Erstellt am 15. März 2016, 04:49

von Hermann Knapp

Forstheide: Kauf nicht um jeden Preis. Matthias Hatschek zu Verhandlungen über Verkauf des Landschaftsschutzgebietes bereit. Stadt Amstetten wird Gespräche mit ihm führen, mögliche Einigung ist aber in weiter Ferne.

Dieter Funke (VP) steht Erwerb der Forstheide durch die Stadt eher reserviert gegenüber. Fotos: Archiv  |  NOEN, Archiv

Bei der Diskussion über die Zukunft der Forstheide im Rathaussaal überraschte Vizebürgermeister Michael Wiesner mit der Aussage, dass Matthias Hatschek zu Verkaufsgesprächen bereit sei. Gegenüber der NÖN dämpft er allerdings zu hohe Erwartungen.

„Wir werden bis zum Sommer Gespräche führen, aber die Preisvorstellungen liegen weit auseinander. Wir müssen mit öffentlichem Geld haushalten, wir sind nicht die Finanziers eines Unternehmers“, sagt der SPÖ-Politiker.

„Muss reellen Wert haben und Sinn machen“

Wiesner glaubt, dass sich die Verhandlungen über einen längeren Zeitraum hinziehen werden, sieht aber auch keinen Zeitdruck. „Wir leben mit dem momentanen Vertrag, der den Erholungssuchenden den Zugang zur Forstheide garantiert, auch nicht schlecht“, sagt der SP-Politiker (Foto unten).

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Dass ein Kauf der Forstheide durch die Stadt die Probleme mit der Bürgerinitiative „Rettet die Forstheide“ lösen würde, glaubt er nicht. „Wenn das Bild der Naturschützer so bleibt, wie es momentan ist, werden wir wohl keinen Konsens finden, wie man mit dem Naturjuwel umgehen soll.“

Die ÖVP steht einem möglichen Kauf der Forstheide reserviert gegenüber. „Wir haben ja jetzt schon rund 40 Hektar erworben. Das hat 1,9 Millionen Euro gekostet, wobei wir die Hälfte als Förderung bekommen haben. Dennoch ist der finanzielle Aufwand beträchtlich. Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir nicht enden wollende Grundankäufe um sehr viel Geld machen.“

Es seien gerade im Bezug auf die Forstheide, so Funke, in der Vergangenheit vielleicht Fehler gemacht worden, die man jetzt nicht mehr einfach wettmachen könne. „Wenn wir Gründe kaufen, muss das für uns auch einen reellen Wert haben und Sinn machen“, betont der VP-Politiker.

Für Gespräche mit Hatschek spricht sich Umweltstadtrat Gerhard Haag aus. „Für mich als Grünen sollten wir natürlich alle Hebel in Bewegung setzen, um das Areal zu bekommen. Allerdings muss auch der Preis stimmen.“

Entwicklungskonzept reicht nicht aus

Für Stadträtin Brigitte Kashofer hätte die Gemeinde die Forstheide schon vor Jahren billiger kaufen können.

„Leider hat sich erwiesen, dass das einst sehr kostspielige Landschaftsentwicklungskonzept aus dem Jahr 2008 zum Schutz der Forstheide nicht ausreicht, um weitere brutale Eingriffe in die Natur und die Zerstörung des Bodens zu verhindern“, betont die FP-Politikerin.

Sollte die Stadt die Forstheide tatsächlich erwerben, müsse daher ein neues Konzept erarbeitet werden. „Und diesmal sollen keinesfalls nur sogenannte Experten ihre ausgefallenen Ideen verwirklichen, sondern die Bürgerinitiative und die Bevölkerung selbst in die Erstellung eingebunden werden“, fordert Kashofer.

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Forstheide-Infos

  • Im Oktober 2005 erwarb Matthias Hatschek den rund 200 Hektar großen Bereich der Forstheide, der bis dahin Lehrforst der Waidhofner Lehrwarteschule war.

  • Die Stadt zahlt eine jährliche Abschlagszahlung von 16.000 Euro netto, damit Wege und Laufstrecken erhalten bleiben und die Bürger Zugang zur Forstheide haben. Hatschek darf jährlich maximal 300 Erntefestmeter Holz entnehmen.