließen. Es soll aber ein Miteinander sein.“

Dafür brauche man auch noch Freiwillige, die sich um die Flüchtlinge kümmern.
Andreas Pechter zeigte die Möglichkeiten und Bedingungen für Quartiergeber auf – über eine Unterbringung von Flüchtlingen in individuellen Privatquartieren bis hin zu organisierten Unterkünften für Asylwerber mit Selbst- oder Vollversorgung (siehe unten).

Selbstversorgerquartiere sind bessere Form

Er gab auch gleich einen Tipp: „Selbstversorgerquartiere sind die bessere Form, denn dadurch, dass sich die Flüchtlinge selbst um das Essen und Kochen kümmern, bekommen sie eine gewisse Grundstruktur im Leben. Sinnvoll ist auch, ihnen kleinere Arbeiten gegen eine Entlohnung anzubieten wie zum Beispiel Rasenmähen, oder in einer Gemeinde wurden sie zum Beispiel auch zu Schülerlotsen ausgebildet“, erzählte er. Außerdem versuchte er, Ängste zu nehmen: „Bei uns sind aktuell 7.500 Personen in Betreuung. Bei 99 Prozent gibt es überhaupt keine Probleme“, berichtete er.

Hermine Naderer berichtete den Besuchern von ihren Erfahrungen: „Es ist eine so schöne Aufgabe, für andere da zu sein.“ Sie zeigte aber auch auf, dass es viel Aufklärungsarbeit bedarf, speziell auch bei den „Einheimischen“ und Nachbarn.

Alle Fragen wurden diskutiert

Nach einem zögerlichen Beginn der Fragerunde äußerten aber schließlich noch viele Besucher Fragen wie auch Bedenken. Thematisiert wurden die Verträge und Versorgungspflichten für Quartiergeber, das Thema Schulbesuch von Flüchtlingskindern oder wer kommt für Schäden auf, wenn etwas passiert, und mehr. Immer wieder war von Ängsten die Rede. „Um mich habe ich keine Angst, aber um meine Kinder und Enkelkinder“, sagte ein Besucher. Alle Fragen wurden diskutiert –  über den offiziellen Teil der Veranstaltung hinaus.

VP-Vizebürgermeister Adi Gruber regte gegen Ende auch noch zum Nachdenken an: „Wir verstehen die Angst. Wir stehen sicher vor der größten Herausforderung unserer Generation. Aber Zeillern ist keine Insel der Seeligen, wir können und sollen uns nicht vor dem Thema verschließen. Denn z‘Tod g‘fiacht is a g‘storbn. Aktionismus und Positivismus sind gefordert. Ja, es ist schwierig, aber wir schaffen das!“


 

Unterkünfte für Flüchtlinge

Es gibt zwei Arten von Unterbringungen für Flüchtlinge, eine organisierte und eine individuelle Unterbringung:

  • Bei einer organisierten Unterkunft schließt der Quartiergeber einen Vertrag mit dem Land Niederösterreich ab – diese Möglichkeit gibt es nur für Asylwerber-Quartiere. Sobald Flüchtlinge einen anerkannten Flüchtlingsstatus haben, fallen sie aus dieser Versorgung heraus und müssen sich private Wohnungen suchen.

Bei der organisierten Unterkunft gibt es auch wieder zwei Varianten zur Versorgung der Asylwerber:

  • Bei einer Vollversorgung kümmert sich der Quartiergeber um Frühstück, Mittag- und Abendessen für die Asylwerber. Der Quartiergeber erhält pro Person 19 Euro am Tag für Verpflegung und Betriebskosten. Die Flüchtlinge erhalten zusätzlich 40 Euro pro Monat Taschengeld.

  • Bei einer Selbstversorgung erhält der Quartiergeber 13,50 Euro pro Tag und muss damit die Betriebskosten begleichen. Der Asylwerber bekommt 5,50 Euro pro Tag. Davon muss er sich selbst Essen kaufen. Bei beiden Versorgungsmodellen sorgen Diakonie oder Caritas für eine mobile Betreuung. Alle 14 Tage besuchen die Betreuer die Quartiere.

  • Bei einer privaten, individuellen Unterbringung schließt der Vermieter einen Vertrag direkt mit dem Asylwerber ab. Dieser bekommt von der Bezirksverwaltungsbehörde dann 120 Euro pro Monat für die Miete und 200 Euro pro Monat für Verpflegung. Pro Jahr gibt es noch weitere 100 Euro für Bekleidung und 200 Euro Schulgeld bei schulpflichtigen Kindern.