Erstellt am 07. Dezember 2015, 00:00

Herbstnachtphantasien.

 |  NOEN, Symbolbild

Die Kindlichen

Wie ein schöner Neujahrsmorgen,
jung und doch sein Antlitz kalt,
sagt er: Die vergangenen Sorgen
sind wie Luft, verweht und alt!

Die Kristalle werden leiten durch die reinen Fahrenheiten,
dort im Funkeln scheint er da, Januar.


In der dunklen Gasse Nacht,
wohlbehütet von den Sternen,
schweift ein Licht, es hält Nachts Wacht
mit der Fackel den Laternen.

Sind es Träume die geleiten durch den Raum und die Gezeiten
Dann steht still und unnahbar, Februar.


Schön galant und sehr adrett,
trägt er seine Frühlingsblüten
zu dem Mädchen. Sie ist keck,
dann liegt er zu ihren Füßen.

Die Gefühle werden leiten, wirren auf und ab die Zeiten
Und es schlägt wie wild ein Herz, März.



Die Knabenhaften

Auch die Flüsse brechen Berge,
bis der Pfad im Reinen ist.
Hinter allem steht das Werde,
Frühling zeigt sein Angesicht;

in dem Duft der jene Zeiten lockt und ruft durch alle Weiten:
steht im Nebeldunst ganz still, April.


Unterm Felsen tost ein Regen
von der Quelle, dessen Rand
überstürzt im wilden Wehen
fegt ins raue Bergesland.

sind’s geformte Endlichkeiten, die den schmalen Pfad begleiten,
trägt sich talwärts, bricht sich frei, Mai.


Durch das Fenster schweift der Blick,
sehnsuchtsvoll ins ferne Glück
und ein Schifflein eilt vorbei,
fährt hinfort, weit weg vom Kai.

auf der See in blauen Weiten, sturmerprobte Wellen reiten
auf dem Wasser, sei du wie- Juni.

 
 
Die Männer

Male Juli! schöne Farben,
die sich leicht zur Wiese legen.
Ist es möglich? deine Gaben
Kitzeln jedes Herz- bewegen.

Wie der Pollen, Blütezeiten, soll das Leben dich begleiten
deinen Kuss vergisst man nie, Juli.


Doch dann sehen wir im Lichte
Die Versuchung, den August
Alles dreht sich, wie im Tanze
Und es legt sich Blumenduft.

Zu den Früchten die im reifen Zustand unsre Tage weiten
wir verspüren tiefe Lust, August..


Bis im Chorus himmlischer Worte
Vögel um ein Zeichen kreisen,
dass an jedem heiligen Ort
Jungfrauen sich die Hände reichen.

Wird der Tag den Nächten gleichen, Tag und Nachtgleiche der Zeiten,
Weht der Herbst von Ferne her, September
.


Die Greise

Tropfnass schlägt des Herbstes Frische
an die raue See, es bricht…
mit den Wellen kalte Hitze,
dass sie ganz zum Sturm sich hebt..

wie das Auf- und Ab, Gezeiten- Fluten in das Land ausbreiten
schäumt es wilder, tobt das Meer, Oktober…


Sieh die Blätterregen fallen!
Und er nimmt dich in den Arm,
blaue Rose deine kalten
Lippen füllen mich so sehr.

mit dem Atemtau als Zeichen, soll der Raureif uns begleiten,
fliehen Vögel südlicher, November


Doch du Vater sollst uns weisen
Unser sehnen heller streichen
Christkind ist jetzt über Nacht
aus Unendlichem erwacht.

Willst du lieben, trag die Zeiten, Stille aller Herzlichkeiten
füllst mich weiter - Sternenmeer, Dezember

 

von Bastian Kienitz

Dr. Bastian Kienitz wurde am 27.02.1975 in Perleberg geboren. Seine lyrischen Anfänge suchte der Autor zunächst im Internet. Unter verschiedenen Pseudonymen öffnet er hier seit 2005 seine Werke einem breiten Leserpublikum. 

Neben seinem Interesse für die Lyrik beschäftigt er sich intensiv mit den Grundlagen des Lebens, der Biologie und versucht Teile dieses Wissens in seine Werke mit einfließen zu lassen. Gleiches gilt für die digitale Fotografie, Momentaufnahmen in Wort und Bildform, die er seit 2008 betreibt. Als Promotionsstudent der Neurobiologie zog er 2007 nach Mainz, wo er noch heute lebt und schreibt.

Veröffentlichungen von Lyrik, Prosa und poetischen Kurzversen in Anthologien und Literaturzeitschriften (u. a. in: Experimenta, Kaskaden, Entwürfe und Versnetze).

Als Autor und Dichter erhielt  Dr. Bastian Kienitz im Jahr 2014 den Anerkennungspreis beim Wiener Werkstattpreis 2013 für Zappgedichte. 2015 war er mit der Kurzgeschichte Lovejoy Finalist beim Kurzgeschichtenwettbewerb Zeilen.Lauf des Kulturfestivals Art.Experience der Stadt Baden.


Zur Aktion:

Am Literaturbewerb des art.experience Festivals 2015 in Baden bei Wien haben sich viele hundert Menschen – Kinder, Jugendliche und Erwachsene aus Österreich, Deutschland und der Schweiz – mit ihren Kurzgeschichten und Gedichten beteiligt. Die wenigen Finalistinnen und Finalisten haben wir um einen Beitrag für den NÖN-Adventkalender gebeten. Das Ergebnis finden Sie hier Tag für Tag. Es sind schöne, berührende, aber auch anspruchsvolle und verstörende Texte. Wie das Leben und die Menschen so sind, gerade zu Weihnachten.