Erstellt am 18. Dezember 2014, 00:01

Happy Weihnukka!. Eine Weihnachtsgeschichte von Michaela Knapp.

 |  NOEN, www.BilderBox.com (www.BilderBox.com)
Mein Vater ist Jungfrau im Sternzeichen. Mit allem, was dazugehört. Absolut korrekt in all seinem Handeln, extrem ausgeprägter Ordnungssinn, konservativ, gläubig, wertebewusst und  traditionsverliebt. Sehr „oldschool“, wie man heute sagt. Ein Finanzprüfer in Pension, kurz: jemand, der noch an die äußere, wie innere Ordnung der Dinge glaubt.

Jemand, der Listen über Lottozahlen und die Häufigkeit der notwenigen Rasenschnitte in seinem Garten anlegt. Dass mein, wie man das in den 1990er-Jahren so nannte, Lebensabschnittspartner, das hatte, was man heute geflissentlich schick als Migrationshintergrund bezeichnet, bereitete meinem Vater große Sorge und schlaflose Nächte. Ein jüdischer Türke mit spanischen Wurzeln, ein Sefarde also, der, in Istanbul aufgewachsen, beim Wirtschaftsstudium in Wien hängen geblieben war.

Sehr zum Leidwesen seiner Eltern, die sich ihrerseits Sorgen um ihren kleinen Prinzen machten, der nun mit einer blonden Schickse liiert war.

Mein Vater, der trotz engem Ordnungssinn immer auch Gerechtigkeit und Toleranz vermittelte, begann plötzlich über den Clash of Civilisations zu philosophieren: andere Länder, andere Sitten, unvereinbare Weltbilder – und vor allem, was das Einhalten der Festtage betrifft. Weihnachten zum Beispiel ... Die ersten Jahre der Beziehung gab es familientechnisch kein Problem, ich verbrachte das Weihnachtsfest bei meinen Eltern, der jüdisch-türkische „Prinz“ flog über die Feiertage nach Istanbul, um seine Familie zu beglücken.

Die Karten wurden neu gemischt, als unser Sohn geboren wurde. Sein erstes Weihnachtsfest wollten wir gemeinsam mit meinen Eltern verbringen, ehe es danach nach Istanbul gehen sollte. Wir wollten versuchen, unserem Sohn hinkünftig so etwas wie „Weihnukka“ zu vermitteln. Etwas von Weihnachten und Chanukka eben – Clash of Civilisations – von wegen! Der 24. Dezember rückte näher. Und ich begann, den Vater meines Sohnes auf die Rituale in unserer Familie vorzubereiten.

Die Bilder vor meinem geistigen Auge aus der Familienkomödie „Meine Frau, ihre Schwiegereltern und ich“, in der Robert de Niro das  Familienoberhaupt gibt, das Schwiegersohn Ben Stiller argwöhnisch dabei beobachtet, wie der von einem Fettnäpfchen ins andere tritt, fand ich persönlich in diesem Zusammenhang ja nicht so lustig. Das sollte meinem Kindsvater nicht passieren. Immerhin wollte ich all die Vorurteile und Klischees meines skeptischen Vaters Lügen strafen.

Nicht dass meine Familie so ein außergewöhnliches Weihnachtsfest veranstaltete. Im Gegenteil. Ganz traditionell war es, „wie es sich eben gehört“: ein Baum, der, wie das wohl in vielen Haushalten so ist, mit zunehmendem Alter der Kinder, immer kleiner wird, geschmückt mit feinstem Konfekt, das mein Vater eigenhändig in Zuckerlpapier wickelt, von meiner Mutter geduldig unterstützt. Dazu kommt Weihnachtsschmuck – der seit gefühlten hundert Jahren in der Familie ist und übers Jahr fein säuberlich in einer Kiste verpackt ruht – auf den Baum.

Der Ablauf des Heiligen Abends gestaltet sich dann folgendermaßen: Nach dem traditionellen  Fischmenü läutet mein Vater im Wohnzimmer die Weihnachtsglocke und das Zimmer mit dem hell erleuchteten Baum, den zuvor natürlich niemand sehen  darf, kann betreten werden. Als Kind musste ich dann meistens mit der Melodika „Stille Nacht, Heilige Nacht“ zum Besten geben, was spätestens nach pubertätsbedingten Weigerungen durch eine Platte ersetzt wurde. Fallweise wurde auch das Weihnachtsevangelium verlesen: „Es begab sich aber zu der Zeit …“

Ich briefte also meinen Kindsvater auf das Genaueste, der seinerseits die Sache orientalisch-entspannt anging. Er macht sich nichts aus Feiertagen, sah das also sehr flexibel, solange keine Religion ins Fanatische kippt. Das heißt, er hält es auch mit „seinem“ Judentum nicht so genau, zelebriert Pessach wie Chanukka höchstens zur Freude seiner Eltern und der Sabbath ist ihm sowieso völlig egal. Auch über katholischen wie islamischen Ehrgeiz zu religiösen Anlässen zeigt er sich eher amüsiert.

Dann war es so weit. Der Heilige Abend war gekommen. Das Essen, ein Erfolg. Mein Kindsvater, selbst ein ausgezeichneter Koch vor allem aller Spezialitäten der sefardischen Küche, lobte meinen Vater. Ein Punkt! Erstes Aufkommen von Weihnachtsstimmung meinerseits. Die Bescherung, ein höchst glückvoller Ablauf, Geschenke- Übergabe allerseits, der Großvater mit stolzgeschwellter Brust vor dem Baby mit glänzenden Augen, mittendrin mein entspannter Orientale, parlierend, als wäre er unter dem Weihnachtsbaum geboren.

Als mein kleiner Sohn, erschöpft von den Eindrücken, eingeschlafen war, genehmigten meine Mutter und ich uns einen Punsch, und ich wandte dem Geschehen rund um den Weihnachtsbaum kurz den Rücken zu.

Da hörte ich es in Wortfetzen: Mein Vater erklärte stolz und ausufernd das Alter unserer kleinen Krippe aus Rindenholz, indirekt illuminiert, mit den handgeschnitzten Figuren, die so schwer adäquat zu ersetzen seien, aber jetzt hätte er endlich einen Händler gefunden und somit das alte kaputte Schaf durch ein Neues ersetzten können … Verdammt, ich hatte die Krippe vergessen!

Und noch ehe ich mich in die Sache einmischen konnte, sagte mein Lebensabschnittpartner mit breitem Grinsen und strahlendem Blick: „Na, Sie sind mir aber einer, dass Sie in ihrem Alter noch mit so kleinen Figuren spielen, hätte ich mir nicht gedacht …“ Ich wusste gar nicht, WIE still die Stille Nacht sein kann.
 
Alle Geschichten des NÖN-Adventkalenders sind folgenden Büchern entnommen:

Hat das Christkind Hosen an?

x  |  NOEN, zVg/Verlag Anton Pustet Salzburg
Heitere Weihnachtsgeschichten für große Kinder.
21 Euro, 192 Seiten,
Verlag Anton Pustet Salzburg

 
Es gibt ihn doch, den kleinen Unterschied! Und er wurde auch schon hinlänglich und in allen nur erdenklichen
Facetten erforscht. So sind Frauen zum Beispiel eher Rechtshänderinnen und seltener farbenblind. Ihr Sehfeld ist größer als das der Männer. Männer sehen dafür schärfer. Frauen können einzelne Finger gezielter bewegen. Männer werfen und fangen besser, sind im Durchschnitt um zehn Prozent größer, um 20 Prozent schwerer und um 30 Prozent stärker als Frauen, besonders am Oberkörper ...

Eine ganz wesentliche Frage wurde freilich bislang noch nie gestellt: Wie unterscheiden sich Frauen und Männer in ihrer Auffassung vom Christkind?

Dieses letzte aller noch verbliebenen Weihnachtsgeheimnisse aufzudecken, ist die Mission des dritten Bandes der erfolgreichen Christkindanthologie. Nachdem sich in den Vorjahren Journalistinnen aus ganz Österreich himmlischen Lifestyle-Themen gewidmet haben und Fragen nachgegangen sind wie "Ist das Christkind wirklich blond?" oder "Lebt das Christkind hinterm Mond?", offenbaren uns nun Österreichische Top-Journalisten ihr ganz persönliches christkindliches Verständnis. Sie bescheren uns tief(sinnig)e Einblicke mit ihren Betrachtungen zu "Hat das Christkind Hosen an?" Manch einer mag so weit gehen, zu fragen: Ja, ist es am Ende etwa gar ein Mann ...

Lebt das Christkind hinterm Mond?

x  |  NOEN, zVg/Verlag Anton Pustet Salzburg
Noch mehr heitere Weihnachtsgeschichten.
21  Euro, 180 Seiten,
Verlag Anton Pustet Salzburg

Das Leben ist voller Christkindmomente. Weißt du, wo das Christkind wohnt? Hinterm Mond? Und doch kommt es so weltoffen und geistreich daher, ist so fest verortet im Hier und Jetzt. Es ist da, immer dann, wenn es uns gelingt, anderen eine Freude zu machen, jemandem ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern oder einfach nur für einen Augenblick innezuhalten und zuzuhören.

Das Leben ist voller berührender, lustiger, tiefgründiger, verworrener, liebenswerter, stimmiger, unglaublicher, fantastischer ... Christkindmomente. Es gilt nur sie aufzuspüren. Viele davon wohnen in uns, sind eingeschrieben in unser gemeinsames Gedächtnis. Wie die langen, nicht enden wollenden Stunden erwartungsvoller Vorfreude, die sich dann im Nachhinein vielleicht als die schönsten erweisen. Wie die Freude am Schenken, die oft um so vieles größer ist, als die darüber, beschenkt zu werden. Wie die eingespielten Traditionen und Bräuche, die wir zeitlebens mit Inbrunst verwünschen, obwohl wir doch genau wissen, nicht ohne sie sein zu wollen.

„Steht das Christkind vor der Tür? Das Licht-ins-Dunkel-Weihnachtsbuch“

x  |  NOEN, Verlag Anton Pustet
Barbara Brunner,  Caroline Kleibel, 144 Seiten, 22 Euro, Verlag Anton Pustet
Steht das Christkind vor der Tür? Aber ja doch! Alle Jahre wieder wollen wir das Christkind oh so fröhlich hereinbitten und voller Vorfreude willkommen heißen. Die Tür zu wunderbaren Weihnachten öffnen uns dieses Mal Menschen, die wir alle kennen und schätzen. Menschen, die in ihrem Leben schon viel erreicht haben, was zählt. Uns wiederum reicht das von ihnen Erzählte.

In diesem stimmungsvollen Sammelband geben Künstlerinnen und Künstler, Medienschaffende und prominente Persönlichkeiten ihre denkwürdigsten Weihnachtserinnerungen preis. Einmal heiter, dann wieder besinnlich, nostalgisch und zuweilen auch durchaus kritisch.  Sind die Türen erst einmal weit offen, bleiben auch die Herzen nicht verschlossen. Mit dem Kauf jedes einzelnen Buches unterstützen Sie die Aktion Licht ins Dunkel!