Erstellt am 19. Dezember 2014, 00:01

Karpfenweihnacht. Weihnachtsgeschichte von Elfriede Hammerl.

 |  NOEN, Erwin Wodicka (Erwin Wodicka)
Es weihnachtet sehr, sagte der Karpfen missmutig. Aus naheliegenden Gründen konnte er der Weihnachtszeit nichts abgewinnen. Jedes Jahr das Gleiche. Statt gemütlich in seinem Teich dümpeln zu können, war er gezwungen, in irgendwelche entlegenen Weltgegenden zu flüchten, um einem Schicksal als schöne Leich in Panier oder Aspik zu entgehen. Auch heuer wieder die ermüdende Suche nach günstigen Last-minute- und All-inclusive- Angeboten, als wäre man ein Lachs oder gar ein Zugvogel, es war beschämend.

Der Hecht zischte vorbei, hohnlachend. Er schnappte nach dem Karpfen, aber nur pro forma. Man war vor längerem übereingekommen, einander koexistieren zu lassen, schließlich hatte ein Hecht in einem Karpfenteich nur seine Daseinsberechtigung, wenn der Karpfenteich auch ein Karpfenteich war. Der Hecht hätte quasi an seinen Existenzgrundlagen gesägt, wenn er den Karpfen ausgerottet hätte.

Dass er hohnlachte, fand der Karpfen ziemlich dumm. Seiner Meinung nach war ein menschliches Weihnachtsfestessen mit Hechtnockerln in der Suppe keine unvorstellbare Sache. Der Karpfen seufzte. Karibik, Alaska, der Lake District, Indischer Ozean – alles keine Ziele, nach denen er auch nur eine Spur von Sehnsucht hatte.

Ungewohntes Essen, ungewohnte Temperaturen, Salzwasser womöglich, und eine Bevölkerung, die ihm einigermaßen fremd war. Der Karpfen hatte nichts gegen Seeschildkröten, aber die Verständigung mit ihnen war mühsam, wie er hatten auch sie ein Problem mit der Mehrsprachigkeit. Am Ende würde er doch wieder nur mit irgendeiner Gans und einem ausgeflippten Truthahn Karten spielen, zu dritt im Exil für die Dauer eines Festes, bei dem es angeblich um Frieden und Freude ging, aber offenbar nur für eine auserwählte Spezies.

Letztes Jahr hatte der Truthahn beim Talonschnapsen ständig den Talon anschauen wollen, auch wenn er gar nicht gerufen hatte. Zu dumm, um sich die einfachsten Regeln zu merken. Und die Gans hatte dauernd angeberisch von ihren Ahnen und deren Verdiensten um das Kapitol gefaselt. Der Karpfen versuchte, an diejenigen zu denken, die noch schlechter dran waren,  wie zum Beispiel die Tannen, die nicht flüchten konnten, aber das half ihm auch nicht weiter.

Wie man Trost ziehen sollte aus der misslichen Lage anderer, war ihm eigentlich ein Rätsel. Das Einzige, was ihn unter Wasser hielt, war die Hoffnung auf ein Weihnachtswunder. Er sah sie schon vor sich, die schöne Goldfischin, die sich in ihn verlieben und in ihr geschütztes Glas holen würde, eines wunderbaren Tages. Aber bis dahin hieß es geduldig sein. Der Karpfen seufzte wieder. Na, dann halt diesmal in den Michigansee. Wie er wusste, mied der Truthahn die USA. Ein kleiner Lichtblick.
 
Alle Geschichten des NÖN-Adventkalenders sind folgenden Büchern entnommen:

Hat das Christkind Hosen an?

x  |  NOEN, zVg/Verlag Anton Pustet Salzburg
Heitere Weihnachtsgeschichten für große Kinder.
21 Euro, 192 Seiten,
Verlag Anton Pustet Salzburg

 
Es gibt ihn doch, den kleinen Unterschied! Und er wurde auch schon hinlänglich und in allen nur erdenklichen
Facetten erforscht. So sind Frauen zum Beispiel eher Rechtshänderinnen und seltener farbenblind. Ihr Sehfeld ist größer als das der Männer. Männer sehen dafür schärfer. Frauen können einzelne Finger gezielter bewegen. Männer werfen und fangen besser, sind im Durchschnitt um zehn Prozent größer, um 20 Prozent schwerer und um 30 Prozent stärker als Frauen, besonders am Oberkörper ...

Eine ganz wesentliche Frage wurde freilich bislang noch nie gestellt: Wie unterscheiden sich Frauen und Männer in ihrer Auffassung vom Christkind?

Dieses letzte aller noch verbliebenen Weihnachtsgeheimnisse aufzudecken, ist die Mission des dritten Bandes der erfolgreichen Christkindanthologie. Nachdem sich in den Vorjahren Journalistinnen aus ganz Österreich himmlischen Lifestyle-Themen gewidmet haben und Fragen nachgegangen sind wie "Ist das Christkind wirklich blond?" oder "Lebt das Christkind hinterm Mond?", offenbaren uns nun Österreichische Top-Journalisten ihr ganz persönliches christkindliches Verständnis. Sie bescheren uns tief(sinnig)e Einblicke mit ihren Betrachtungen zu "Hat das Christkind Hosen an?" Manch einer mag so weit gehen, zu fragen: Ja, ist es am Ende etwa gar ein Mann ...

Lebt das Christkind hinterm Mond?

x  |  NOEN, zVg/Verlag Anton Pustet Salzburg
Noch mehr heitere Weihnachtsgeschichten.
21  Euro, 180 Seiten,
Verlag Anton Pustet Salzburg

Das Leben ist voller Christkindmomente. Weißt du, wo das Christkind wohnt? Hinterm Mond? Und doch kommt es so weltoffen und geistreich daher, ist so fest verortet im Hier und Jetzt. Es ist da, immer dann, wenn es uns gelingt, anderen eine Freude zu machen, jemandem ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern oder einfach nur für einen Augenblick innezuhalten und zuzuhören.

Das Leben ist voller berührender, lustiger, tiefgründiger, verworrener, liebenswerter, stimmiger, unglaublicher, fantastischer ... Christkindmomente. Es gilt nur sie aufzuspüren. Viele davon wohnen in uns, sind eingeschrieben in unser gemeinsames Gedächtnis. Wie die langen, nicht enden wollenden Stunden erwartungsvoller Vorfreude, die sich dann im Nachhinein vielleicht als die schönsten erweisen. Wie die Freude am Schenken, die oft um so vieles größer ist, als die darüber, beschenkt zu werden. Wie die eingespielten Traditionen und Bräuche, die wir zeitlebens mit Inbrunst verwünschen, obwohl wir doch genau wissen, nicht ohne sie sein zu wollen.

„Steht das Christkind vor der Tür? Das Licht-ins-Dunkel-Weihnachtsbuch“

x  |  NOEN, Verlag Anton Pustet
Barbara Brunner,  Caroline Kleibel, 144 Seiten, 22 Euro, Verlag Anton Pustet
Steht das Christkind vor der Tür? Aber ja doch! Alle Jahre wieder wollen wir das Christkind oh so fröhlich hereinbitten und voller Vorfreude willkommen heißen. Die Tür zu wunderbaren Weihnachten öffnen uns dieses Mal Menschen, die wir alle kennen und schätzen. Menschen, die in ihrem Leben schon viel erreicht haben, was zählt. Uns wiederum reicht das von ihnen Erzählte.

In diesem stimmungsvollen Sammelband geben Künstlerinnen und Künstler, Medienschaffende und prominente Persönlichkeiten ihre denkwürdigsten Weihnachtserinnerungen preis. Einmal heiter, dann wieder besinnlich, nostalgisch und zuweilen auch durchaus kritisch.  Sind die Türen erst einmal weit offen, bleiben auch die Herzen nicht verschlossen. Mit dem Kauf jedes einzelnen Buches unterstützen Sie die Aktion Licht ins Dunkel.