Erstellt am 28. Dezember 2015, 12:02

von Daniela Führer

Kaplan Abraham im Porträt: „Koffer voll Schokolade“. Wilson Abraham ist seit 1. September Kaplan im Pfarrverband Euratsfeld-Ferschnitz. Im NÖN-Gespräch erzählt er von seinem Start, was er vermisst und was er für die Zukunft plant.

Viel Zeit verbringt Kaplan Wilson Abraham in seinem Büro: »Im Pfarrverband fällt viel Arbeit an.« Foto: Daniela Schlemmer  |  NOEN, Daniela Schlemmer

Seit Anfang Oktober hat der 40-jährige Wilson Abraham aus Indien einen neuen Lebensmittelpunkt: Als Kaplan im Pfarrverband Ferschnitz-Euratsfeld wohnt er nun im Ferschnitzer Pfarrhaus.

Seine Wohnung hat er sich schon sehr gemütlich eingerichtet und an das Leben allein – er lebte zuvor drei Jahre bei seiner Gastfamilie in Purgstall – hat er sich auch schon gewohnt.

„Purgstall war eine intensive Zeit der Einschulung“

„Am Anfang war es aber schon schwer ohne meine Gastfamilie“, sagt er. Doch seine neue Arbeit im Pfarrverband macht ihm große Freude: „Ich habe jetzt viel Verantwortung und viele Termine: Kanzleistunden, Messen, Krankenkommunion, Geburtstagsbesuche und Sitzungen“, berichtet er von seinem Arbeitsalltag.

Zehn Jahre war Wilson Abraham Priester in Indien, ehe ihn die Einladung von Bischof Klaus Küng nach Österreich ereilte. Im September 2012 kam er nach Österreich. Hier verbrachte er drei Monate im Franziskanerkloster in St. Pölten, ehe er am 20. Dezember 2012 zu seiner Gastfamilie nach Purgstall zog.

„Die Jahre in Purgstall waren für mich eine intensive Zeit der Einschulung in das Leben in Österreich“, denkt er zurück.

„Essen, Klima, Kultur, Mentalität – alles war so anders“

An seine ersten Tage im Mostviertel erinnert er sich auch noch gut: „Alle sprachen auf einmal Mundart, damit habe ich gar nicht gerechnet, ich dachte, hier sprechen alle ‚normales’ Deutsch!“, lacht er. Generell war die Eingewöhnungszeit nicht leicht: „Ich hatte schon auch Zweifel, ob es die richtige Entscheidung war, nach Österreich zu kommen. Essen, Klima, Kultur, Sprache und Mentalität – alles war so anders.“

Seltsam war für ihn auch, dass er in seinem neuen Land auf so wenige Menschen auf den Straßen traf. „Ich dachte mir: Wo sind die Leute? Meine Heimat ist eines der dicht besiedeltsten Länder überhaupt!“ Doch mittlerweile hat er sich an alles gewohnt.

Naja, fast: „Ich esse alles – außer Blutwurst! Und auch die Sprache ist noch eine Grenze, die muss ich noch verbessern, aber ich kann schon sagen, Österreich ist mein Land, langsam werde ich in Indien zum Fremden“, sagt er.

In neuen Pfarrgemeinden fühlt er sich sehr wohl

Seine Familie und Freunde in der Heimat vermisst er aber dennoch sehr. Drei Mal die Woche telefoniert er mit ihnen und er besucht sie auch regelmäßig. Der nächste Heimaturlaub steht auch schon vor der Tür. Von 7. Jänner bis 4. Februar fliegt er wieder nach Indien. „Ich nehme immer einen Koffer voll Schokolade mit für die ganze Verwandtschaft!“, verrät er.

Auch seinen neuen Pfarrgemeinden wird er im neuen Jahr seine Heimat zeigen. Von 10. bis 25. November 2016 organisiert er eine Indien-Reise: „Diese ist schon ausgebucht: 37 Leute, davon 28 Ferschnitzer und neun Euratsfelder fliegen mit.“ 16 weitere Ferschnitzer stehen bereits auf einer Warteliste, daher wird es auch 2017 eine Indien-reise geben, verspricht Wilson.

In seinen neuen Pfarrgemeinden fühlt er sich auf jeden Fall sehr wohl: „Mein Chef, Dechant Johann Berger, und ich haben ein sehr gutes Miteinander, ich bin total zufrieden hier und auch die Leute in Ferschnitz und Euratsfeld sind sehr nett.“

Was die weitere Zukunft für ihn bringt, darüber macht er sich noch nicht zu viele Gedanken. Fest steht jedoch für ihn, dass er seinen Fünf-Jahres-Vertrag mit der Diözese verlängern wird.