Erstellt am 01. März 2016, 00:29

von Doris Schleifer-Höderl

Immer mehr Mostviertler bewaffnen sich. Bis Mitte Februar wurden im Bezirk Amstetten von der Behörde bereits 125 neue Waffenbesitzkarten ausgestellt.

Dieter Funke und Walter Sternbauer sehen den vermehrten Kauf von Waffen im schwer beschädigten subjektiven Sicherheitsgefühl der Bevölkerung.  |  NOEN, Wolfgang Kapf
Immer mehr Menschen im Bezirk bewaffnen sich. Bis Mitte Februar hat die Bezirkshauptmannschaft bereits 125 Waffenbesitzkarten ausgestellt.

„2013 stellten wir 74 Waffenbesitzkarten aus, 2014 waren es 98 und im Vorjahr 252. Insgesamt gab es im Bezirk per 31.12.2015 somit 2.697 ausgestellte Waffenbesitzkarten“, bestätigt Bezirkshauptmann Martina Gerersdorfer, dass der Bundes- und Landestrend längst auch auf die Region übergeschwappt ist.

Auch der Amstettner Waffenhändler Walter Sternbauer ist in seinem Geschäft seit Oktober des Vorjahres täglich mit Anfragen von Kunden konfrontiert, die sich Waffen zulegen möchten. So etwa informiert sich ein Mann aus Neuhofen/Ybbs, der namentlich nicht genannt werden möchte, über Pfeffersprays und Schrotflinten. Auf die Frage der NÖN, warum er sich bewaffnen wolle, erklärte er: „Bei mir wurde eingebrochen. Mir geht es um die Sicherheit meiner Familie.“

Pfeffersprays stehen hoch im Kurs

Sehr begehrt sind vor allem auch Pfeffersprays. Walter Sternbauer wartet da bereits auf eine Nachlieferung. „Im Jänner habe ich innerhalb von zweieinhalb Tagen 60 Stück davon verkauft“, berichtet er. Vor allem Frauen würden danach greifen. Überraschend ist für den Waffenhändler, dass auch viele Ehepaare Waffenbesitzkarten anfordern. „Dass da gleich beide Partner ansuchen, ist doch erstaunlich, denn es ist gar nicht so billig. Der Erwerb einer Waffenbesitzkarte kostet 400 Euro und das dann gleich mal zwei.“

Der Grund, warum die Zahl seiner Kunden gestiegen ist, liegt für Sternbauer auf der Hand. „Sie fühlen sich einfach nicht mehr sicher“, hört der Waffenhändler aus den Verkaufsgesprächen heraus.

"Sicherheitsgefühl ist schwer beschädigt"

Das bestätigt auch Dieter Funke, Bundesobmann des Waffenhandels der Wirtschaftskammer Österreich: „Es geht den Menschen nicht darum, was Studien oder Statistiken sagen. Ihr subjektives Sicherheitsgefühl ist schwer beschädigt. Natürlich handelt es sich hier um eine Entwicklung, die besorgniserregend ist und daher ist die Politik gefordert, dieses subjektive Sicherheitsgefühl zu verbessern, um das Sich-Bewaffnen damit zu ersetzen.“

Dies könnte laut Funke unter anderem durch mehr Polizeipräsenz auf den Straßen bewirkt werden. Stadtpolizei und Bundespolizei bräuchten mehr Personal: „Ich fordere daher, dass mehr Maßnahmen gesetzt werden, um das Personal aufzustocken“, erklärt Funke.

Funke: „Sprechen über hochseriöse Branche“

Darüber hinaus ärgert er sich über die Verunglimpfung des Waffenhandels. „Wir sprechen beim Österreichischen Waffenfachhandel von einer hochseriöse Branche und manche Berichte zielen momentan darauf ab, sie in Verruf zu bringen. Dagegen wehren wir uns. Wir haben in Österreich ein strenges Waffengesetz, das strikt vom Waffenfachhandel eingehalten wird. Darum sehen die Waffenfachhändler nicht ein, warum auf die Vorfälle von Paris hin das Europäische Waffengesetz verschärft werden soll“, betont er.

In Paris seien ausschließlich nicht registrierte Waffen zum Einsatz gekommen. „Man wird doch bitte nicht glauben, mit einer Gesetzesverschärfung, die den privaten Besitz Waffenbesitz, der seit Einführung des Zentralen Waffenregisters transparenter und kontrollierbarer wird, einschränkt, den illegalen Waffenhandel zu unterbinden. Das Gegenteil wäre der Fall“, ist sich Funke sicher.

„Mit dem Besitz einer Waffe glauben viele,
ihre eigene Sicherheit zu erhöhen.“

Obwohl die Exekutive den Anstieg der Neuanträge für Waffenbesitzkarten auch registrierte, gäbe es im Bezirk dennoch kaum Delikte, bei denen Waffen eingesetzt werden, wie Kriminalchefinspektor Ferdinand Humpl vom Bezirkspolizeikommando berichtet. „Es kommt aber selten vor, dass Private zur Selbstverteidigung eine Waffe einsetzen“, so Humpl.



Warum es zu so einem massiven Anstieg der Waffenbesitzkarten im Bezirk gekommen ist, liegt für den Beamten dennoch auf der Hand. „Mit dem Besitz einer Waffe glauben viele, ihre eigene Sicherheit zu erhöhen. Von Selbstjustiz ist aber abzuraten. Betätigen Sie sofort den Polizeinotruf 133. Die nächstgelegene Polizei ist dann sicher rasch zur Stelle.“