Erstellt am 17. März 2016, 05:34

Heuras im Interview: „Die Arbeit macht Freude“. St. Peters Bürgermeister Johannes Heuras über die Herausforderungen seines ersten Amtsjahres, wie Flüchtlingskrise und Wassernot, aber auch den Spaßfaktor seiner Funktion.

St. Peters Bürgermeister Johannes Heuras zieht eine sehr positive Bilanz über sein erstes Jahr im Amt: »Ich habe es zu keiner Zeit bereut, diesen Schritt gewagt zu haben.« Foto: Hummer  |  NOEN, Hummer

NÖN: Ein Jahr Bürgermeister: Wie fällt die erste Bilanz aus?
Heuras: Ich habe es zu keiner Zeit bereut, diesen Schritt gewagt zu haben. Ich hatte durch die Tätigkeit meines Vaters ja auch klare Vorstellungen davon, was auf mich zukommt. Die Aufgaben eines Bürgermeisters waren mir nicht fremd. Überraschungen gibt es aber natürlich immer wieder – manche Themen kann man nicht voraussehen.

Zum Beispiel ...?
Als es von heute auf morgen hieß, dass in St. Johann ein Transitquartier für 500 Flüchtlinge eingerichtet werden soll, also für doppelt so viele als Menschen im Ort leben. Da galt es schnell zu handeln und klare Entscheidungen zu treffen. Ich habe den Gemeinderat zusammengerufen und auch die Vereine, um möglichst breit zu kommunizieren was Sache ist und Gerüchten entgegenzutreten. Schließlich hat man beim Land eingesehen, dass der Standort nicht gut gewählt wäre, worüber ich natürlich sehr froh bin.

„Die erste Flüchtlingsfamilie, die kam, ist
ein Vorzeigebeispiel für Integration“

Es gibt aber auch Flüchtlinge in St. Peter?
Wir haben insgesamt 35 Personen in St. Peter. Es handelt sich dabei ausnahmslos um Familien aus Syrien und dem Irak. Erst vor zwei Wochen sind zwei Familien mit 15 Kindern gekommen. Sie sind privat untergebracht und werden vom Quartiergeber betreut. Wir haben uns natürlich sofort bemüht die Kinder im Kindergarten und den Schulen unterzubringen. Grundsätzlich hat das Zusammenleben mit den Flüchtlingen in St. Peter bisher sehr gut funktioniert. Wir haben auch das Glück gehabt, dass sich schnell eine Gruppe Freiwilliger gefunden hat, die unter dem Namen „Neues zu Hause in St. Peter“ die Menschen betreut. Die erste Familie, die schon vor einem Jahr zu uns gekommen ist, ist ein Vorzeigebeispiel für Integration. Die Kinder sind bei verschiedenen Vereinen dabei, die Eltern absolvieren noch einen Deutschkurs. Alle sind sehr freundlich. Es gefällt ihnen bei uns und sie wollen bleiben.

Anderes Thema: Manche Nachbargemeinden haben durch die Trockenheit im Vorjahr große Probleme mit der Wasserversorgung. Wie ist das in St. Peter?
Heuras: Wir hatten in Kürnberg nicht mehr ausreichend Wasser zur Verfügung, da waren Transporte notwendig. Im Markt sind etliche Hausbrunnen aufgeschnappt, denn der Grundwasserspiegel ist um 80 bis 90 Zentimeter gefallen. Zum Glück ist unser neuer Brunnen aber tief genug und so haben wir ausreichend Reserven. Da im Markt fast lückenlos die Ortswasserleitung verlegt ist, konnten wir die betroffenen Häuser auch rasch anschließen, das ging meist innerhalb eines Tages.

Wie wird man das Wasserproblem in Kürnberg lösen?
Momentan hat sich die Lage normalisiert. Wir suchen aber natürlich eine zeitnahe Lösung um die Wasserversorgung zu sichern, weil wir ja auch an die Weiterentwicklung des Ortes denken müssen. Es gibt verschiedene Varianten – von Probebohrungen über eine Quellfassung, wobei wir natürlich immer auf die Zustimmung der Grundeigentümer angewiesen sind, bis hin zur Herstellung einer externen Versorgung. Wir führen Gespräche mit Behamberg und St. Ulrich, ob es dort vielleicht Ressourcen gäbe, Kürnberg mit zu versorgen. Wir wollen natürlich die effizienteste und auch kostengünstigste Lösung finden.

„Wir wollen eine Tagesbetreuungseinrichtung
mit fixen Öffnungszeiten schaffen“

Thema Familien. Im Gespräch ist in St. Peter ja die Errichtung einer Krabbelstube. Wie ist da der aktuelle Stand?
Ich möchte, dass St. Peter eine Familiengemeinde ist. Natürlich ist es ideal, wenn ein Kind in den ersten Jahren von einem Elternteil betreut werden könnte, aber das ist aufgrund der beruflichen Anforderungen nicht immer möglich. Auch die gute Variante Tagesmütter passt leider nicht für alle. Wir wollen daher zusätzlich eine Tagesbetreuungseinrichtung mit fixen Öffnungszeiten schaffen. Dabei kann es sich aber natürlich nur um ein kostenpflichtiges Angebot handeln. Als Standort wäre eine Räumlichkeit beim Eltern-Kind-Zentrum im Gespräch und könnte baulich auch adaptiert werden. Sie dient derzeit allerdings als Aufenthaltsraum für die Bauhofmitarbeiter. Da suchen wir noch Ersatz.

Sie haben im Vorjahr im NÖN-Gespräch angekündigt, dass eine Art Vereinszentrum geschaffen werden soll. Wie aktuell ist das?
Momentan sind wir dabei, die Infrastruktur des Fußballvereines zu verbessern. Es warten aber auch noch viele andere Aufgaben auf uns. Natürlich können wir nicht für jeden Verein separat etwas bauen. Da müssen mehrere zusammenarbeiten. Es gibt daher immer wieder Gespräche darüber, wie man Synergien nutzen könnte und was Sinn macht. Das ist ein laufender Prozess.

Zur Politik: Wie funktioniert die Zusammenarbeit der Parteien?
In der Demokratie ist es legitim, dass es verschiedene Standpunkte gibt, so lange die Diskussion auf sachlicher Ebene geführt wird. Wir haben aber im vergangenen Jahr 97,5 Prozent aller Beschlüsse einstimmig gefasst, das zeigt, dass wir auf einem guten Weg sind. Wir hatten ja nach der letzten Wahl einen großen Wechsel. Von fünf Ortsvorstehern wurden drei neue bestellt und mehr als die Hälfte der Gemeinderäte war neu. Es ist uns aber gut gelungen, uns zusammenzufinden und Schwung aufzunehmen. Was mir persönlich besonders Freude und Spaß an der Arbeit macht, ist, dass ich viele verschiedene Leute treffe, die ich sonst nie kennengelernt hätte. Das gibt einem sehr viel zurück.