Amstetten

Erstellt am 30. August 2016, 06:18

Amstettner Landwirtschaft: Ernte mäßig, Preise mies. Bauern im Bezirk Amstetten warten weiterhin auf einen Lichtblick. Doch das Russlandembargo für europisches Fleisch und große Getreidemengen am Weltmarkt verheißen nichts Gutes.

Immerhin verspricht die Maisernte im Bezirk heuer sowohl qualitativ als auch quantitativ sehr gut zu werden. Für die Bauern ist das ob der allgemeinen tristen Lage und der niedrigen Preise aber nur ein kleiner Trost. Bundesrat Andreas Pum und Franz Lehner, Obmann des Bezirksbauernbundes Amstetten, fordern rasche Hilfsmaßnahmen für die Landwirte. Foto: Knapp  |  Hermann Knapp

Lange Zeit sah es so aus, als könnten die Bauern heuer eine gute Getreideernte mit hoher Qualität einbringen. Doch dann machten Starkregen und Unwetter diese Hoffnung zunichte. „Die Erträge bei Gerste und Weizen sind nur durchschnittlich und die Qualität lässt leider zu wünschen übrig. 65 bis 78 Kilo pro Hektoliter beim Weizen ist ein niedriger Wert. In guten Jahren liegt er bei bis zu 84 Kilo“, sagt Bezirksbauernbundobmann Andreas Pum.

Er bedauert, dass den Landwirten hohe Erträge verwehrt blieben. „Denn das hätte die Stimmung vielleicht ein wenig gehoben.“ Stattdessen bereiten die niedrigen Getreidepreise den Bauern zusätzlich Sorgen. „Grund dafür ist nicht zuletzt eine Rekordernte in Russland, die natürlich den Druck auf dem Weltmarkt erhöht und auf den Bezirk durchschlägt“, sagt der VP-Politiker.

Bei den Schweinen scheint die Talsohle durchschritten

Der Milchpreis liegt ohnehin seit Monaten unter dem Niveau, das die Bauern brauchen würden, um langfristig zu überleben. „Derzeit kommen sie nur über die Runden, aber es bleibt ihnen kein Geld für notwendige Investitionen. Tatsächlich ist die Situation in der Landwirtschaft so, dass das Einkommen zum fünften Mal in Folge sinkt. Die Bauern leben von der Substanz, das geht auf Dauer nicht.“

Zumindest bei den Schweinen scheint die Talsohle zwar durchschritten, aber ein Preis von rund 150 Euro für ein Mastschwein ist noch immer alles andere als gewinnbringend. Am Rindersektor bereitet nach wie vor das Russlandembargo Probleme und wie sich die Handelsbeziehungen mit der Türkei entwickeln ist auch fraglich.

Pum fordert nun einmal mehr als Sofortmaßnahme, dass den Landwirten für ein Quartal der Sozialversicherungsbeitrag erlassen wird. „Das würde zumindest eine kleine Entlastung bedeuten.“

Für den Amstettner Bezirksbauernbundobmann Franz Lehner ist ein Grund für die derzeitige Misere in der Landwirtschaft der Wegfall der Ökopunkteförderung. Dadurch würden die Betriebe im voralpinen Bereich extreme Nachteile gegenüber den Riesenbetrieben in Irland und anderen Ländern haben. „Unsere Produktionskosten sind höher, aber der Preis ist der gleiche. Das kann sich nicht ausgehen“, sagt der Funktionär und fordert ein Nachfolgemodell für die Ökoförderung.

Mehr dazu lesen Sie in Ihrer neuen NÖN-Ausgabe.