Erstellt am 26. Januar 2016, 04:08

von Wolfgang Kapf

Gemeinsam gegen die Einbrecher-Plage. Die Bewohner der „Ratzingbauer-Gründe“ in Amstetten haben nach Einbruchserie Vorsorgesystem gegen Kriminelle entwickelt.

»Bürger-Front« gegen Einbrecher in Klein-Greinsfurth (v.l.): Eva und Stefan Fuchs, Mara und Martin Haischberger, Gudrun Mayer, Gunther und Sabine Panowitz, Sonja Preslmayr, Sepp Winkler, Christopher Preslmayr, Christa Winkler sowie Manuela und Martin Steiner. Foto: Wolfgang Kapf  |  NOEN, Wolfgang Kapf
„In unserer Siedlung werden fremde Personen auf der Straße angesprochen, was sie da tun. Wir wissen gegenseitig, wann wer auf Urlaub ist und wir sorgen dann dafür, dass das Haus in dieser Zeit nicht unbewohnt ausschaut – durch regelmäßiges Entleeren des Briefkastens, ein entsprechendes Licht-Management im Haus sowie durch Arbeiten im Garten. Kennzeichen von fremden Autos, deren Lenker sich verdächtig verhalten, werden notiert und der Polizei gemeldet“, erzählt Gunther Panowitz.

Familie wurde Wagen aus Garage gestohlen

Die Anrainer der „Ratzingbauer-Siedlung“ machen damit genau das, was in anglikanischen Ländern „Neighbourhood watching“ genannt wird.

Grund dafür: Vor fünf Jahren begannen Kriminelle das idyllische Leben in der Siedlung in Klein-Greinsfurth empfindlich zu stören. Es wurde in Häuser eingebrochen und einer Familie zusätzlich sogar noch der Wagen aus der Garage gestohlen.

2015 war es besonders arg: Drei Einbrüche im Zeitraum von April bis Juni! Die Siedlungsgemeinschaft war sich einig, dass das so nicht weitergehen durfte.

„Wir haben einen Infoabend zum Thema „Einbrecherschutz“ organisiert und der Kriminalbeamte Michael Wallner von der Polizeiinspektion Amstetten gab uns wertvolle Tipps. Er demonstrierte uns, wie man Terrassentüren und ungesicherte Kellerfenster in ein paar Sekunden aufbrechen kann, vor allem aber zeigte er uns, was man tun kann, um das zu verhindern“, erzählt Panowitz.

Aufmerksamkeit ist der beste Schutz

Die Einwohner der rund 30 Häuser investierten in der Folge in den „Einbrecherschutz“ – in Alarmanlagen ebenso wie in Fenster- und Türensicherungen.

Bei einem weiteren Treffen fielen dann zwei Schlüsselsätze: „Mir fällt ein, ich habe ein paar Tage vor dem letzten Einbruch in unserer Straße eine Frau mit einem Kinderwagen gesehen, aber in dem Kinderwagen war kein Kind drinnen!“, sagte ein Anrainer und ein anderer meinte: „Ich habe einige Tage vor dem Einbruch einen fremden Wagen sehr langsam durch die Siedlung fahren sehen.“

Diese beiden Beobachtungen waren jene Puzzlesteine, aus denen das „Bürger watching“ in Klein-Greinsfurth entstand. Gezielte Vorsorge gegen Einbrüche durch Aufmerksamkeit!

Das System funktioniert bestens, berichtet Panowitz. „Denn es gab seither keinen Einbruch mehr. Im Herbst haben wir eine Frau gemeldet, die unsere Häuser fotografierte. Ein paar Minuten später war die Polizei da und hat die Rumänin gleich mitgenommen.“ Auch wenn auffällige Autos gemeldet werden, sind die Beamten immer rasch zur Stelle.

Detail am Rande: Einmal meldeten die Bürger, dass ein verdächtiger schwarzer Skoda in der Siedlung gesichtet worden sei. Das war für die Polizei aber kein Grund zum Eingreifen. Sie gab telefonisch Entwarnung: „Den Wagen kennen wir. Das ist eine Zivilstreife von uns!“