Erstellt am 19. Januar 2016, 02:58

von Daniela Führer

Johann Schön, der Meister der Brieftauben. Brieftaubenzüchter Johann Schön aus Hermannsdorf darf sich über Staatsmeistertitel freuen. Er züchtet seit 40 Jahren. Seine Tiere sind bei Bewerben eine Klasse für sich.

Der gebürtige St. Georgner Johann Schön (am Bild vor dem St. Georgner Wahrzeichen, der »Georg-Statue«) mit seinem großen Stolz, der schnellsten Brieftaube Österreichs. Fotos: privat  |  NOEN, privat
310-13-39: So lautet die Bezeichnung der schnellsten Brieftaube in Johann Schöns Stall und gleichzeitig der schnellsten Österreichs.

Doch damit nicht genug. Der 73-jährige Züchter ist Brieftaubensport-Staatsmeister 2015 und bei den österreichischen Verbandsmeisterschaften belegten seine Brieftauben die Plätze 1 bis 3 in der Kategorie „AS-Vögel 2015“.

Auf einen Schlag eine ganze Brieftaubenschar

„Das hat es in der Geschichte des österreichischen Brieftaubensports noch nie gegeben“, ist Johann Schön stolz. Am vorletzten Wochenende wurde ihm der Staatsmeistertitel samt Pokal verliehen.

Seine Liebe zu den Brieftauben begann vor 40 Jahren. „Ich sah auf einem Feld eine schöne Taube. Das Tier gefiel mir so sehr, da fragte ich den ehemaligen Ferschnitzer Volksschuldirektor Baumgartner, ob ich ein paar seiner Tiere haben könnte. Er gab mir dann gleich 20!“, erinnert sich Johann Schön.

Und so hatte der gebürtige St. Georgner auf einen Schlag eine ganze Brieftaubenschar beisammen und begann, die Vögel zu züchten. Gleich im ersten Jahr wurde er damals Jungtaubenmeister.

Heute hat er 120 Tiere in seinem top gepflegten Taubenschlag. Mit viel Hingabe kümmert er sich tagein, tagaus um seine Brieftauben. „Die Tiere müssen zwei Mal am Tag eine Stunde fliegen. Den Rest des Tages verbringen sie im Schlag“, erklärt Johann Schön. Diesen reinigt er auch täglich.

„Er fliegt so schnell wie möglich zu seiner Frau“

Im Winter sind es zwei Stunden pro Tag, die er für seine Tiere aufwendet, im Sommer mit Training fünf bis sechs. Urlaub gibt es daher für den St. Georgner nie. Aber das stört ihn nicht. „Ich bin glücklich und zufrieden mit dem, was ich hab‘.“

Jedes Jahr im Mai startet die Brieftaubensportsaison. Dann heißt es jede Woche: Gut Flug für rund 40 Brieftauben aus Johann Schöns Schlag. Warum seine Vögel die schnellsten Österreichs sind, erklärt der St. Georgner mit seinem qualitativ hochwertigen Zuchtmaterial. Penibel hält er seit Jahren die Abstammung seiner Vögel fest. „Nach 40 Jahren hat man dann schon richtig gute Zuchttauben.“

Aber auch beim Futter verwendet Schön seine eigens zusammengestellte Mischung. Gut 30 Gramm frisst eine Brieftaube täglich.

x  |  NOEN, privat


Für den nötigen „Antrieb“ bei den Wettbewerben nutzt der Züchter den Trieb seiner Vögel. „Ich fliege nur mit männlichen Tieren. Die Männchen und die Weibchen sind über das Jahr getrennt. Bevor es zum Wettbewerb geht, lasse ich sie 20 Minuten zusammen. Das muss man sehen, sie nehmen sich beim Schnabel und küssen sich richtig, das nennt man schnäbeln“, schmunzelt Schön.

Dann geht es für das Männchen ab zum Bewerb. „Er fliegt dann so schnell wie möglich zurück, weil er weiß, dass seine Frau daheim auf ihn wartet.“

„In Urlaub fahre ich nie. Aber das
stört mich nicht, ich bin glücklich
und zufrieden mit dem, was ich hab‘.“
Taubenzüchter Johann Schön

Im Fachjargon nennt man das die Witwerschaftsmethode. An sportlichen Bewerben nehmen die Tiere nur bis zu einem Alter von sechs, sieben Jahren teil. Von Anfang Mai bis Juli absolvieren Johann Schöns Tiere bei 13 Flügen pro Bewerb Strecken zwischen 100 und 630 Kilometern. Dafür werden sie mit einem Spezial-Lkw zum Abflugsort gebracht, von wo sie heimfliegen.

Nur wenn das Wetter auf der Flugstrecke in Ordnung ist, gibt ein Flugleiter den Abflug frei. „Die Tiere orientieren sich dann nach der Sonne und dem Erdmagnetfeld“, erklärt Johann Schön die Zielgenauigkeit der Tauben.

Welche Platzierungen die Brieftauben bei den Bewerben belegen, wird über die Rechnung „zurückgelegte Meter pro Minute“ eruiert. Dafür wird zunächst die Abflugszeit genau erfasst. Dann, bei der Ankunft im Heimatschlag, läuft die Taube selbstständig über eine Antenne und über den elektronischen Ring, den sie trägt, wird die Ankunftszeit registriert.

Johann Schöns schnellste Taube flog übrigens von Bonn (D) nach Hermannsdorf über 630 Kilometer in 6:55 Stunden.

Erfolge 2015

  • „1. Nationalmeister“

  • Plätze 1 bis 3 in der Kategorie „AS Vögel 2015“

  • Österreichischer Verbands-Weitstreckenmeister mit Flügen von 400 bis 630 Kilometer

  • Meister der Reisevereinigung Amstetten

  • Kreismeister 2015 Kreis West

  • Meister Reisevereinigung 2015 Wien, NÖ und Burgenland (mit zirka 160 Züchtern)

  • Städtemeister 2015 Amstetten-Melk-Herzogenburg-St. Pölten