Blindenmarkt

Erstellt am 10. Oktober 2016, 08:59

von Leopold Kogler

Spritzige Inszenierung: Operette „Boccaccio“. Zur Eröffnung der Ybbsfeldhalle in Blindenmarkt gab es mit „Boccaccio“ von Franz von Suppé ein einzigartiges Operettenerlebnis. Herbsttage sind in neuer Ära angekommen.

Wenn man die neue multifunktionale Ybbsfeldhalle mit 550 Plätzen betritt, tauchen unwillkürlich Erinnerungen an die Anfänge der Herbsttage auf. Mit viel Energie und unglaublichem Engagement wurde aus einem familiären Unternehmen ein professioneller Operettenbetrieb gemacht. Die Herbsttage, von Anfang an unter Intendanz von Michael Garschall, sind in ihrem 27. Jahr mit dem neuen Festspielhaus in einer neuen Ära angekommen.

Gleich geblieben ist aber die einzigartige Leidenschaft für das Operettenspiel und das Zusammenwirken von Profis und Laien. Man spürt, dass alle gemeinsam an einem Strang ziehen. Ganz im Gegensatz zu den Florentiner Bürgern im Stück, die von den Novellen des Dichters Giovanni Boccaccio entzweit werden. Während die Frauen ungeduldig den neuesten erotischen Dichtungen Boccaccios entgegenfiebern, haben die Männer nur ein Ziel vor Augen: den verruchten Dichter fangen und einsperren.

Das ist der Stoff, aus dem die schönste Operette Franz von Suppés gestrickt ist, der mit zu den Gründervätern der „Goldenen Wiener Operette“ zählt.
Am Freitagabend war in Blindenmarkt Premiere. Die turbulente Handlung in der bewährten Regie von Isabella Gregor ist komödiantisch angelegt und die großartige Darstellerriege versprüht zündendes Temperament. Gregor schafft es auf großartige und humorvolle Weise, die charaktervollen Figuren auszuloten und bietet wunderbare Situationskomik.

Solisten glänzen,Ensemble begeistert

Insgesamt ein Operettenspaß in einem außergewöhnlich farbig angelegten Bühnenbild, der anzustecken vermag, und die Höhen und Tiefen der bürgerlichen Gesellschaft lebensnah beleuchtet.

Alexander Kaimbacher begeistert mit einer faszinierenden Stimme und setzt die Figur „Boccaccio“ mit Bravour in Szene. Anton Graner überzeugt als Pietro, Prinz von Palermo, und Daniel Serafin als Barbier Scalza sowie Marcus Ganser als „trinkfester“ Lotteringhi. Mit wunderbarer Innigkeit glänzen Anete Liepina als Beatrice, Milena Arsovska als Fiametta und Kerstin Eder als Isabella.

Überzeugend sind einmal mehr auch die Blindenmarkter Urgesteine Willi Narowetz, Heinz Müller und Christiane Bruckner. Souverän und in glänzender Verfassung präsentieren sich der Chor der Herbsttage und das Kammerorchester Ybbsfeld, mit Energie und Feingefühl dirigiert von Kurt Dlouhy. Fazit: Ein Abend, den man sich nicht entgehen lassen sollte.