Erstellt am 09. Oktober 2016, 14:06

Lydia Steininger zurück vom Volontariats-Einsatz. Kürzlich kehrte die 19-jährige Lydia Steininger aus Amstetten von ihrem einjährigen Volontariats-Einsatz in der Republik Kongo zurück.

Dabei sammelte sie in der knapp eine Million zählenden Hafenstadt Pointe-Noire viele Eindrücke und Erfahrungen. Sie unterrichtete Englisch und Deutsch an einer Volks-, Mittel- sowie Berufsschule und engagierte sich auch sonst stark im sozialen Bereich, etwa als Mitarbeiterin in einer Gefängnisküche (am Ende unten ist mehr davon zu lesen – in rot ...)

Was ist überhaupt die Motivation so ein doch mühevolles Auslandsjahr auf sich zu nehmen? Es habe mehrere Gründe gegeben. So sei ihr bewusst, dass wir in Österreich hier verwöhnt seien und sie wollte den „Tunnelblick“ ablegen. Außerdem wollte die angehende Theologie- und Literaturwissenschaften-Studierende die eigene Kultur hinterfragen. Und es sollte etwas Nachhaltiges sein, Projekte, bei denen sie Menschen helfen konnte. Daher entschied sie sich bei den Salesianer Don Boscos mitzuarbeiten. Diese kennt sie ja – schließlich stammt sie selber aus der Salesianer-Pfarre Amstetten Herz Jesu.

Von weit wurde sie schon als „Mundele“ - weiße Frau – gerufen, Freunde nannten sie „Yaya“, junges Mädchen. Nach anfänglichen Sprachschwierigkeiten habe sie sich rasch zurechtgefunden, neben Französisch wird in Pointe-Noire Munukutuba geredet, eine Bantu-Sprache. Für die Menschen sei es eine schöne Geste gewesen, wenn sie auf Munukutuba Small Talk führen konnte.

"An Herzlichkeit der Menschen schnell gewöhnt“

Überhaupt würden dort viele kleine Gesten zählen, etwa dass man keine Angst vor Berührungen und Umarmungen habe. Eines betont sie: „An die Herzlichkeit der Menschen habe ich mich schnell gewöhnt!“ Sie weiß auch viel zu erzählen, das idyllisch klingt. Die Frauen kochen meist für mehrere weitere Personen mit, die mittags unangemeldet kommen. Verschlossene Tore wie hierzulande gibt es dort kaum, Nachbarschaft wird groß geschrieben.

Unsicher habe sie sich auch nie gefühlt, denn sie war bekannt und die Menschen respektierten sie, weil sie aus dem kirchlichen Bereich kommt. Denn die jungen Salesianer-Priester tun viel Gutes: neben der Pfarre betreiben sie Jugendheime für Straßenkinder und die erwähnten Schulen. Die Volksschule hat übrigens P. Simplice Tchoungang aufgebaut, der kürzlich ein Praktikum in Amstetten absolviert hat. Lydia unterrichtete mal 30, dann bis zu 80 Kinder und Jugendliche. Die Schule sei dort viel strenger, nicht so viele Freiräume, es gebe „Frontalunterricht“.

Von der Kirche im Kongo zeigt sie sich begeistert. Es sei eine junge, bunte, fröhliche Glaubenswelt. In den Gottesdiensten werde getanzt, geklatscht und es gebe Sprechchöre. Dazu vermische sich viel mit anderen Kulten, etwa dem Ahnenkult. Eine Anekdote, die sie erlebte: Jemand bat einen Priester eine Schüssel verunreinigtes Regenwasser zu weihen, dann trank er dieses „Weihwasser“ aus. Sie sei auch begeistert von der Religiösität der Jungen, jeder wachse dort mit dem Glauben auf. Es sei etwas ganz Natürliches und im Alltag stark verankert, konkret das Gebet vor dem Essen.

"Wichtig für so ein Praktikum: Interesse haben und Menschen zuerst sehen"

Ein Schock sei für sie der ungleich verteilte Reichtum gewesen. Im europäischen Viertel gebe es viele, die aufgrund des Erdöls im Luxus leben könnten, in anderen Gegenden dagegen müssten sich Kinder Kugelschreiber teilen und sich Sorgen um das tägliche Essen machen. Die Salesianer Don Boscos fangen jene auf, die aus dem sozialen Netz fallen, das über viele Generationen hinweg von der Nachbarschaftshilfe und von den Familien getragen worden ist.

Würde sie so ein Volontariat empfehlen, das sie im Rahmen der Organisation „Volontariat bewegt“ - eine Partnerorganisation der Salesianer Don Boscos - gemacht hat? „Definitiv“, sagt sie. Sie würde es wieder machen und habe viel von der Kultur gelernt. Sie war auf Hochzeiten, Begräbnissen und das Materielle sei dort weniger von Bedeutung. Gleichzeitig sei ihr wichtig zu differenzieren und nicht Stereotypen zu verfallen. Denn die Menschen im Kongo hätten genauso Smartphones, Internet oder Strom. Wichtig sei für so ein Praktikum, dass man Interesse habe und die Menschen zuerst sehe.

Lydia plant im Rahmen ihres Studiums auch sozial tätig zu sein, etwa für Flüchtlingskinder im Wiener Salesianum. Am Sonntag, 23. Oktober, berichtet sie am Weltmissionssonntag in der 9:30 Uhr-Messe in der Herz Jesu-Kirche über ihr Praktikum. Bei Interesse hält sie auch gerne Vorträge über ihr spannendes Jahr im Kongo.