Erstellt am 07. September 2015, 09:39

von Doris Schleifer-Höderl

Junger Syrer bei Ehepaar: „Wir profitieren alle drei“. Josef und Helga Hofer haben einen jungen Syrer bei sich aufgenommen. Den NÖN erzählten sie, wie das Zusammenleben der Kulturen unter einem Dach funktioniert.

Zwei Kulturen, die sich unter einem Dach einander annähern: Das Ehepaar Helga und Josef Hofer mit Mohammad Kamal Akhdir. Foto: Doris Schleifer-Höderl  |  NOEN, Doris Schleifer-Höderl

Das Ehepaar Josef und Helga Hofer hat schon viele Gäste aus aller Herren Länder bei sich aufgenommen und daher Erfahrung mit anderen Kulturkreisen. So war es für sie auch selbstverständlich, im Februar dieses Jahres den 19-jährigen Mohammad Kamal Akhdir aufzunehmen, als ihr Sohn Matthias ihnen den jungen Mann vorstellte, der bei den Amstettner Falcons spielt.

Im November Abschied von Familie genommen

„Wir haben eine 50 Quadratmeterwohnung, die gerade frei war und so war uns Kamal willkommen! Einfach ist das Zusammenleben für uns alle drei nicht. Andererseits profitieren wir aber auch alle von unserer Multikulti-WG!“, sagt Josef Hofer.

Kamal war Mitglied der syrischen Basketball-Nationalmannschaft und studierte Sportwissenschaften. Doch im Herbst des vergangenen Jahres spitzte sich die Lage in seiner Heimatstadt Aleppo zu. Kamal hätte zum Militär müssen und flüchtete daher.

Im November des vergangenen Jahres nahm er Abschied von seinen vier Brüdern und seinen Eltern. „Von Aleppo bin ich mit dem Bus in die Türkei und von da aus mit einem Schlauchboot nach Griechenland. Den größten Teil ging es dann zu Fuß nach Albanien bis nach Österreich, wo ich von der Polizei aufgegriffen wurde“, erzählt Kamal.

„Für mich steht fest, dass ich zurück möchte“

In Traiskirchen suchte er schließlich um Asyl an, das ihm mittlerweile auch gewährt wurde, und kam nach Amstetten. Die Hofers wurden inzwischen so etwas wie eine zweite Familie für ihn. „Eigentlich wollte ich nach Deutschland. Aber ich bin froh, jetzt in Amstetten zu sein“, sagt der junge Mann.

Zurzeit lernt Kamal im BFI Service-Center Amstetten Deutsch. „Zur Zeit verstehe ich mehr, als ich selber sprechen kann. Aber es wird schon werden“, sagt er.

Sein Ziel ist es wieder Sportwissenschaften zu studieren. Aber auch Wirtschaft interessiert ihn, denn sein Vater ist Professor an der Universität in Aleppo. „Für mich steht fest, dass ich nach Syrien zurück möchte, wenn in meiner Heimat wieder Normalität einkehrt!“, erklärt Kamal.

Halt geben: „Für uns ist es Pflicht zu helfen“

Der Syrer leidet oft an Heimweh, was für Familie Hofer verständlich ist. „Ein anderer Kontinent, ein anderes Land, eine andere Kultur – das wäre wohl für uns alle eine sehr große Herausforderung!“

Viele Freunde Kamals sind im syrischen Krieg getötet worden. Und die Angst um seine Familie ist sein ständiger Begleiter. Immerhin steht er aber mit dem iPhone öfter mit ihnen in Kontakt.

In Amstetten hat Kamal inzwischen auch schon Freunde gefunden, bei den Falcons, den Hofers und beim Kulturverein ATIB in der Ybbsstraße 6. Aber Normalität gibt es in seinem Leben dennoch nicht, denn er wäre viel lieber in Syrien geblieben.

Helga und Josef Hofer versuchen ihm in Amstetten Halt zu geben. „Wir sind gottgläubig, beten und lesen die Heilige Schrift. Für uns ist es daher Pflicht zu helfen. Kamal wird seinen Weg gehen, wir begleiten ihn nur ein Stück.“