Amstetten , Wallsee-Sindelburg , Haidershofen , Kirnberg an der Mank

Erstellt am 25. April 2017, 05:16

von Hermann Knapp

Mostviertel: Biogasanlagen vor dem Aus. ARGE Biogas und Bürgermeister fordern vom Bund Beschluss der kleinen Ökostromnovelle.

Die Biogasanlagenbetreiber und Bürgermeister aus der Region fordern von der Bundespolitik den Beschluss der kleinen Ökostromnovelle, die den Anlagen im Mostviertel das Überleben sichern würde.  |  Knapp

Der geförderte Strom-Einspeistarif für Biogasanlagen beträgt derzeit 18 Cent pro Kilowattstunde. Allerdings laufen die Ökostromverträge, die auf 13 Jahre geschlossen wurden, aus – bei manchen Anlagen heuer schon, bei anderen im kommenden Jahr.

ARGE Biogas holt Bürgermeister ins Boot

In den Jahren 2004/2005 ging man davon aus, dass sie sich nach dieser Zeit selbst erhalten könnten. Niemand rechnete damit, dass der Strompreis am Weltmarkt von rund 8 Cent auf 2,5 Cent pro Kilowattstunde hinunter rasselt.

Ein derartiger Einspeistarif würde die heimischen Biogasanlagen allesamt rasch in den Konkurs treiben. Deshalb drängen die Betreiber die Bundespolitik schon seit Monaten, eine Nachfolgeregelung für das auslaufende Ökostromgesetz zu beschließen. Und obwohl diese auch Teil des Regierungspaktes ist, hat sie es bisher nicht ins Parlament geschafft.

Nun holt sich die ARGE Biogas zur Unterstützung die Bürgermeister ins Boot. Ihre Unterschrift auf der Petition „Wer Ökostrom abdreht, dreht Atomstrom auf“ soll den Druck auf den Bund erhöhen. Robert Wieser, Anlagenbetreiber in Kirnberg im Bezirk Melk, hob am Freitag bei einer Pressekonferenz in Wallsee die Bedeutung von Biogasanlagen für den ländlichen Raum hervor. „Biogas ist weit mehr als Stromproduktion. In manchen Gemeinden werden damit auch Nahwärmenetze gespeist.“

Wieser, der selbst eine Putenmast betreibt, weist aber noch auf einen anderen positiven Aspekt hin. „Ich verwerte den anfallenden Mist in meiner Biogasanlage. Die verbleibende Gülle, die ich dann auf den Feldern aufbringe, ist beinahe geruchsneutral.“

Wichtige Rolle für die Landschaftspflege

Walter Rosenberger, Miteigentümer der Biogasanlage in Wallsee, hebt deren immer wichtiger werdende Rolle für die Landschaftspflege hervor. „Denn wir verarbeiten auch große Mengen an Grasschnitt, die sonst nirgendwo gebraucht werden.“ Tatsächlich gibt es in der Gemeinde nicht einmal mehr zehn Milchbetriebe und daher wenig Bedarf an Grünfutter. Für Wallsees Bürgermeister Hans Bachinger ist der Erhalt der Anlage ein Muss: „Sie speist so viel Strom ins Netz, dass man damit ganz Wallsee versorgen könnte, außerdem stellt sie Wärme für die öffentlichen Gebäude und rund 100 Haushalte bereit. Wir brauchen sie“, sagt der Ortschef.

Auch Haidershofens Bürgermeister Manfred Schimpl und Zeillerns Ortschef Friedrich Pallinger, die Anlagen in ihren Gemeinden haben, brechen eine Lanze für die Stromerzeugung aus erneuerbarer Energie. „Die Politik bis hinab zu den Bürgermeistern muss sich gegen den billigen Atomstrom stellen. Denn die Kosten für ein Atomendlager, das es bislang auf der ganzen Welt ja noch gar nicht gibt, werden um ein Vielfaches höher sein, als Förderungen für Biogasanlagen.“

Für den Vizepräsidenten des NÖ Gemeindebundes, Ardaggers Bürgermeister Hannes Pressl, geht es auch um Arbeitsplätze in der Region. „Und es kann nicht sein, dass wir zwar wichtige Ressourcen für die Ballungsräume zur Verfügung stellen, der ländliche Raum selbst aber finanziell und strukturell immer mehr ausgedünnt wird.“

Anlagenbetreiber Andreas Dorn aus Zeillern, dessen Vertrag im Juni ausläuft, formuliert die Forderung der ARGE Biogas an die Bundespolitik: „Um zumindest die effizientesten Anlagen zu erhalten, also jene, die auch Wärme in ein Nahwärmenetz einbringen, braucht es jährlich rund 10 bis 15 Millionen Euro und eine Verlängerung der derzeitigen Einspeis-Förderung auf sieben Jahre. Das würde den Betreibern die Chance geben, sie mit neuen Techniken aufzurüsten und zukunftsfit zu machen.“

Weitere Informationen und Statements zu dem brisanten Thema in der aktuellen Ausgabe der NÖN sowie im ePaper!

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