Erstellt am 02. Februar 2016, 04:28

von Wolfgang Kapf

Flüchtlingsdorf: Regelverstöße werden nicht toleriert. Im Flüchtlingsdorf geltende „Gesetze“ müssen beachtet werden, sonst gibt es Strafen – etwa eine Wegweisung.

Containerdorf-Leiterin Kitti Kiss achtet auf eine strikte Einhaltung der für Flüchtlinge geltenden Regeln. Foto: Wolfgang Kapf  |  NOEN, Wolfgang Kapf
„Jugendliche sagen nicht zu allem Ja und Amen. Sie testen Grenzen aus. Wir haben klare Regeln und bei Verstößen gibt es strikte Konsequenzen“, erklärt Kitti Kiss, Containerdorf-Leiterin von Mauer, wo auch 46 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge (UMF) wohnen und betreut werden.

„Wegweisung für 14 Tage ausgesprochen“

Regelverstöße sind nicht an der Tagesordnung, aber sie kommen fallweise vor – wie zum Beispiel am letzten Wochenende: „Ein Jugendlicher hatte ein befristetes Handy-Verbot bekommen und wollte das nicht akzeptieren. Er hat dann herumgeschrien und sich aggressiv gebärdet. Als Konsequenz habe ich dann eine Wegweisung für 14 Tage ausgesprochen“, berichtet Kiss.

Der betroffene Jugendliche muss nun diese Zeit in einer Notschlafstelle in St. Pölten verbringen, wo er aber nur in der Nacht ein Dach über dem Kopf hat. Unter Tags kann er sich frei bewegen, aber er darf nicht nach Mauer kommen und das Containerdorf betreten. Falls er das tun sollte, haben alle Betreuer die Anweisung, sofort die Polizei zu verständigen.

Bei Abgängigkeit läuft sofort Fahndung an

Zwei „Abgängigkeiten“ hat es in den letzten Monaten auch gegeben. Kitti Kiss dazu: „In beiden Fällen haben wir sofort die Polizei alarmiert und beide Personen wurden sofort zur Fahndung ausgeschrieben: Ein Jugendlicher war dann am nächsten Tag wieder da. Er bekam ein längeres Ausgehverbot. Der andere ist nie wieder aufgetaucht. Wer drei Nächte nicht im Containerdorf war, wird aus meinem System gestrichen!“

Zwei Strafen mussten auch im Zusammenhang mit Zugtickets ausgesprochen werden: „Wir haben in Mauer vier Monatstickets. Diese sind in erster Linie für Fahrten zum Arzt oder zu einer Behörde da. Sie sind in der Früh abzuholen und dann entsprechend zu verwenden. Zwei Jugendliche haben sich Karten geholt und sind dann aber um 14 Uhr noch immer im Zimmer gesessen. Sie haben damit ihre Karten für andere blockiert. Als Strafe bekommen sie ein mehrwöchiges Zugticket-Verbot.“

Für Kitti Kiss sind die oben geschilderten Vorfälle „nicht dramatisch“, sondern „Alltag in der Jugendbetreuung“. Regelverstöße werden aber „zeitnah und mit direkt in Zusammenhang stehenden Strafen geahndet.“