Erstellt am 01. März 2016, 04:04

von Hermann Knapp

Hochwasser: Schutzprojekt ist auf Schiene. Nach jahrelangem Tauziehen kann das Projekt im Bereich Haabergbach-Mühlbach endlich umgesetzt werden.

Die Freude bei Umweltgemeinderat Bernhard Wagner, Dieter Stadlbauer vom städtischen Bauamt, Bürgermeisterin Ursula Puchebner und Umweltstadtrat Gerhard Haag ist groß. Nach jahrelangem Tauziehen kann das Hochwasserschutzprojekt im Bereich Mühlbach-Haabergbach nun umgesetzt werden. Man hofft natürlich, dass Bund und Land nun rasch die nötigen Gelder freigeben.  |  NOEN, Foto: Hermann Knapp

"Was lange währt, wird endlich gut“, sagt der Volksmund. Beim Hochwasserprojekt Haabergbach-Mühlbach sah es lange nicht danach aus. Doch seit Freitagmittag ist das Vorhaben endlich auf Schiene. Die Einspruchsfrist gegen die dafür nötigen behördlichen Genehmigungen ist abgelaufen. Es kamen keine Einwände mehr.

„Ich finde es super, dass ein langer harter Weg endlich zu Ende geht und wir dieses wichtige Projekt für die Stadt nun umsetzen können“, sagt Bürgermeisterin Ursula Puchebner. „Ich hoffe, dass wir jetzt auch vom Land rasch die Freigabe der Mittel bekommen“. Ein Gespräch darüber werde es demnächst geben.

Immerhin wird das Bauvorhaben ja rund eine Million Euro kosten. Da sind Förderungen natürlich sehr gefragt. Hochwasserschutzprojekte werden von Bund, Land und Gemeinden gemeinsam finanziert. Die Frage ist nun, wie der Verteilungsschlüssel aussehen wird. Die Stadt hofft natürlich, dass Bund und Land möglichst viele Mittel zuschießen.

Bürger können nun "ruhig schlafen"

Froh darüber, dass es grünes Licht für das Projekt gibt, ist natürlich auch Umweltstadtrat Gerhard Haag von den Grünen. „Vor allem freut es mich für die betroffenen Bürger entlang des Mühlbaches, die nach der Fertigstellung des Hochwasserschutzes auch bei Starkregen ruhig schlafen werden können, weil sie keine Angst mehr vor Überflutungen haben müssen.“

Das Grundprinzip des Schutzprojektes ist einfach: Bei einem Hochwasser des Haabergbaches sollen die Fluten über den Mühlbach (dessen Fließrichtung zu diesem Zweck durch Schützanlagen umgedreht werden kann) in die Ybbs (oberhalb der Eisenbahnunterführung) abgeleitet werden. Kommt es umgekehrt zu einer Flut in der Ybbs, kann durch Schließen der Schleusen verhindert werden, dass unkontrolliert Wasser in den Mühlbach fließt.

Die Liegenschaften in der Waidhofner Straße sollten künftig also sicher sein. Funktionieren soll das System auch noch, wenn es zum Beispiel bei der Ybbs ein HQ 100 (hundertjähriges Hochwasser) gibt und beim Haabergbach ein HQ 10 – oder umgekehrt.

Für Jahrhunderthochwasser nicht gerüstet?

Wenn es allerdings in beiden Bereichen zu einem Jahrhunderthochwasser kommt, dann wird wohl auch das neue Schutzsystem die Wassermassen nicht mehr bewältigen können. Aber dieser Fall wird hoffentlich nicht eintreten.

Grünes Licht könnte es nach Vollendung des Hochwasserschutzprojektes natürlich auch für ein Wohnhausprojekt der Frieden in diesem Bereich geben. Sie plante ja auf einem Grundstück in diesem Bereich die Errichtung eines Gebäudes mit 38 Wohnungen. Im Jahr 2013 hat die Behörde dem Projekt eine Absage erteilt, weil es den Hochwasserabfluss in den angrenzenden Siedlungen beeinträchtigen würde. Doch nun könnten da natürlich die Karten neu gemischt werden, falls die Frieden erneut ein Projekt zur Genehmigung einreicht.


Das Schutzprojekt im Detail

  • Das Bett des Haabergbaches beziehungsweise des Mühlbaches wird ab der Unterführung der B1 bis zur Ausleitung in das geplante Entlastungsgerinne im Bereich hinter dem Baumax für ein hundertjährliches Hochwasser ertüchtigt.

  • Mit einem Schleusensystem werden die Hochwässer umgeleitet. Im Bereich des geplanten Entlastungsgerinnes ist ein Absperrbauwerk – ein sogenanntes Hubschütz – vorgesehen. Im Hochwasserfall wird diese so weit geschlossen, dass nur die Wassermengen Richtung Stadt (Mühlbach) geleitet werden, die das bestehende Bachprofil bewältigen kann, ein Großteil der Flut wird sodann in das Entlastungsgerinne abgeleitet und soll somit den Haabergbach entlasten.

  • Das rund 140 Meter lange Entlastungsgerinne mündet in den Mühlbach ein, der ebenfalls eine Absperreinrichtung erhalten soll. Wird diese geschlossen, dann kommt es im Mühlbach zu einem Rückstau und die Fließrichtung kehrt sich um. Gleichzeitig öffnet am Mühlbach oberhalb der Eisenbahnunterführung (Schwarzer Weg) ein Absperrbauwerk, sodass das Wasser in die Ybbs abfließen kann.

  • Durch die Absperrvorrichtung im Mühlbach können natürlich künftig auch Hochwässer der Ybbs ausgeperrt werden. Dass dieses Prinzip funktioniert, hat die Stadt schon im Mai 2014 bewiesen. Damals wurde die Verbindung zwischen Ybbs und Mühlbach provisorisch dicht gemacht.

  • Das Hochwasser 2009: Es begann am 20. Juni zu regnen und hörte 48 Stunden lang nicht mehr auf. Am 22. Juni trat der Mühlbach über die Ufer und die Wiese zwischen der Firma Haber-hauer und den Privathäusern an der Waidhofner Straße wurde überschwemmt. Als der Regen nachließ und die Anrainer aufzuatmen begannen, kam am 25. Juni die zweite Flut. Diesmal stieg der Haabergbach aus seinem Bett und setzte die Keller unter Wasser.