Erstellt am 14. April 2016, 14:36

von APA/Red

Gesundheitsforum: "Krankheitslast" steigt. Bei allen Fortschritten auf zahlreichen Gebieten der Medizin und des Gesundheitswesens steigt in vielen Staaten die „Krankheitslast“ wieder an.

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Schuld daran sind die nicht übertragbaren Erkrankungen, hieß es am Donnerstag beim Gesundheitsforum Seitenstetten „Praevenire“.

Die Daten dazu stammen von Cristian Baeza, der lange Jahre an der Spitze der Sozialversicherung in seinem Heimatland Chile stand und jetzt eine Professur für „Global Health“ an der University of Washington (Seattle) innehat.

„In Chile ist es uns gelungen, zwischen 1990 und dem Jahr 2000 die Zahl der durch vorzeitigen Tod und Krankheiten verlorenen gesunden Lebensjahre um 16 Prozent zu senken“, beschrieb Baeza die Erfolge.

"Zugang zum Gesundheitswesen verbessern"

Diese Entwicklung wurde vor allem durch den Rückgang bei den Infektionskrankheiten erzielt. „Gleichzeitig konnten wir den Zugang zum Gesundheitswesen für die Bevölkerung dramatisch verbessern. In der letzten Dekade aber stieg die Krankheitslast wieder um vier Prozent an“, sagte der Experte für Öffentliche Gesundheit.

Daran beteiligt seien vor allem die demografische Entwicklung und das Wachstum der Bevölkerung. Auch in Österreich sei eine ähnliche Entwicklung mit einer Reduktion von durch Krankheit verlorener gesunder Lebenszeit und von vorzeitigen Todesfällen zwischen 1990 und 2013 um rund 14 Prozent zu beobachten gewesen. In jüngster Vergangenheit aber hätte sich die Situation wieder um zwei Prozent verschlechtert.

"Faktoren nicht medizinisch beeinflussbar"

Der Grund liegt in der immer größeren Verbreitung von nicht ansteckenden Erkrankungen wie Herz-Kreislauf-Leiden, Diabetes etc. „Sie beruhen zum größten Teil auf Faktoren, die nicht direkt medizinisch beeinflussbar sind“, sagte Baeza. Lebensstilfaktoren – zum Beispiel mangelnde Bewegung, Rauchen etc. - ließen sich eben nicht so einfach beeinflussen, wie ein klar definiertes Krankheitssymptom durch ein einzelnes Medikament.

„Wir müssen also von der Gesundheitsversorgung zur Gesundheit kommen“, sagte Baeza.

"Keine Unterschiede"

Obwohl Chile und Österreich extrem unterschiedliche Länder sind, liegen in der Bevölkerung gerade für das Entstehen chronischer Erkrankungen de facto die gleichen Risikofaktoren vor. „Die wichtigsten ‚Treiber‘ sind in dieser Reihenfolge der Bluthochdruck, das Übergewicht und das Rauchen“, sagte der Experte.

Sogar bei den zehn wichtigsten Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und andere chronische Leiden gebe es kaum Unterschiede zwischen dem südamerikanischen Staat und der Alpenrepublik.

NÖN.at berichtete: