Erstellt am 08. März 2016, 04:49

von Wolfgang Kapf

Kauft Stadt die Forstheide?. Bürgerinitiative „Rettet die Forstheide“ lud am 3. März in den Amstettner Rathaussaal zur Diskussion über Forstheide ein. Überraschung: Besitzer Hatschek zu Verkaufsgesprächen bereit.

Moderator Bernhard Kitzler (r.) mit einigen »Rettet die Forstheide«-Aktivisten (v.l.): Peter Rausch, Roland Dirnberger, Franz Raab, Michael Walka und Rudi Brandstetter. Foto: Wolfgang Kapf  |  NOEN, WWolfgang Kapf
„Die Forstheide ist das letzte voralpine Steppen-Heide-Gebiet in Europa – mit einer speziellen einmaligen Pflanzen- und Tierwelt. Zum Beispiel wurden dort 551 Schmetterlingsarten und 48 Bockkäferarten nachgewiesen. Ganz typisch sind viele Orchideenarten, Enziane, Seidelbast und Schneerosen. Die Forstheide ist auch ein wichtiges Naherholungsgebiet,“ erklärte Peter Rausch, Sprecher der Bürgerinitiative „Rettet die Forstheide“.

Konzept diene „nicht dem Schutz der Forstheide“

Rausch ließ dann die „Zerstörungen“ von der Schlägerung des Kokeschwaldes in den 80er-Jahren bis herauf zur von der BH Amstetten genehmigten „Greibich-Rodung“ im Jahr 2014 Revue passieren. „Die Forstheide steht zwar unter Landschaftsschutz, aber das ist ein völlig zahnloses Gesetz.“

In Richtung Stadtgemeinde meinte er, dass das Landschaftsentwicklungskonzept „nicht dem Schutz der Forstheide dient und es lediglich für Propagandazwecke und Alibi-Projekte missbraucht wird“.

Umweltgemeinderat Bernhard Wagner wies das entschieden zurück: „Gemeinsam mit Fachleuten und im Einverständnis mit den jeweiligen Grundeigentümern setzen wir Naturschutzprojekte um.“

Zusammenarbeit mit Hatschek funktioniert

Auch dem mit dem größten Grundeigentümer der Forstheide, Matthias Hatschek, abgeschlossenen Vertrag kann Rausch nichts Positives abgewinnen: „Die Gemeinde zahlt jedes Jahr 16.000 Euro, damit sie die Wege für die Läufer pflegen darf.“

Vizebürgermeister Michael Wiesner entgegnet: „Diese Vereinbarung kommt nicht nur Sportlern sondern allen zugute. Die Zusammenarbeit mit Hatschek funktioniert übrigens bestens und er hält die Vereinbarungen ein. Beispielsweise darf er nur Schotter für den Eigenbedarf (Wegesanierung) entnehmen. Auch die Holzentnahme ist mit 300 Festmeter pro Jahr beschränkt.“

Zur „Rettung der Forstheide“ legt dann Rausch die Forderungen nach einer „Umgestaltung des Landschaftsentwicklungskonzeptes in ein Forstheide-Schutzkonzept inklusive Überwachung durch unabhängige qualifizierte Experten“ auf den Tisch. Und wie Umweltgemeinderat Wagner vor 14 Tagen meint auch er: „Der Erwerb der Forstheide durch die öffentliche Hand wäre der beste Schutz!“

Zum Thema „Kauf“ meldet sich wieder Vizebürgermeister Wiesner: „Kürzlich sind 38 Hektar um 1,1 Millionen Euro ins Eigentum der Stadtgemeinde übergegangen.“ Und dann verrät er völlig überraschend: „Erst vor ein paar Tagen hat uns Hatschek seine Gesprächsbereitschaft über den Verkauf seiner 220 Hektar signalisiert. Wir werden die Verhandlungen aufnehmen und ich hoffe, dass ich im Sommer schon mehr dazu sagen kann.“

Unter dem Motto „Wir trauen der Stadtgemeinde nicht“ (Zitat von Rausch) startete die Bürgerinitiative am Ende der Veranstaltung eine Unterschriftenaktion für ein „Forstheide-Schutzkonzept“.