Amstetten

Erstellt am 17. Juli 2017, 11:23

von Leopold Kogler

Großes Interesse an „Hair“: „Es riecht nach Rekord“. Das Interesse am Musical „Hair“ ist riesig. Die NÖN fragte bei Intendant Johann Kropfreiter nach den Gründen für den großen Run nach Tickets für das Sommerhighlight.

Intendant Johann Kropfreiter (r.) und sein Ensemble blicken voller Vorfreude in Richtung Premiere am Mittwoch, 19. Juli. Foto: kommunikationsagentur-sengstschmid  |  kommunikationsagentur-sengstschmid

NÖN: Warum erlebt die diesjährige Produktion von „Hair“ schon vor der Premiere so einen gigantischen Zuspruch?

Johann Kropfreiter: Der Zuspruch von „Hair“ überrascht mich in seiner Dimension doch einigermaßen! Mit Stückwiederholungen bin ich bisher sehr zurückhaltend umgegangen, da ich mir nicht sicher war, wie unser Stammpublikum darauf reagieren wird. „Footloose“ hat dann im Vorjahr wunderbar funktioniert und wir hatten am Tag der Premiere bereits zwei Zusatzvorstellungen im Verkauf. Heuer sind es schon sechs und damit haben wir den Vorstellungsrekord von „Flashdance“ aus dem Jahre 2014 – insgesamt 20 Shows – egalisiert. Bleibt spannend, wie das nach der Premiere weitergehen wird! Es riecht nach neuem Rekord.

Was zeichnet das Stück „Hair“ aus?

„Hair“ bietet so viele tolle Musiknummern und zudem eine Story, die nie aufgehört hat, aktuell zu sein. Auf der anderen Seite haben wir unser Publikum, nach der Pause im Jahre 2011, mit umjubelten Produktionen nach Amstetten zurückgeholt. Ich denke, es ist eine Kombination aus tollem Stück und großer Erwartungshaltung seitens der „Hair“-Fans.

Was bedeutet ideologisch betrachtet eine Aufführung eines Werks, das vor 50 Jahren für Furore sorgte? Hat dieses Musical heute noch eine gesellschaftliche Bedeutung?

In Bezug auf die gesellschaftliche Bedeutung denke ich mit großer Verstörung daran, dass wir es heute in vielen Fällen weltweit mit jugendlichen Kriegsbefürwortern zu tun haben, die freiwillig in den Krieg ziehen, um beispielsweise für den Islamischen Gottesstaat zu kämpfen. Ich habe selber in den 70er-Jahren die Ableistung des Wehrdienstes aus pazifistischen Gründen verweigert und mich einer unangenehmen Befragung durch eine Zivildienstkommission gestellt. Am Ende konnte ich dem Roten Kreuz dienen! 50 Jahre nach der Off-Broadway-Uraufführung müssen wir jedenfalls zur Kenntnis nehmen, dass die Ideale der damaligen Hippie-Bewegung gescheitert sind. Wir dürfen jedoch nicht aufhören, unsere Stimme weiter für Frieden, Freiheit und Akzeptanz anderer und anders Denkender zu erheben. Kaum ein Stück eignet sich dazu besser als „Hair“!

Sie haben sich nach Jahren von einer eingespielten Mannschaft, von einem Leading-Team aus großen Namen verabschiedet. Heuer reüssieren, mit Ausnahme der Musiker, viele junge Darsteller und Darstellerinnen. Auch die Regie liegt in frischen Händen. Gilt der Leitsatz „never change a winnig team“ nun nicht mehr für Sie?

Die Änderung im Leading-Team habe ich nicht bewusst herbeigeführt, sondern diese hat sich ganz einfach im letzten Jahr ergeben und wurde so von anderen gewollt. Grundsätzlich gilt nach wie vor mein Leitsatz, dass ich gerne längerfristig mit einem Team plane und arbeite. Bei der Auswahl der Neuen dürfte ich ein glückliches Händchen gehabt haben. Alex Balga und Jerôme Knols, die für Regie und Choreografie verantwortlich zeichnen, agieren so, als wären sie bereits lange Zeit Teil des Musicalsommers. Es macht mir und meinen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen von den Veranstaltungsbetrieben echt Spaß, mit ihnen zu arbeiten. Ein Regisseur schlägt halt gerne Leute seines Vertrauens für Bühne und Kostüme vor. Dadurch kam es auch hier zum Wechsel, was man unter anderem auch am Bühnenkonzept deutlich merkt. Es gibt mit Christian Frank, musikalische Leitung, Michael Grundner, Lichtdesign, und Andreas Frei, Sounddesign, aber auch drei sehr verdienstvolle Herren aus dem alten Team.

Was darf sich das Publikum von den bewährten und neuen Kräften erwarten?

Von den 20 Darstellern geben 13 ihr Amstetten-Debut. Ich glaube, nicht zu viel zu versprechen, wenn ich sage, dass das Publikum von ihnen hingerissen sein wird! Was da von der Bühne in den Publikumsraum rüberkommt, ist pure Energie! Und die fantastische Band aus den Vorjahren wurde um zwei Musiker aufgestockt. Auch der Sound wird heuer anders klingen.