Erstellt am 11. April 2016, 12:54

von APA/Red

Gesundheitsforum Seitenstetten zwischen Theorie und Praxis. Um Fragen von Theorie und Praxis im Gesundheitswesen geht es in den kommenden Tagen (13. bis 16. April) beim Gesundheitsforum Seitenstetten "Prävenire".

Bachblütenfläschchen  |  NOEN, Christian Ammering (www.press-photo.at)
In- und ausländische Fachleute widmen sich im Rahmen der Veranstaltung speziell der Prävention rund um chronische Erkrankungen. Daraus sollen begleitend evaluierte Modellprojekte in vier österreichischen Gemeinden werden.

Österreich besitze an sich ein sehr gutes Gesundheitswesen, sagte der aus Innsbruck stammende Organisator, Armin Fidler. Er hat rund 25 Jahre als Spezialist für Gesundheitsstrategie und Gesundheitspolitik der Weltbank sowie für die Weltgesundheitsorganisation (WHO) gearbeitet. Zwei wichtige Vorteile: "Wir haben sehr gute Kapazitäten, und die Menschen schätzen das österreichische Gesundheitswesen."

Doch genauso existierten auch erhebliche Einschränkungen, wie Fidler betonte. Er arbeitet jetzt hauptberuflich für das Management Center Innsbruck und gestaltet dort gemeinsam mit den Universitäten in Bologna, Rotterdam und Oslo ein Masterprogramm für Gesundheitsökonomie und Management. "Wir geben in Österreich im internationalen Vergleich relativ viel für Gesundheit aus, wir bekommen aber relativ wenig zurück", sagte der Fachmann. Gründe dafür wären zum Beispiel: "Wir sind Weltmeister in der Reparaturmedizin." Gleichzeitig sei die Gesundheitskompetenz der Menschen im Durchschnitt schlechter als in den meisten anderen europäischen Staaten. Die Reformversuche im österreichischen Gesundheitswesen wären prinzipiell gut, die Sache sei aber eben die Umsetzung.

Diskussion und Konkretisierung von Projekten

Gerade deshalb sollen im Gesundheitsforum Seitenstetten "Prävenire" theoretische Grundlagen für die Vorbeugung und die optimale Betreuung von Menschen im Zusammenhang mit chronischen Erkrankungen diskutiert werden. Gleichzeitig geht es aber auch um die Realisierung von konkreten Projekten. Die Themen sind "Öffentliche Gesundheit" am Beispiel der Impfungen, "Gesundes Altern" (Asthma und chronisch obstruktive Lungenerkrankung/COPD), "Psychische Gesundheit" mit dem Fokus auf psychosoziale Faktoren und die Arbeitswelt sowie "Chronische Erkrankungen" mit dem Beispiel Diabetes.

"Symptomatisch ist, dass Österreich eine der niedrigsten Durchimpfungsraten in der zivilisierten Welt aufweist. (...) Wir sind die Weltmeister im Rauchen. Wir sind das letzte Raucherparadies", sagte Fidler zu den ersten beiden Themen. Menschen mit psychischen Erkrankungen litten trotz der großen Häufigkeit solcher Probleme noch immer massiv unter Stigmatisierung, ähnlich jener im 18. oder 19. Jahrhundert. Gleichzeitig sei der ökonomische Schaden hoch. Beim Diabetes handle es sich schließlich um eines der größten Probleme der Zukunft. "Wir befinden uns in einem epidemiologischen und demografischen Übergangsstadium, in dem diese Erkrankung massiv zunimmt." Das gelte aber auch für viele andere chronische Krankheiten.

Damit es nicht nur um die Theorie geht, sollen im Rahmen der Veranstaltung im Stift Seitenstetten Pilotprojekte in vier Gemeinden in ganz Österreich konzipiert werden. Weil in der Gesundheitsplanung Österreich oft in vier Versorgungszonen (Nord, Ost, Süd und West) aufgeteilt wird, handelt es sich bei den Partnergemeinden um Pöggstall in Niederösterreich, Haslach in Oberösterreich, Bruck an der Mur (Steiermark) und Satteins (Vorarlberg). Dort wird die Umsetzung der Pläne für Prävention und Optimierung der Betreuung Betroffener dann im kommenden Jahr begleitend verfolgt und dokumentiert. Das Gesundheitsforum wird vom Beratungsunternehmen Peri Change unterstützt. Fidler betonte die inhaltliche Unabhängigkeit.