Erstellt am 12. Februar 2016, 04:43

von Daniela Rittmannsberger

Heigl: „Es gehört viel Mut dazu“. Der gebürtige Amstettner Jürgen Heigl (29) führt Regie beim Musical „Jesus Christ Superstar“. Der Schauspieler liebt es, sich in andere Menschen hineinzuversetzen.

Jürgen Heigl will den Darstellern des Musicals »Jesus Christ Superstar« dazu verhelfen, echte Emotionen auf die Bühne zu bringen. Foto: Rittmannsberger  |  NOEN, Rittmannsberger

NÖN: Wie bist du dazu gekommen, die Regie für das Musical „Jesus Christ Superstar“, das vom Jugendhaus Schacherhof auf die Bühne gebracht wird, zu führen?

Jürgen Heigl: Das war eigentlich ein Zufall. Ich wurde gefragt, ob ich die Produktion unterstützen will und den Darstellern Unterricht geben könnte. Ich war schon bei der letzten Aufführung dabei und das Ergebnis war recht zufriedenstellend, also habe ich zugesagt. Ich hab eigentlich mit drei, vier Solisten gerechnet, die ich betreuen soll, im Endeffekt sind es elf.

Du bist ausgebildeter Schauspieler. Wie bist du zu deiner Leidenschaft gekommen?

Ich habe schon als Kind alles, was es damals so im Fernsehen gab, nachgestellt. Dagobert Duck und Bud Spencer waren recht hoch im Kurs. Ich war quasi eine „One-Man-Show“ und habe eigene Geschichten erfunden. Das hat nie aufgehört, allerdings habe ich das immer mehr nur für mich gemacht. Mit 17 habe ich dann am Freifach Darstellendes Spiel teilgenommen. Ich wollte einfach nur irgendwie mitspielen, es ist dann aber doch die Hauptrolle geworden, weil ich so laut schreien konnte (lacht). Gespielt wurde das Stück „Der Widerspenstigen Zähmung“. Und danach war für mich klar: Das mache ich fix als Beruf. Nach dem Zivildienst habe ich vier Jahre lang die Schauspielschule in Graz besucht, danach ein Szenenstudium in Rostock und viele Projekte nebenbei realisiert. Nach meinem Abschluss wurde ich drei Jahre lang immer wieder am Theater an der Jugend engagiert. Doch mir war dann klar, dass mich der Film mehr reizt. Seither drehe ich immer wieder Filme, denn dort arbeitet man einfach gezielter auf etwas hin. Jeder sitzt im selben Boot, wenn man zum Beispiel bei Außendrehs vom Wetter abhängig ist. Beim Theater geht es eher um Luxusprobleme.

Was ist bei deiner Arbeit als Regisseur des Musicals wichtig?

Mir ist wichtig, dass die Darsteller auf die Art und Weise, wie sie singen, vermitteln, was sie dabei empfinden. Es sind bei einem Musical weniger Lieder als gesungene Texte. Das gesungene Wort kann viel mehr aussagen als der gesprochene Text. Es ist gerade bei „Jesus Christ Superstar“ wichtig, die Wahrhaftigkeit der Probleme zu vermitteln. Ich will einfach Menschen auf die Bühne bringen.

Wie gehst du dabei mit den Darstellern an die Rollen heran?

Das ist ganz verschieden. Es gibt kein Grundrezept. Jeder muss seinen eigenen Weg finden, wie er echte Emotionen auf die Bühne bringt. Für mich ist es wichtig zu sehen, welcher Mensch vor mir steht und wo seine Grenze ist. Und ich frage mich: Wie schaffe ich es, dass er sich traut, diesen Weg zu gehen? Ein Schauspieler muss sich von den vielen Rollen, die er als Mensch spielt, befreien. Man muss vieles abbauen und viel überlegen. Und: Es gehört viel Mut dazu. Inwiefern mir das in der kurzen Zeit gelingt, weiß ich noch nicht. Vor allem, weil die Darsteller noch sehr jung sind. Da muss man vorsichtig sein.

Was ist das Schöne für dich an deinem Beruf?

Für mich ist es das Schönste, einfach komplett aus dem eigenen Leben aussteigen zu können und mich in einen anderen Menschen hineinzuversetzen. Ich mag Details sehr gerne und es ist wichtig, die Rolle so präzise und genau wie möglich zu erarbeiten. Mich interessiert vor allem immer die Psychologie dahinter. Als Schauspieler will ich eine Geschichte erzählen. Aber nicht immer, um etwas zu vermitteln, sondern einfach, dass die Geschichte erzählt ist. Manchmal fühlt sich das Publikum durch den Inhalt eines Stückes auch angegriffen. Die Leute gehen aber deshalb ins Theater, um unterhalten zu werden. Ich selbst nehme mir aus jeder Rolle etwas mit. Es hat noch keine gegeben, mit der ich mich nicht in irgendeiner Weise hätte identifizieren können.