Erstellt am 09. April 2016, 05:04

von Daniela Rittmannsberger

„Hoamgroast“ in die Heimat. Unter dem Festivalmotto „Fliehkraft“ lädt der Ertler Kulturverein alle ehemaligen Ertler zu einem gemeinsamen Tag in der alten Heimat und einer Wirtshausroas ein.

Kulturvereinsobmann Josef Forster und Projektleiterin Anja Bierbaumer (v.l.) organisieren eine »Wirtshausroas« zurück in die Vergangenheit. Foto: Daniela Rittmansberger  |  NOEN, Daniela Rittmansberger

Das Viertelfestival führt heuer ins Mostviertel – und beschäftigt sich unter dem Motto „Fliehkraft“ mit all jenen Geschichten und Entwicklungen, die dazu führten, dass Menschen ihre Heimatorte verließen.

In Ertl nutzt der Kulturverein die Gelegenheit, um die „geflohenen“ Menschen aus dem Ort an einem Abend wieder zurück in die Gemeinde zu locken und ihnen vor allem auch die Veränderungen in ihrer alten Heimat zu zeigen.

„Die Leute reden heute noch davon“

Bereits vor vier Jahren beteiligte sich der Kulturverein am Viertelfestival – und war überwältigt von dem Erfolg, den seine „Wirtshausroas“ damals hatte. „Wir haben ein sensationelles Echo erhalten. Die Leute reden heute noch davon“, sagt Obmann und Bürgermeister Josef Forster.

Geplant sei gewesen, die Roas zwischen den Wirtshäusern jedes Jahr zu veranstalten, die Umsetzung sei aber zu aufwendig gewesen. Nun aber wird die Wirtshausroas wiederbelebt – und führt vor allem zurück in längst vergangene Zeiten.

Unter dem Titel „Hoamgroast zur Wirtshausroas“ wurden alle „Ausgroasten“ eingeladen, um einen Tag in ihrer alten Heimat zu verbringen. „Wir laden alle Ausgewanderten dazu ein, um wieder einmal zurückzukommen und gemeinsam einen schönen Tag zu verbringen“, sagt Forster.

Doch nicht nur das: Vor allem auch die Veränderungen im Ort sollen ein Anlass für die Gäste sein, ihr Dorf wieder einmal genauer unter die Lupe zu nehmen: „Wir haben unter anderem die Kirche umgebaut und die Schule wird gerade renoviert. Wir wollen ihnen zeigen: Es passiert etwas bei uns.“

Wirtshausroas mit Kirchenchor und Musikverein

Forster ist dabei vor allem auf eines gespannt: „Mit welchen Augen sehen sie die eigene Ortschaft jetzt? Über eine Ausschreibung in der Gemeindezeitung ersuchte der Kulturverein um die Bekanntgabe der Adressen der Weggezogenen, um sie persönlich einzuladen.

Und nicht nur Ausgewanderte werden zurückgeholt: Auch der Kirchenchor und der Musikverein Ertl luden alle ehemaligen Mitglieder ein, um gemeinsam bei der Wirtshausroas aufzuspielen.

Und das mit Erfolg: Insgesamt 150 ehemalige Mitglieder unterstützen den Musikverein, der Kirchenchor wird in der Kirche vereint mit den ehemaligen Sängern singen. Der Startschuss der Veranstaltung am 1. Juli fällt um 17 Uhr, wenn sich alle Reisegäste treffen.

Um 17.30 Uhr findet die offizielle Eröffnung in der Volksschule statt, wo die letzten 100 Jahre der Schule im Fokus stehen. Projektleiterin Anja Bierbaumer begab sich auf die Suche und sammelte die Klassenfotos des letzten Jahrhunderts zusammen.

Nach den kurzen Konzerten des Musikvereins und des Kirchenchores startet die Reise via Bus in die Vergangenheit: Im Stundentakt wird zwischen den vier Gasthäusern hin und her gependelt, wo auch noch weitere, historische Fotos ausgestellt werden. Musikalisch unterhält in jeder Gaststätte eine Musikgruppe, die ebenfalls teilweise aus „ausgroasten“ Ertlern besteht. Und im Bus selbst sorgt „D’Urtaler Sängerrunde“ für gute Stimmung.