Erstellt am 19. Januar 2016, 03:33

von Daniela Führer

Integration an Schulen: „Bräuchten Psychologen“. Der Mehraufwand für die Pädagogen im Bezirk ist durch die Betreuung von Flüchtlingskindern stark gestiegen. Vergolten wird das nicht. Viele sind an ihren Grenzen.

Martin Traxler, Personalvertreter der Pflichtschulen im Mostviertel, weiß: »Bei vielen Lehrern ist die Grenze erreicht.« Foto: privat  |  NOEN, privat/ROBERT HERBST
Der Aufwand für die Pädagogen und Schulleiter der Region ist zweifellos massiv gestiegen. An fast allen Schulen im Bezirk drücken mittlerweile Flüchtlingskinder die Schulbank.

„Einige kennen die Notwendigkeit der
Schulpflicht einfach nicht. Manche Kinder
waren teilweise drei Jahre auf der Flucht!“
Martin Traxler, Personalvertreter

„Eine große Herausforderung für unsere Lehrer. Bei vielen ist die Belastungsgrenze erreicht, vor allem, weil die Zukunft auch so ungewiss ist“, erklärt Martin Traxler aus Winklarn, Personalvertreter der Pflichtschulen im Mostviertel.

Er ist viel in den Schulen der Region unterwegs. Dort herrsche fast durchgängig das selbe Bild: „Die Lehrer und Direktoren sind in höchstem Maße engagiert, Flüchtlingskinder an ihren Schulen zu integrieren. Das bedeutet aber einen hohen Mehraufwand, der nicht vergolten wird, denn dieser zählt nicht zu den bezahlten Überstunden“, erklärt er.

Eine große Herausforderung liegt darin, einen Ordnungsrahmen für Kinder, aber auch ihre Eltern, aufzubauen. „Das soll kein Vorwurf an sie sein, es ist einfach so, dass einige Flüchtlinge die Notwendigkeit der Schulpflicht nicht kennen. Manche waren teilweise drei Jahre lang auf der Flucht“, zeigt Traxler auf.

Man müsse daher den Kindern erst beibringen, dass sie regelmäßig zur Schule gehen und sich an die Rahmenbedingungen halten müssen.

„Viele Kinder haben schwere Psychosen“

Zum Teil seien die Pädagogen aber auch mit den persönlichen Schicksalen der Kinder überfordert. „Sie fühlen natürlich mit den Kindern mit. Viele Schüler haben schwere Psychosen. Sie müssen das Schreckliche, das sie erlebt haben, erst aufarbeiten. Dafür bräuchten wir Psychologen“, stellt Traxler klar.

Hinzu kommen Kommunikationsprobleme mit den Kindern und ihren Eltern. Daher sei das Erlernen der deutschen Sprache das Wichtigste. „In vielen Gemeinden funktioniert das auch. In Winklarn zum Beispiel lernen Pädagoginnen, die noch keine Anstellung bekommen haben, mit den Kindern Deutsch. Das geschieht auf Ehrenamt. Aber nur so funktioniert es“, erklärt er.

Für die Lösung des Problems bedürfe es eines „Steins der Weisen“ formuliert es Martin Traxler. „Eine langfristige Lösung zu finden, ist schwierig. Ganz wichtig wäre auf jeden Fall zusätzliches Personal: Zusätzliche Lehrer, aber auch Psychologen, die mit den Schülern ihre Erlebnisse aufarbeiten.“

Momentan sei man an die Grenzen der Personalreserven gelangt, die man bereits im Herbst vorgesehen hat. Gegenwärtig könne man maximal umschichten und Brennpunkte abdecken, doch längerfristig müssten auf jeden Fall mehr Lehrer aufgenommen werden: „Aber mit Dienstvertrag und nicht zum Nulltarif“, betont der Personalvertreter.

„Die Unsicherheit an der Schule ist groß“

Eine Schule im Bezirk, die auf einen Schlag über zehn Schüler aus dem „Containerdorf“ Mauer dazu bekommen hat, ist die Volksschule Mauer-Öhling.

„Uns wurde daraufhin eine Teilzeitkraft zugeteilt. Sie lernt mit den Kindern zwei Stunden in der Früh Deutsch in einem Sprachkurs. Danach werden die Schüler auf die Klassen aufgeteilt. Das ist für unsere Lehrer schon eine große Herausforderung, denn das bedarf ganz anderer Vorbereitungen“, erklärt Volksschuldirektorin Petra Tatzberger.

„Die Unsicherheit an der Schule ist groß. Es gibt nur sehr kurzfristige Infos, wenn Kinder wieder weg oder dazu kommen. Da wird in der Öffentlichkeit schon vorab viel geredet, bis wir etwas erfahren“, bemängelt sie.

Anfangs war auch die Skepsis bei den Eltern der anderen Schüler groß: „Aber sie haben mittlerweile selbst miterlebt, dass es an unserer Schule funktioniert und daher gibt es keine Probleme“, berichtet die Volksschuldirektorin.